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Kultur Klein-Paris ist sechs Tage Film-Paris
Nachrichten Kultur Klein-Paris ist sechs Tage Film-Paris
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07:00 16.10.2015
Drehstart am 14. September in Worpswede: Otto Modersohn (Albrecht Schuch) und Paula Moderson-Becker (Carla Juri). Quelle: MARTIN VALENTIN MENKE
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Leipzig

Immer wieder fuhr sie nach Paris. Immer wieder tauchte sie ein in die Welt der Spätimpressionisten, die schon expressiv arbeiteten, sah ihre Bilder, skizzierte im Louvre, besuchte Kunsthandlungen, belegte Zeichen- und Malkurse – und malte doch schon längst ihren eigenen Stil. Paula Modersohn-Becker (1876 – 1907), die Frau aus Worpswede, die versuchte, ihren Traum von der Kunst zu leben. Befreundet mit Rainer Maria Rilke und der Bildhauerin Clara Westhoff, verheiratet mit dem Maler Otto Modersohn, flieht sie in Angst vor den Fesseln einer sexuell unerfüllten Ehe, die sie als Künstlerin nur beengt. Letzter Ausweg Paris.

Als vor sieben Jahren Produzentin Ingelore König („Winnetous Sohn“) durch ein Buch über Rilke auf das kurze, intensive Leben von Paula Modersohn-Becker (sie starb 18 Tage nach der Geburt ihrer ersten Tochter Mathilde) und ihre vielen Briefe stieß, war sie entflammt: „Sie war noch so jung – und hat unheimlich viel nachgedacht und philosophiert.“ Nach einer Worpswede-Schau in Bremen mit 23 Selbstporträts von Paula Modersohn-Becker stand es fest: „Du musst den Film machen. Diese Selbstbildnisse waren so verschieden, das war irre.“

Pariser Atelier im Dittrichring

Ein paar Kopien davon stehen nun in einem Zimmer im Leipziger Dittrichring 8 auf Staffeleien. Hier ist für ein paar Tage jene Pension, in der Paulas Atelier in Paris war – mit Bleistift-Skizzen and den Wänden, einem Morgenmantel am Schrank, einem stählernen Bett, einem eisernen Ofen, Spiegel, Kommode, Stühlen und einem Tisch voller Farben, Flaschen und Pinsel in einem Mini-Wintergarten. Sechs Tagen lang entstehen in Klein-Paris Szenen aus Original-Paris – mit Carla Juri („Feuchtgebiete“) als Paula, Joel Basman („Als wir träumten“) als Rilke, Albrecht Schuch („Die Vermessung der Welt“) als Otto Modersohn.

Regie führt der 37-jährige Christian Schwochow („Bornholmer Straße“, Der Turm“), der Ende der 70er, bevor er mit den Eltern nach Berlin zog, als kleiner Junge zwei Jahre in der Industriestraße gewohnt hat – und der auch mal bildende Kunst studieren wollte: „Ich stand Tag und Nacht an der Staffelei – bis ich gemerkt habe: Das ist mir zu einsam.“ Kurz nach dem Mauerfall ist er bei einem Besuch mit den Eltern in Worpswede erstmals auf Originalbilder von Paula Modersohn-Becker gestoßen: „Das passiert dort einfach zwangsläufig.“

Paris-Gefühl in Leipzig

Der Film „Paula“ soll, so Produzentin Ingelore König, kein klassisches Biopic werden: „Wir blicken mit den Augen von heute auf Paula Modersohn-Becker zurück.“ Für Regisseur Christian Schwochow ist „Paula“ eine Befreiungs-Geschichte mit Ehemann, französischem Geliebten und dem engen Freund Rilke: „Wir erzählen von einer jungen Frau, die sich radikal für ihre Kunst aufgemacht hat.“ Das Buch schrieben Stefan Kolditz („Nackt unter Wölfen“, „Unsere Väter, unsere Mütter“) und Stephan Suschke („Bornholmer Straße“).

Leipzig soll in diesen regnerischen Tagen ein Paris-Gefühl liefern, wofür am Wochenende Simson- und Lampestraße zum Boulevard Raspail werden, in Merseburg steht in den Tagen danach das Atelier von Auguste Rodin. Drehstart für die Fünf-Millionen-Euro-Produktion (480 000 kamen von der Mitteldeutschen Medienförderung) war am 14. September in Worpswede, dann ging es das erste Mal ins Münsterland, wo am 5. November auch Drehschluss ist. Im Herbst 2016 wird „Paula“ im Kino starten.

Von Norbert Wehrstedt

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