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Kultur Konzerterlebnis für die Wand: "Colored Gigs Exile" im Leipziger Westen
Nachrichten Kultur Konzerterlebnis für die Wand: "Colored Gigs Exile" im Leipziger Westen
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17:10 22.09.2014
Sex, Druck & Rock'n'Roll: Falk Schwalbe (links) und Hannes Hirche in ihrer Plakatdruckwerkstatt in der Engertstraße. Quelle: Wolfgang Zeyen

Dann zeigen sie ihre Werke, drucken vor den Augen der Besucher und haben internationale Künstlerkollegen zu Gast, außerdem eine Band und drei DJs. Wir haben Falk Schwalbe über das Konzept der Rainbow-Poster befragt.

Während immer mehr Werbung ins Internet abwandert, fertigen Sie im handwerklichen Siebdruckverfahren Konzertposter an. Wer hängt sich die an die Wand?

Auch in unserem schnelllebigen, digitalen Zeitalter besteht der Wunsch nach Entschleunigung, Rückbesinnung, Individualität, Qualität. Dies kann man in den unterschiedlichsten Lebensbereichen feststellen. In der Musik feiert die LP ihre Renaissance und bildet den Gegenpol zu 200x200 Pixel großen iTunes-Thumbnails. Selbst die Kassette hat ihren Weg zurück auf den Merchandising-Tisch gefunden. Warum? Weil diese Medien limitiert sind, weil sie der Musik die visuelle Aufmerksamkeit und Wertigkeit verleihen, die im Netz und seiner übermächtigen Informationsflut verloren gehen. Ein Gigposter ist für Musikliebhaber gedacht, Leute, die sich Zeit nehmen, Musik bewusst zu hören, das live erlebte Gefühl mit nach Hause nehmen wollen und die Einmaligkeit des Produkts würdigen.

Wie kommt man darauf, solche Plakate zu machen? Spielt Ihre Vergangenheit als Musiker da eine Rolle?

Tatsächlich spielen viele Gigposter-Künstler in Bands, für welche sie ihre ersten Poster gestaltet und gedruckt haben. Bei mir war es nicht anders, obwohl ich das damals noch nicht im Siebdruck umgesetzt habe. Man erlernt ein Instrument, die Musikbegeisterung wächst und dann studiert man auch noch Grafikdesign. Da liegt es doch auf der Hand, zunächst für befreundete Bands und später für die Idole seiner Jugend Plakate und Cover-Artworks zu kreieren.

Für welche Band wollten Sie unbedingt künstlerisch arbeiten?

In unserem Bereich ist jeder Auftrag auf Initiative des Künstlers entstanden, vergleichbar mit einer Initiativ-Bewerbung. Daher kann ich behaupten, mit jeder Band, mit der ich Kontakt hatte, auch arbeiten zu wollen. Klar liegt da einem eine Gruppe mal mehr am Herzen, und doch sind oft die unerwarteten Kollaborationen die wahren Highlights. Ein Höhepunkt war und ist Efterklang, sowohl die Band als auch das Poster.

Gibt es eine Musikrichtung, die Künstlern wie Ihnen besonders aufgeschlossen gegenüber steht?

Aufgeschlossenheit hat an dieser Stelle weniger etwas mit der Musikrichtung als mit der Herkunft zu tun. Gigposter haben in den USA eine viel längere Tradition, so dass amerikanische Bands eher bereit sind, mit einem Künstler zusammenzuarbeiten, weil sie wissen, worum es hier geht. Trotzdem spielt auch die Musikrichtung eine Rolle, obwohl dies sehr schade ist, denn jede Richtung verlangt und eröffnet eine andere kreative Herangehensweise und Umsetzung. Für mich ist daher besonders spannend, für ein großes Spektrum musikalischer Ausdrucksformen künstlerisch tätig zu sein.

Und die Musikrichtung, die trotzdem eine Rolle spielt?

Progressive Rock, Alternative Rock, Independent.

Für morgen kündigen Sie zwei neue Plakate an. Was wird darauf zu sehen sein?

Vielleicht hätte ich hier nicht zu hoch stapeln sollen. Manchmal braucht Kommunikation zwischen Künstlern und Musikern doch mehr Zeit als gedacht. Etwas kann ich verraten: Es wird ein neues Band-Of-Skulls-Tourposter geben. Voran ging diesem ein Poster für deren "Himalayan"-Tour im April. An dieses knüpft auch das neue Posterdesign an. Thematisch stehen noch immer goldene Gipfel und die explosive Bühnenshow im Vordergrund.

Colored Gigs Exile, Mittwoch, 16 bis 23 Uhr, Rainbow-Studio (Engertstraße 6). Die Bühnenshow übernehmen ZHOD (Zentralheizung of Death), an den Plattentellern stehen Bummi 3000 (ZHOD), Bodo Hansen sowie Falk Schwalbes Poster-Macher-Kollege Carlo Vivary, Eintritt frei; www.rainbow-posters.com.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.09.2014

Bert Hähne

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