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Krumbiegel, Thoelke und Donis zelebrieren Pop im Centraltheater

Krumbiegel, Thoelke und Donis zelebrieren Pop im Centraltheater

Zuerst der Fußball, dann die Musik. Weil Tim Thoelke als Stadionsprecher von RB Leipzig heute zunächst dem Sachsenpokal-Finale gegen den Chemnitzer FC beiwohnen muss, beginnt die Vinyl-Revue im Centraltheater zwei Stunden später als geplant.

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Keineswegs haben Sebastian Krumbiegel, Tim Thoelke und Ralf Donis für das Foto ihre Platten zusammengetragen. Die drei Musiker und Musikkenner posieren vielmehr vor Thoelkes beeindruckender Sammlung.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Zum dritten Mal huldigen Prinzen-Sänger Sebastian Krumbiegel, DJ und Entertainer Ralf Donis sowie Thoelke in der Festspielarena deutschsprachiger Popmusik. Und zwar nicht nur im Experten-Gespräch, sondern vor allem auch in eigenen Interpretationen an Klavier, Gitarre und mit Gesang. Sicher sind auch Titel dabei, von denen die drei schon vorab schwärmen.

Sebastian Krumbiegel: Udo Lindenberg - "Livehaftig" (1979)

Dieses Doppelalbum ist für mich nach wie vor ein großartiger Meilenstein deutscher Musikgeschichte. Udo Lindenberg und das Panikorchester 1979 auf dem (ersten) Höhepunkt des musikalischen Schaffens - energiegeladen, kraftvoll und sowohl textlich als auch musikalisch nach wie vor ganz weit vorn. Ich kenne jeden Ton und kann sogar die Ansagen mitsprechen.

Tim Thoelke: Trio - "Bye Bye" (1983)

Diese Platte präsentiere ich bei der Vinyl-Revue vor allem wegen ihres spektakulären Cover-Konzepts. Trio vermarkteten das Cover nämlich als für jedermann zu buchende Werbefläche. In insgesamt fünf Auflagen (plus zwei Sonderauflagen, abgebildet ist die fünfte) kam so jedes Mal ein anderes Cover mit anderen Werbeanzeigen zu Stande. Zum Glück besitze ich alle Auflagen (auch die zweite, die wegen rechtlicher Unsicherheiten leer blieb), obwohl ja immer die gleiche Platte drin steckt. Zwei wichtige Teile der Faszination des Formats Vinyl werden dabei deutlich: erstens, dass das Cover-Artwork ein wichtiger Teil des Werkes ist, und zweitens, dass es bei Schallplatten auch immer um die wunderbare Freude am Sammeln geht!

Krumbiegel: Die Art - "Das Schiff" (1995)

Die Art - eine nach wie vor aktive Leipziger Band, die ich von Anfang an verfolgt habe. Songs wie "Sie sagte", "Symbole" oder eben "Das Schiff" sind mittlerweile Klassiker. Letztes habe ich zum 25. Geburtstag der Band solo am Piano im UT Connewitz gesungen, und sogar die Hardcore-Die-Art-Fans fanden es gut - für mich eines der schönsten traurigen Liebeslieder, die ich kenne.

Ralf Donis: Fehlfarben - "Monarchie und Alltag" (1980)

Für mich persönlich wichtigste deutschsprachige Pop-Platte aller Zeiten, nichts hat mich in meiner Jugend mehr geprägt. Die Linie, die Fehlfarben einschlugen, haben für mich Blumfeld am innigsten ins Heute weiter geschrieben, und Silly kam im DDR-Profibandzirkus musikalisch und textlich dem Post-Punk/Wave-Gedanken für mich am nahesten.

Thoelke: Nina Hagen Band - "Nina Hagen Band" (1978)

Von dieser Platte singe ich bei der Vinyl-Revue den Song "Der Spinner". Nina Hagen deckt auf ihrer ersten Solo-Platte alle Themen der 70er ab: Null Bock, Punk, Heroin, Gruppensex, Abtreibung (manchmal vielleicht sogar in dieser Chronologie). Aber es geht auch um die Themen ihrer eigenen abgedrehten Persönlichkeit: Depressionen, Wahnvorstellungen, Verweigerung. Dazu eine Band (später als Spliff berühmt), die alle musikalischen Register zieht und dabei auch noch fantastisch groovt. Ellenlange Gitarrensoli und freie Oberkörper gehören natürlich auch dazu. Nina schreibt alle Texte der Platte selbst und übersteigert ihren Gesang immer wieder ins Schrille und Groteske. Für mich als Kind vor allem beeindruckend aufgrund der Obszönität ihrer Texte. Für mich damals ein Schock, dass Erwachsene solche Wörter (die ich zum Teil gar nicht verstanden habe) singen und auch noch in Form einer Platte für die Ewigkeit konservieren durften.

Krumbiegel: City - "Casablanca" (1987)

"Wo die Palmen sich verneigen, wo die Purpursonne weint, will sie in die Gondel steigen und will ganz woanders sein" - diese Art von Fernweh aus den letzten Tagen der untergehenden DDR geht mir noch heute unter die Haut. "Casablanca" war ein Album, das mich zum City-Fan gemacht hat.

iVinyl-Revue, heute, 22 Uhr, Centraltheater-Festspielarena (Bosestraße 1), Eintritt 16/11 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.05.2013

Sebastian Krumbiegel, Tim Thoel

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