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1800 Fans feiern die Guano Apes

Konzert im Haus Auensee 1800 Fans feiern die Guano Apes

Vor allem Ende der 1990er sorgten die Guano Apes für Furore. Ihr Erfolgs-Album „Proud Like A God“ erschien vor genau 20 Jahren. Das feierte die wiedervereinigte Band am Freitag mit einem Konzert im Haus Auensee – und mit gewissen Eigenheiten, über die man streiten kann.

Zu den Guano Apes wurde kein Pressefotograf zugelassen. Für den Druck genehmigt sind nur Bilder, die die Band eigens aussuchte. Für uns inakzeptabel – und die Gelegenheit, einfach mal das über 100 Jahre alte Haus Auensee abzubilden, das auch Sandra Nasic sehr schön findet.

Quelle: Andre Kempner

Leipzig. Man muss nicht alles verstehen, schon gar nicht in der Kunst. Zum Beispiel die Namen bestimmter Bands: „Guano Apes“ kombiniert das Exkrement des Peruanischen Tölpels mit Menschenaffen. Für ein paar Fragezeichen ist die Combo auch jenseits ihrer Bezeichnung gut – ohne dass sich das auf die Treue ihrer Fans auswirkt, wie sich am Freitag im Haus Auensee gezeigt hat.

Natürlich darf man sich immer noch wundern, dass die aus Göttingen stammende Band wieder existiert angesichts des nicht gerade dezent kommunizierten Zoffs, der 2005 im Statement von Schlagzeuger Dennis Poschwatta gipfelt, die Geldgier von Sängerin Sandra Nasic sei ausschlaggebend für die Trennung der Apes gewesen. Die Vögel schissen noch eine Menge Guano auf südamerikanischen Kalkstein, 2009 aber rauften sich die Crossover-Helden zusammen.

Gerade touren Nasic und ihre Männer durchs Land. Das Erscheinen ihres über drei Millionen Mal verkauften Debüt-Albums „Proud Like A God“ vor 20 Jahren und die neuaufgelegte Version 2017 dafür zum Anlass zu nehmen, ergäbe einen Sinn, wenn die Guano Apes den Megaseller komplett durchspielen würden, was eh schwer in Mode ist. Machen sie aber nicht.

Die Show vor 1800 Leuten beginnt mit einer vorgeschobenen Wand, Sofa und kleinem Drum-Besteck als Attrappe eines Probenraums – um nach dem eher zahmen Opener innerhalb von ein paar Sekunden die Mauer zu teilen und dahinter Poschwatta hinter einem XL-Schlagzeug mächtig das Tempo anzutreiben.

Den kraftvollen Mix aus Nu Metal und Alternative Rock haben die Vier mit Anfang 40 selbstverständlich genauso gut drauf, Präsenz und Ausstrahlung der Frontfrau unter der Hoodie-Kapuze sind unvermindert beeindruckend ebenso wie die Uptempo-Spaziergänge von Bassist Stefan Ude, der bei seinen Saitenläufen tänzelnd die Bühne ausmisst. Der Smashhit „Open Your Eyes“ macht unverändert Spaß, und das Publikum beginnt zu springen, einige surfen durch die Menge.

Und doch fehlt etwas an diesem Abend im schönen Saal des Haus Auensee, in dem es, wie Nasic betont, immer wieder toll ist zu spielen. So simpel das klingt: Es dürfte die mangelnde Lautstärke gewesen sein. Henning Rümenapps Gitarre grollt, Poschwatta drischt auf sein Werkzeug ein, doch ohne deftiges Wummern in der Magengrube fetzt das nicht.

Die stimmgewaltige Sandra Nasic biegt sich, sackt zusammen, springt auf, wirft sich in Pose – Szenen, die man hervorragend illustrieren könnte, würde die Band Presse-Fotografen zulassen statt die eigens produzierten Fotos zum Abdruck vorzuschreiben. Einfluss auf die Aufbereitung von Berichterstattung, auch das wirft Fragen auf.

Zurück zur Musik: Der Metal-Überzug auf Alphavilles poppigem „Big In Japan“ (in der Zugabe) funktioniert weiterhin bestens. Das Eminem-Cover („Lose Yourself“) kann, aber muss nicht sein. Definitiv Finger und Stimme sollten die Apes von Depeches Modes „Precious“ lassen: trotz deftiger Saitenhiebe zu nah am schwer zu toppenden Original.

Komplett in Ordnung ist die Welt am Ende dank der großartigen Ausraster-Skater-Hymne „Lords Of The Boards“ – mit dieser für jede Karriere so symbolhaften Zeile: „I can fly so high, I can fall so deep.“

Von Mark Daniel

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