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Kultur Regional Ältere und neure Raum- und Farbkonstruktionen Jörg Ernerts
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22:49 06.02.2019
Jörg Ernert in der „Lichtprobe " zwischen den Werken „Oper – Spiegel“ und „Oper – Lichtprobe“. Quelle: Andre Kempner
Leipzig

Fast muss man sie suchen, die Balletttänzer, die auf den Matten des Spiegelsaals Übungen zum Aufwärmen machen. Die Raumwirkung mit Reflexionen nicht nur an den Wänden beherrscht das wandfüllende Bild Jörg Ernerts. Auch in anderen Gemälden kommen Personen vor, mit wenigen Strichen angedeutet. Sie, die ansonsten im Rampenlicht die Hauptrolle spielen und Applaus bekommen, sind hier Staffage, hauptsächlich zur Veranschaulichung der Maßstäbe da.

Raum und Farbe

Jörg Ernerts Bilder aus Raum und Farbe

Die Erfassung des Raumes ist ein uraltes Anliegen der Malerei. In der Leipziger Kunst der Gegenwart ist das eine der Konstanten, davon kann man sich nebenan in der leicht umgestalteten Dauerausstellung überzeugen. Bei Ernert kommt die Farbe als zweite Säule hinzu. Dafür verzichtet er gern auf die all zu detaillierte Ausarbeitung von Details. Dass man häufig die Spuren grober Pinsel oder gar Bürsten erkennt, bedeutet aber nicht, dass die Bilder schnell in einem Zug entstünden. Am Anfang steht die Zeichnung. Im Katalog sind einige dieser Vorstudien wiedergegeben. Mit sparsamen Strichen skizziert er Situationen. Er spricht vom Porträtieren von Räumen. „Ich brauche immer längere Zeit, um die Räume für mich zu erschließen.“ Aus den unzähligen Skizzen entstehen Kompositionen, die mehrfach lasierend übermalt werden. Die Farbstimmung hat dann mit der Realität nicht unbedingt zu tun. Sie entsteht im Kopf.

Hinter den Kulissen

Ältere Werkgruppen leiten die Ausstellung ein, teilweise zum Bestand der Sammlung Hildebrand gehörend. „China Town“ ist eine davon. Die kleinen Tafeln sind in den Lager- und Produktionskomplexen an der Maximilianallee entstanden, wo Ernert eine Zeitlang beobachten durfte, dann aber – wenn auch nicht wegen ästhetischer Einwände gegen sein Tun – Hausverbot bekam. In einer Kletterhalle und der zur Sportabteilung der Uni gehörenden Schärttnerhalle hat er das nicht. Dennoch sind diese Gruppen abgeschlossen. Im Augenblick geht es um die Oper. Im Haus am Augustusplatz sind in den letzten beiden Jahren die aktuellen Arbeiten entstanden, die im Mittelpunkt von Ausstellung und Katalog stehen. Auch dafür war eine Genehmigung nötig. Der Blick hinter die Kulissen ist selbst in einer kommunalen Einrichtung nicht immer erwünscht.

Voraussetzungen der täglichen Kleinarbeit

Oper – das ist ganz große Inszenierung, Klangfülle, häufig auch Pomp. Doch genau darum geht es Jörg Ernert eben nicht. Auch hier steht für ihn der Raumeindruck im Fokus. Ein Opernhaus hat da noch ganz andere Eindrücke zu bieten als ein Sportsaal oder ein Asiamarkt. Vor allem, wenn man nicht als schnöder Besucher kommt, sondern hinter den Eisernen Vorhang darf. Drehbühne, Orchestergraben, Beleuchtertraversen, Kulissenaufhängung und so weiter bilden für den Unbedarften ein kaum zu durchschauendes Labyrinth. Entsprechend wird auf den Bildern manchmal erst durch eine eingefügte Tür, vereinzelte Musiker oder Statisten einigermaßen klar, wie man sich die Konstruktion vorstellen kann. Der rauschende Auftritt spielt keine Rolle. Es geht um die räumlichen Voraussetzungen der täglichen Kleinarbeit.

Wichtiger sind die Scheinwerfer

Dazu gehört die Lichtprobe, die der Ausstellung den Titel gibt. In einer Serie von fünf schmalen Hochformaten zerlegt der Maler die Szenerie in Streifen, die aussehen, als hätte man diverse Filter über eine Darstellung gelegt, um den optimalen Effekt zu ermitteln. Für Ernert ist zumindest in dieser Serie die Vielfalt das Optimum. Bei andern Bildern entscheidet er sich zumeist für eine sorgfältig ausgewählte Stimmung. Die muss mit den realen Verhältnissen vor Ort nicht unbedingt übereinstimmen. Es geht um Malerei, nicht um Dokumentation. Die häufig düsteren Räumlichkeiten hinter der Bühne erstrahlen bei ihm manchmal in einem warmen Abendrot. Ganz in kühl-blauen Pastelltönen hingegen ist die Tafel „Auftritt“ gehalten. Eine Sängerin mit riesigem Reifrock, von hinten zu sehen, betritt die Bühne. Es könnte sich auch um ein Requisit auf Rollen handeln. Wichtiger sind ohnehin die Scheinwerfer im Vordergrund.

In der Reduktion und dem Interesse an dreidimensionalen Gefügen wurde Jörg Ernert wohl tatsächlich von Wolfram Ebersbach beeinflusst. Während dieser sich aber auf ein ebenso wuchtiges wie karges Schwarzweiß beschränkt, hat Ernert eine Vorliebe für atmosphärische Farben, die er überzeugend umsetzen kann.

Jörg Ernert: Lichtprobe, G2 Kunsthalle, Dittrichring 13, bis 12. Mai, Mi 15–20 Uhr und nach Absprache

Von Jens Kassner

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