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Kultur Regional Arnulf Rating kommt nach Leipzig
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18:08 24.09.2018
Arnulf Rating vor einem Jahr als Gast der Leipziger Lachmesse. Quelle: André Kempner
Leipzig

Tornado“ heißt das aktuelle Programm von Arnulf Rating, mit dem der Kabarettist seit einem Jahr bundesweit auf Tour ist. Mit dem Titel ist das Kampfflugzeug gemeint, der Klimawandel aber ebenso die Anfänge des gescheiten Spötters. Am Donnerstag gastiert er nun mit diesem Programm im Academixer-Keller.

Das Lachen war für Rating von Beginn an ein Mittel, Bewegung in die Gesellschaft zu bringen. Als Student der Theaterwissenschaften gründete er mit zwei Kommilitonen 1977 in Berlin „Die drei Tornados“. Zumeist traten sie in Kneipen auf oder mitten auf der Straße, besonders gern wenn dort demonstriert wurde. Absicht war es, ihre Zuschauer „oben mit erweitertem Bewusstsein und unten mit nasser Hose“ nach Hause zu schicken.

Das Trio war in den 80er Jahren Teil des politisch bewegten Berlin. Sie waren heiter, schnell und unverschämt, vor allem aber immer gezielt politisch. Ihren letzten Auftritt hatten sie 1989, und endgültig fiel das Trio auseinander als 1993 „Tornado“ Günter Thews starb. Der hatte zuletzt mit Rating in Berlin eine Mixed Show mit Varieté-Charakter ins Leben gerufen. Sie sahen eine enge Verbindung zwischen Kabarett und Varieté.

Hier konnte man alles Unmögliche oder Gewagte auf die Bühne bringen, und auch Neulingen oder außerordentlichen Talenten eine Chance bieten. Daraus wurde der „Blaue Montag“, der durch Ratings Einsatz mit Unterbrechungen bis heute läuft. Sein Faible für große Shows hat auch zum „Politischen Aschermittwoch“ geführt, den er seit 2005 stets mit großer kabarettistischer Prominenz im Programm veranstaltet.

Als Solist arbeitet Arnulf Rating seit 1993. Schnelligkeit und Angriffsfreude sind seine Markenzeichen geblieben. Damit liefert er nach wie vor hochpolitische Unterhaltung. Nun sind die Zeiten andere geworden. Man hat vergessen, sagt Rating, dass es ein Oben und ein Unten gibt und man bekämpft sich untereinander. Somit habe er als Kabarettist immer noch viel zu tun. Und sich einzumischen, mache ohnehin großen Spaß. Da sei einfach nicht an Ruhestand zu denken, sagt der 66-jährige Spötter.

Mit seinem aktuellen Programm „Tornado“ liefert Arnulf Rating eine Analyse der gegenwärtigen politischen Situation und deren Folgen, ebenso die manische Geldgier, die veränderte politische Streitkultur jenseits aller Fakten, und er untersucht, wie die digitale Welt dem analogen Leben vor der Haustür begegnet. Ratings satirischer Exkurs erzählt von Schwindel, Manipulation und Betrug oder davon, wie Spinner und Spindoktoren unser Weltbild verändern wollen.

Dabei sieht er auf das tägliche Leben und weniger auf die lauten Überschriften als auf das Kleingedruckte. Aber man muss aufpassen. Bei seinem Hang zum Absurden überrascht er auch mit Quatsch der besonderen wie entwaffnenden Art.

Arnulf Rating: 27. September, 20 Uhr, Academixer, Kupfergasse 2; Karten (17–23 Euro) unter Tel 0341 21787878 (ab 12 Uhr)/Abendkasse

Von Harald Pfeifer

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