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Kultur Regional Astryd Cottet ist dem Geheimnis guter Kinderchöre auf der Spur
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00:22 06.07.2018
Sängerin und Pädagogin Astryd Cottet will nach ihrer Tätigkeit als Chorleiterin und Gesangslehrerin in Leipzig jetzt weltweit die Arbeit mit Kinderchören erforschen. Quelle: Kempner
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Leipzig

„Es gibt nicht den einen Weg, Musik zu lehren, Chöre zu leiten und zu dirigieren“, sagt Astryd Cottet (36). Deshalb startet die gebürtige Französin ein besonderes Projekt: Sie ist den Geheimnissen guter Kinderchöre auf der Spur. Die LVZ sprach mit der Mezzosopranistin, die als Gesangspädagogin und Chorleiterin in Leipzig und Paris tätig ist. Für ihren Plan ist die Musikerin in vielen Ländern unterwegs.

Wann begann Ihre Liebe zur Musik?

Singen hat mir schon als kleines Mädchen Freude bereitet. Solistisch sang ich im Kinderchor der Pariser Oper und dem Jugendchor der Île de France. Später habe ich an der Universität von Saint Denis studiert und einen Master an der Sorbonne Nouvelle (Paris 3) abgelegt. Danach absolvierte ich ein Gesangsstudium an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“. Dort legte ich das Diplom im Gesang und den Master im Fach Gesangspädagogik ab.

Dann haben Sie bestimmt gute Erfahrungen als Leiterin von Chören oder als Gesangspädagogin?

Ja, natürlich: Ich war fünf Jahre Chorleiterin des Chors der Leipziger Volkshochschule und des Chors „Le Petit Paris“ in Leipzig, den ich gegründet habe. Darüber hinaus leite ich Gesangsklassen in Paris und Leipzig, trainiere für die französische Aussprache Opernsänger und den Chor des MDR.

Vier Jahre war ich Gesangslehrerin des Kinderchors der Oper Leipzig und des Kinderchors des MDR. Außerdem arbeitete ich im Auftrag der Musikschule „Johann Sebastian Bach“ als Gesangspädagogin für das Unterrichtskonzept „Singt Euch ein!“ in den dritten Klassen der allgemeinbildenden Schulen.

Wie entstand Ihre Idee, musikpädagogische Konzepte von Kinderchören international zu vergleichen? Gibt es zu wenig Austausch?

Die Idee zu diesem Projekt kam nach meiner Hospitation beim Boston Children’s Chorus. Dort habe ich eine andere Methode kennengelernt. Während internationaler Konzertreisen und auf Seminaren kommt es zwar zum Austausch von musikpädagogischen Methoden. Aber es ist nicht einfach, die Spontanität der Persönlichkeit und die besonderen Gewohnheiten in solchen Situationen zu erkennen: Gestik, Mimik, Verhalten. Außerdem: Nicht jeder hat die Zeit oder die Möglichkeiten Seminare zu besuchen, in einem anderen Land zu hospitieren und voneinander zu lernen. Das ist schade.

Was konnten Sie bei Ihren Besuchen feststellen?

Ich konnte bereits Unterschiede in Deutschland, Frankreich, in den USA und erst kürzlich in China beobachten. Zunächst ist die musikpädagogische Ausbildung für Chorleiter und Musiklehrer von Land zu Land unterschiedlich. Sie alle entwickeln aus den Traditionen ihres Landes und der Ausbildungsstätte ihren Stil. Auch dies macht den jeweiligen Chor einzigartig. Deshalb: Es gibt nicht den einen Weg, Musik zu lehren, Chöre zu leiten und zu dirigieren.

Ihr Projekt will die Unterschiede dokumentieren. Was heißt das konkret?

Ich plane einen Dokumentarfilm und möchte ein Buch schreiben. Auch pädagogische Tools sollen den Wissenstransfer ermöglichen. Dafür werde ich Chöre in Argentinien, Australien, Brasilien, China, England, Japan Kanada, Korea, den Niederlanden, Palästina, Russland, Schweden, Südafrika, Spanien und Ungarn besuchen. Dabei dokumentiere ich die Arbeitsmethoden bei Gesangsübungen, beim Einstudieren neuer Stücke und untersuche das Vermitteln von Musiktheorie. Darüber hinaus plane ich Interviews mit Chorleitern, Musiklehrern und Kindern.

Das Forschungsprojekt ist weltweit einmalig. Wird es unterstützt?

Ja, Persönlichkeiten des Gewandhauses, der Hochschule für Musik und Theater, des Thomanerchors, des MDR, der Musikschule Leipzig oder des Deutschen Chorverbandes unterstützen es. Aber auch international bekannte Musiker wie Daniel Barenboim fördern es und sind gespannt auf die Forschungsergebnisse. Öffentlich kann mein Projekt über einen Newsletter verfolgt werden: www. atraverschant.com

Hat auch die Chorleiterin Astryd Cottet ein „Geheimnis“?

Ja, ein offenes: mit Humor, Charme und Wissen lässt sich jedes Kind begeistern.

Von Ingrid Hildebrandt

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