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Kultur Regional Auf der dunklen Seite: Mitreißendes Debüt-EP des Leipziger Musikers Dorian Black
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06:00 31.01.2018
Frei nach Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Black. Quelle: Mathias Schneider (pcundfoto.de)
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Leipzig

Im richtigen Leben trägt er einen Professorentitel und lehrt nach Jahren in Leipzig mittlerweile an einer Hochschule in Berlin. Er war zweimal Leipziger Stadtmeister im Schach und sitzt im Aufsichtsrat des Fußballvereins Lok Leipzig. Klingt nach einem ausgefüllten Leben. Doch augenscheinlich hat der Mann die ganze Zeit in irgendeinem Hinterzimmer ein Bildnis seiner selbst gehütet, das nun raus drängt aus dem Kabuff: Dorian Black. Im Selbstverlag „Knight Move“ hat dieses Alter Ego nun eine Debüt-EP veröffentlicht.

Der Künstlername ist, unschwer zu erkennen, von Oscar Wildes Jahrhundertroman „Das Bildnis des Dorian Gray“ inspiriert. Wer die Geschichte kennt, weiß, dass der Titelheld nur so lange im Licht der Öffentlichkeit strahlt, wie sein Öl-Abbild im Verborgenen die Narben des Lebens abkriegt. Wenn nun also seinerseits Dorian Black an die Oberfläche strebt, ist nur verständlich, dass der Professor-Schachmeister-Fußballaufsichtsrat seine bürgerliche Identität lieber unerwähnt wissen will.

Also alle Konzentration auf die Kunst: Die EP „Harmony/Lady Violet“ ist die Fortführung des Musikprojekts Knight Move, einer Zusammenarbeit mit Daniel Dexter, deren schachaffine Bezeichnung nun ja immerhin im Labelnamen übrig geblieben ist. Dexter gehört ansonsten zur Band Schrödingers Katze und hat auch bei Der elegante Rest und in Christian Haases Gruppe mitgespielt. Blacks und Dexters gemeinsames Album „The Tales of Dorian Gray“ erntete vor ein paar Jahren auf Musikportalen wohlwollende Kritiken.

Das titelgebende Songpaar der jetzigen EP „Harmony/Lady Violet“ macht klar, warum. Die zwei Stücke waren schon auf dem Knight-Move-Album zu finden und treiben mit einnehmenden Melodien ordentlich nach vorn. „Harmony“ entfaltet auf einem pumpenden Synthiepop-Bass Klangbögen, die genauso an Indie- wie an Progrock-Songstrukturen erinnern, Letzteres nicht zuletzt dank einer Farfisa-Orgel. Auf jeden Fall tanzbar. In „Lady Violet“ trifft ein Roxette-Gitarrenriff gekonnt auf einen treibenden Dark-Wave-Rhythmus. Dazu wabern einige synthetische Gruseleffekte, und eine Sitar verbreitet psychedelische Klänge. Wirklich gut gemacht.

Hoch und klar und ohne falsche Scheu vor Pathos

Auch die übrigen drei Kompositionen der EP überzeugen. „Kinder der Nacht“ erzählt eine dunkelromantische Liebesgeschichte und überrascht mit einem Bandoneon als tragendem Instrument – das aber bei so einem Electro-Tango auch nicht fehlen dürfte. „Share My Desire“ ist in den Refrains ein echter Gothic-Rock-Kracher, dessen Wirkung umso stärker hervorbricht, als die Strophen eher zurückgenommen blubbernd grooven. Ein ambitioniertes Musikvideo dazu soll demnächst auf Youtube hochgeladen werden. Das finale „Dorian Gray“ ist ein astreiner Progressive-Poprock mit vielen Stimmungs- und Rhythmuswechseln und benötigt dafür lediglich gut vier Minuten.

Bei all der Stilvielfalt dient vor allem Dorian Blacks charismatische Stimme als Klammer, hoch und klar und ohne falsche Scheu vor Pathos. Mit dem Gesang im Ohr, ist die Information wenig verwunderlich, dass Herr Black nach ähnlichen Erfolgen 2016 auch im Dezember 2017 mit drei Auszeichnungen von der Verleihung des „Deutschen Rock & Pop Preises“ aus Siegen zurückkehrte: als Gewinner in der Kategorie „Bester Alternative-Sänger“ und jeweils Zweitplatzierter in den Sparten „Bester Rocksänger“ und „Bester Popsänger“.

Zwar mag es angesichts von 125 Kategorien mit jeweils mehreren Ausgezeichneten in diesem Nachwuchswettbewerb des Deutschen Rock-&-Pop-Musikerverbands fast schon schwierig sein, keine Trophäe mit nach Hause zu nehmen. Doch Dorian Blacks vielseitiger Gesang hat die dreifache Prämierung fraglos verdient.

Bleibt die Frage, wie groß die Gefahr für den Professor-Schachmeister-Fußballaufsichtsrat ist, dass wegen des neuerlichen Ausflugs ins Musikgeschäft über kurz oder lang die dunkle über die helle Seite triumphiert. Andererseits wäre das wohl halb so schlimm. Immerhin findet dieser Dr. Jekyll mit seinem persönlichen Mr. Hyde in einem konkreten Fall bereits zusammen: Dorian Blacks Fußballhymne „Blau und Gelb“ kommt längst im Bruno-Plache-Stadion zum Einsatz und sammelt seit Jahresende darüber hinaus mit einem nostalgischen FC-Lok-Filmchen Klicks auf Youtube.

Dorian Black: Harmony/Lady Violet (Knight Move);

Von Mathias Wöbking

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