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Kultur Regional Aus dem Schatten der Erinnerung: „Come As You Are“ mit syrischen Tänzern im Lofft
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14:03 27.10.2017
Wie schreiben sich Kriegstrauma und Kulturschock in die Körper von Profitänzern ein? Medhat Aldaabal, Moufak Aldoabl und Amr Karkout in Nir de Volffs Choreografie „Come As You Are“ im Lofft. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Der Titel des Stücks suggeriert eine Selbstverständlichkeit, die zumal für die drei Tänzer weit entfernt sein dürfte von ihrer gegenwärtigen Lebenswirklichkeit. Muss man noch ausführen, dass die von Gewalt, Flucht, Verlust gezeichnet ist? Wohl nicht. Man weiß ja um die Situation in Syrien, die Nachrichten sind voll davon. Seit Jahren.

Weit weniger aber weiß man über die „privaten Auswirkungen politischer Konflikte“ (Programmblatt), die wiederum der in Berlin lebende Choreograf Nir de Volff zu untersuchen trachtet. Und das seinerseits seit inzwischen zehn Jahren. Was allein aufgrund der Arbeitserfahrungen, die sich in so einem Zeitraum ja angesammelt haben müssten, künstlerisch auch für „Come As You Are“ einiges erwarten ließ.

Der Körper, der nach einer Sprache, einem Ausdruck sucht für das, was ihm an Erfahrungen eingeschrieben ist. Im Falle der Tänzer Medhat Aldaabal, Moufak Aldoabl und Amr Karkout beginnen diese Erfahrungen bei der Erlernung ihres Handwerks in syrischen Vorkriegszeiten. Davon erzählen die drei in „Come As You Are“ ebenso wie von dem, man kann es mal so nennen, Kulturschock, der sie in ihrem Exil, in Berlin, ereilte. Offenbarte sich doch selbst der Tanz als eine andere, die „westlichere“ Welt, mit einer auch anderen Körper-Realität, einem Umgang im Ausdruck, der in Syrien so undenkbar gewesen wäre.

Davon erzählen diese Tänzer auf der Bühne – das allerdings erst einmal vorrangig in Worten. Man stellt sich dem Publikum vor, das Mikrofon in der Hand. Spricht von den Ausbildungsjahren in Damaskus („Ballett, Ballett, Ballett“). Plaudert, scherzt und dringt so vor zu jener selbstanalytischen Bestandsaufnahme, die sich in einem Satz wie „My physical identity is confused“ wohl bestens manifestiert. „Meine körperliche Identität ist durcheinander gebracht.“

Dem Tanz haftet etwas Illustratives an – leider

Nicht uninteressant. Das Problem ist nur: All das hätte man zuallererst sehen und nicht hören, hätte man allein tänzerisch erzählt bekommen, aus der Körper-Sprache heraus erahnen und erspüren müssen. Natürlich: getanzt wird dann auch. Nur, dass in Folge dieser inszenatorisch-konzeptuellen Setzung des Sprechens dem Tanz etwas Illustratives anhaftet, weil er hier geradezu zwangsläufig als eine den Worten nachgereichte Begleitbewegung aufscheint. Inzwischen ja keine seltene Gefahr im Tanztheater; aber eine, um die ein Choreograf, zumal nach zehn Jahren einschlägiger künstlerischer Auseinandersetzung, eigentlich wissen müsste.

Den Tänzern will und kann man somit keinen Vorwurf machen. Auch wenn der Abend, wie etwas kokett angekündigt wurde, zu großen Teilen improvisiert, rein choreografische Arbeit also minimiert und so einiges entsprechend holprig ist. Zugleich aber gelingen da dennoch, solistisch wie in der Gruppe, immer wieder Momente echter Verdichtungen. Der mal parodistisch mal verzweifelt aufblitzende Ausdruck einer Identitäts-Konfusion; einer Körper-Zerrissenheit, die eben, weit mehr als Worte, von der kulturellen Zerrissenheit und dem Versuch spricht, diese zu überwinden.

Und dann gibt es ja noch diese anderen Momente. Die – und da ist die Inszenierung klug und instinktsicher –, von denen eben nicht verbal berichtet wird. Das Trauma von Krieg, Flucht, Verlust nämlich, das diesen Körpern ja ebenfalls eingeschrieben ist. Und das, wie Momentaufnahmen, einzubrechen scheint in „Come As You Are“. Als packende, kurze Ausbrüche aus dem Schatten der Erinnerung zwischen Kraft und Zerrissenheit.

„Come As You Are“, weitere Aufführung Freitag und Samstag, je 20 Uhr, Lofft (Lindenauer Markt 21), Karten für 13/9 Euro: 0341 35595510

Von Steffen Georgi

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