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21:43 26.09.2018
Pressekonferenz zur euro-scene mit Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (l.) und Festival-Chefin Ann-Elisabeth Wolff. Quelle: André Kempner
Leipzig

30 000 Euro Kürzung – ein harter Schlag für den ohnehin schon geringen Etat der euro-scene Leipzig. Angesichts der hohen Besucherzahlen des Festivals zeitgenössischen Theaters und Tanzes (das im letzten Jahr zu 99 Prozent ausverkauft war) und seines einzigartigen Konzeptes, das Leipzig jährlich durch ausgewählte europäische Künstler bereichert, ist Festivaldirektorin Ann-Elisabeth Wolff „befremdet“ von der „Armutshaltung“ des Freistaats Sachsen, verkündete sie auf einer Pressekonferenz.

Das Programmheft weist nun explizit darauf hin, dass das Rahmenprogramm darunter zu leiden hat. Das Festival sei ein Geschenk „für die Stadt“, von der es in diesem Jahr die stärkste Unterstützung erfährt. An der Virtuosität mangelt es aber nicht. Unter dem Motto „Bühnen – Klang – Welten“ treten vom 6. bis 11. November Gäste aus sieben Ländern in 20 Vorstellungen an acht Spielstätten auf, darunter fünf Deutschlandpremieren. Im Zentrum steht die Ergründung der Musik, nicht als begleitendes, sondern konstituierendes Element einer Aufführungen. Sie wird dargestellt als universales Mittel der Verständigung – aber auch in ihrer politischen und gesellschaftlichen Dimension.

Zum Auftakt des Festivals führt der umjubelte belgische Künstler Alain Platel, der die euro-scene nun schon seit mehreren Jahren begleitet, im Schauspiel Leipzig afrikanische Musik mit Mozarts Requiem zusammen. „Requiem pour L.“ erforscht musikalisch den Tod, macht ihn gar sichtbar. Das Bühnenbild zeigt das Video einer Frau, die im Sterben liegt – uninszeniert.

Beeindruckende Formate

Weniger streitbar zeigen sich die Aufführungen des Wieners Nikolas Habjan, der nach seiner grandiosen Werkschau 2016 in diesem Jahr gleich dreimal auftritt. Der Puppenbauer und -spieler gastiert mit „Böhm“, einem Solo-Puppenspiel, das die hochaktuelle Frage nach dem Mitläufertum stellt. Der Dirigent Karl Böhm lief mit – den Nazis hinterher, denen er seinen Erfolg verdankte. Aber Habjan vermag es nicht nur, elf Puppen seine Stimme zu leihen – er ist zudem auch Kunstpfeifer: „Ich pfeife auf die Oper“ ist eine gepfiffene Assemblage verschiedener Arien. Zuletzt wird sein Film „Oberon, König der Elfen“ dank einer Arte-Kooperation, in den Passage Kinos laufen.

Auch neue Künstler zeigen beeindruckende Formate: Mit der Performance „Deveta“ (die Neunte) will der Slowene Bojan Jablanovec die besungene Brüderlichkeit in Beethovens Neunter in Frage stellen. Ähnlich politisch zeigt sich das Sprechtheater mit „Remnants“ der Londoner Compagnie Erratica.

Musik – das ist auch Stille. Das Wiener Pygmalion Theater inszeniert in diesem Sinne Stefan Zweigs „Schachnovelle“. Tanzstücke sind mit Nono Battesi, Gianfranco Celestino & Anna Derossi, sowie Ferenc Fehér vertreten. Zuletzt wird mit „Une histoire de la musique“ der Franzosen zOrozora ein Kinderstück zu sehen sein. Abgerundet werden die Festtage durch den Hip-Hop-Choreografen Pierre Rigal aus Toulouse. In „Scandale“, Stolperfallen, wird die Coolness des Tanzes durch die bedrohliche Dimension der Musik als Marionettenspielerin der Tänzer unterwandert.

Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke sieht durch die Internationalität und Vielfalt des Festivals in ihm ein „Fenster zur Welt“, das diese Attribute vom Theater auf die Straße führen kann. Das sei wünschenswert, angesichts der gesamtgesellschaftlichen Lage.

euro-scene: 6. bis 11. November, Karten gibt es ab Samstag im Englandladen, Gottschedstraße 12, Künstler-Café während des Festivals ab 17 Uhr im Barcelona nebenan; Infos www.euro-scene.de

Von Lena Baumann

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