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Kultur Regional Ausstellung „Expression Interrupted” im LVZ-Foyer eröffnet
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11:47 17.03.2018
Kamen gestern zur Eröffnung der Ausstellung „Expression Interrupted“ im LVZ-Foyer: Lutz Kinkel, Rebecca Harms, Andrew Finkel und Yavuz Baydar (v.l.) Quelle: Kempner
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Leipzig

„Ahmet Altan“ – „Verurteilt“ steht auf dem Foto, das einen sympathischen älteren Mann zeigt. Unter dem Bild heißt es weiter: „Verurteilt zu lebenslanger Einzelhaft ohne Möglichkeit der Strafaussetzung oder Begnadigung.“ 2016 war er festgenommen worden, wegen „unterschwelliger“ Botschaften zur Unterstützung eines Staatsstreichs: Beweismittel: drei Zeitungskolumnen und im Fernsehen geäußerte Kommentare. Ahmet Altan, der auch als Schriftsteller arbeitet, ist einer von 21 in der Türkei inhaftierten Journalisten, deren Gesicht in der Ausstellung „Expression Interrupted” (Unterbrochener Ausdruck) im Foyer der Leipziger Volkszeitung am Peterssteinweg zu sehen ist. Gestern Nachmittag wurde sie eröffnet. Bis 31. März ist die Schau, die bereits im Gebäude des Europäischen Parlaments in Brüssel gezeigt wurde, zu sehen.

Die 21 Journalisten sind selbst nur eine kleine Auswahl der 155 Kollegen, die derzeit insgesamt in der Türkei in Haft sind, denen zum Teil lebenslange Strafen drohen – weil sie ihrer Arbeit nachgegangen sind. Die Schau, ein Projekt der Grünen im Europaparlament und dem Europäischen Zentrum für Pressefreiheit in Leipzig (ECPMF), will kurz, klar zur Sache kommen und berühren: Im Mittelpunkt stehen die Opfer einer Politik, die den Rechtsstaat abschafft. Sie lassen sich nur auf einen Nenner bringen: dass es keinen gibt. Unter ihnen sind kurdische Nationalisten, türkische Nationalisten, Liberale, Konservative, 70-jährige Männer und Frauen genauso wie 20-Jährige, Linke, Rechte, Skeptiker, religiöse Menschen. Man kommt an diesen Schicksalen nicht vorbei – wenn man im LVZ-Foyer einen Kaffee trinken, seine Zeitung lesen oder nach einem Buch sehen möchte. Gut so.

„Es ist das richtige Signal zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt Lutz Kinkel, Geschäftsführer des Zentrums für Pressefreiheit, das ein Programm für „Journalists in Residence“ und rechtliche Hilfe anbiete. „Zu beiden Programmen bekommen wir mehr Anfragen aus der Türkei als aus jedem anderen Land“, so Kinkel.

Menschenrechte und Freiheiten werden abgebaut

Natürlich habe man sich sehr gefreut über die Freilassung des „Welt“-Journalisten Deniz Yücel, man sei aber keineswegs auf einem Weg zurück zur Normalität, betonte die EU-Abgeordnete Rebecca Harms (Grüne). Ganz wichtig sei es, die Beziehungen zur Zivilgesellschaft zu intensivieren.

Der türkische Journalist und Blogger Yavuz Baydar sieht die gesamte Welt auf dem Weg in eine Epoche, in der Menschenrechte und Freiheiten abgebaut werden – mit der Türkei in einer finsteren Vorreiterrolle. Von einem „Putsch in Zeitlupe“ hatte er im Februar 2014 in einem deutschen Zeitungsartikel geschrieben. Inzwischen sei die Gewaltenteilung abgeschafft, seien rund 95 Prozent der Medien im Land staatlich gelenkt, werde der Berufsstand des Journalisten dämonisiert. Wichtig sei nun Solidarität gegenüber den Verfolgten statt Appeasement gegenüber der Regierung unter Erdogan. Sein konkreter Vorschlag: Europäische Medien oder auch Städte sollten türkische Journalisten adoptieren, sie nicht allein lassen.

Journalist und Ausstellungsmacher Andrew Finkel wagt es am Ende seiner Rede zu hoffen: „Wir freuen uns auf die nächste Ausstellung, „Expression Continued”. Und am liebsten wäre sie uns als Installation, bei der die Menschen, die Sie hier nur zweidimensional sehen können, dann leibhaftig bei uns sind.“

Expression Interrupted: Bis 31. März im Foyer der Leipziger Volkszeitung (Peterssteinweg 19), geöffnet Mo–Fr, 8–18 Uhr

Jürgen Kleindienst

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