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Kultur Regional Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig lädt zur Traumreise ein
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15:11 19.10.2018
Ausstellung " Martian Dreams Ensemble " von Künstlerin Dominique Gonzalez-Foerster in der GFZK in Leipzig. Raum cosmorama von Joi Bittle Foto: Andre Kempner Quelle: Kempner
Leipzig

In der GfZK geben hohe Glaswände den Blick frei auf eine rostrote, leblose Wüstenlandschaft: Auf rotem Sand stehen aufgetürmte Steinhügel still und einsam hinter dem Fensterglas, eine umgekippte Felsplatte liegt quer über dem Boden. Das Panorama im Hintergrund zieht die Szenerie optisch in die Unendlichkeit, und auch wenn eine Beschriftung fehlt, so kommt es all jenen, die jemals in einem Lexikon über die Planeten unseres Sonnensystems gelesen haben, wahrscheinlich schnell in den Sinn: Das hier, das ist der Mars.

Die Ausstellung „Martian Dreams Ensemble“ widmet sich diesem Planeten, doch sie tut es nur an dieser Stelle auf eine so nüchterne und naturwissenschaftliche Weise. Drei Wochen hat die New Yorkerin Joi Bittle hier vor Ort an ihrem Diorama gearbeitet: „Alle Materialien kommen aus Leipzig“, betont sie. „Die Farben sind, wie auf dem echten Mars, durch Eisenoxyd entstanden.“ Joi Bittle ist Teil des „Martian Dream Ensembles“ unter Leitung der französischen Installationskünstlerin Dominique Gonzalez-Foerster.

Die Arbeiten der Konzeptkünstlerin Dominique Gonzalez-Foerster waren bereits in der Tate Modern in London zu sehen. Quelle: Kempner

Gesellschaftskritik in Science-Fiction-Tradition

Die ist international renommiert, 2011 waren ihre Arbeiten in der Londoner Tate Modern zu sehen. Seit vielen Jahren beschäftigt sie sich in Perfomances, Videos und Musik mit Science-Fiction-Motiven. In Science-Fiction-Manier fehlt auch bei Gonzalez-Foerster der gesellschaftskritische Aspekt nicht: „Die Welt ist so voller Dinge, wir müssen sie nicht ständig weiter füllen“, sagt sie. Das gilt für ihre Kunst – und das gilt auch für extraterrestrische Räume.

„Diese Ausstellung hinterfragt die Notwendigkeit menschlicher Invasion, ob auf dem Mars oder anderswo“, erklärt die Künstlerin. Doch der menschliche Drang, den eignen Lebensraum auf den Mars auszuweiten, ist real – und er ist aktuell: Seit der italienische Astronom Giovanni Schiaparelli 1877 dort vermeintliche Wasserkanäle ausmachte, die Möglichkeit von Leben versprachen, ist viel passiert: Sieben Raumsonden sind auf dem Mars gelandet, die NASA hält daran fest, bis 2033 erstmal Menschen auf den Mars zu bringen. Noch ambitionierter ist der Multimilliardär Elon Musk. Er möchte mit eigenem Kapital menschliche Siedlungen errichten – so bald wie möglich.

Der Mars verführt zum Träumen

Die Blicke hinaus ins Weltall auf den roten Planeten verleiten zum Träumen – ob aggressiv, romantisch oder angstbesetzt. Und Traumatmosphären zu schaffen, das ist der andere Fokus der Künstlerin. Und so beginnt auch die Reise in der GfZK mit einem Traum. Er handelt „von einer Ausstellung in einer deutschen Stadt in einer seltsamen Architektur inmitten eines Waldes (...).

Später dann standen wir vor einer Marslandschaft, was sehr vertraut war, fast wie eine intensive Erinnerung.“ Es ist das Erleben von Joi Bittles Kunstwerk, auf das die Traumsequenz an der Wand des ersten Raumes schon einmal vorgreift.

Grafische Formen erzählen in Kombination mit Traumtexten von Begegnungen auf dem Mars Quelle: Kempner

Hat der Besucher das Marsdiorama passiert, werden die Bezüge zu dem Planeten schnell sehr viel abstrakter. Die Traumtexte an der Decke sind angelehnt an Literatur von Ray Bradbury („Die Mars-Chroniken“) und Leigh Brackett („Das Imperium schlägt zurück“). Sie erzählen von Begegnungen zwischen Menschen und Marsianern, von Todesängsten und von der Transformation von Bildern in Materie.

Erst begleitet von den Texten beginnen die grafischen Formen des Ensemblemitglieds Marie Proyarts auf den Wänden, Geschichten zu erzählen. Eine goldene Linie auf Beton strahlt Ästhetik aus, aber erst in der Kombination mit den Traumtexten an der Decke ergibt sich ein Sinnzusammenhang.

Von Abstraktion und Sinnlichkeit

Formen werden zu Temperaturen und Klängen, Klänge und Temperaturen werden zu Materie. Es bleibt abstrakt, und doch erschließt sich das Zusammenspiel der skizzenhaften Formen und der literarischen Traumtexte zu einem Narrativ. Es geht um wundersame Begegnungen, um Bedrohung und Todesängste, alles tragende Motive der Science-Fiction-Literatur – so, wie die Transformation von Licht, Temperaturen und Materie Motive der Astrophysik sind.

Beim Umrunden der Wand gestattet eine dezente Installation den Blick durch ein rundes Fenster und noch einmal hinaus ins Weltall: Unbewohnte Landschaften ziehen vorbei, leuchten auf und verschwinden im Dunkeln. Langsame, kosmische Bewegungen, Blasen entstehen und platzen wieder – oder gehen Monde auf und unter? Sphärische Sounds, die bis dahin, zumal bei hohem Publikumsandrang, eher nervenaufreibend durch die gesamte Ausstellung klingen, entfalten hier ihre volle Wirkung. Für einen Moment sind Transferdenken und Kunstverstand nicht gefragt, und nur die Sinne folgen dem ruhigen, meditativen Schauspiel.

Sie wollen den Mars in Leipzig selbst erleben? Öffnungszeiten und weitere Informationen finden Sie hier.

Von Anna Flora Schade

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