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Kultur Regional Ausstellung „Körper und Körper“: kraftvoll, berührend, vielfältig
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18:46 06.06.2018
David Behrens zeigt, wie viele Körperbilder uns unser Smartphone präsentiert – und wie sich das auf uns auswirkt. Quelle: André Kempner
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Leipzig

 Zehn Stunden am Stück hat sich Künstlerin Frida Zack filmen lassen, den ganzen Tag. Beim Anziehen, beim Schminken, beim Pinkeln. Begleitet wurde sie dabei von ihrer besten Freundin. Diese stellt ihr Fragen: Wieso schminkst du dich? Findest du das unangenehm, wenn ich neben dir im Bad stehe? Zack dringt in Zonen, die sonst in der Öffentlichkeit ein Tabu sind. Wie nimmt sie, wie nehmen die Zuschauer ihren Körper wahr?

Das ist auch Thema der Ausstellung „Körper und Körper“, in deren Rahmen Zacks Film gezeigt wird und die ab Mittwoch im Pöge-Haus zu sehen ist. Organisiert wird die Schau von fünf jungen Frauen. Tanya Most, Kulturwissenschaftlerin, bildet gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Annika Schallenberg und der Theaterwissenschaftlerin Alina Zitzmann das Kollektiv „Konglomerat“ – eine Kombination unterschiedlicher Fachrichtungen, Medien, Formen.

Sie kooperieren mit dem Projekt „Körperwortwechsel“, das Literaturwissenschaftlerin Sophia Richter gemeinsam mit der Fotografin Mim Schneider ins Leben gerufen hat.

Wann schämen sich Menschen, und warum?

„Wir wollten eine Ausstellung rund um das Thema Körper machen – darüber, wie man alltäglich mit seinem Körper umgeht, was man wahrnimmt, was davon sichtbar gemacht werden sollte, weil es nicht so oft gezeigt wird“, erzählt Richter. Den beiden geht es vor allem um einen Austausch. Der soll auch während der kommenden Tage intensiv stattfinden.

Es gibt nicht nur Fotografien, Bilder und Installationen zum Thema zu sehen, es finden auch Workshops, Performances und Diskussionsrunden statt – zum Beispiel zum Thema „Scham“. Wo fühlen sich Menschen fremd, wann schämen sie sich, und wieso? Diese Fragen stehen im Zentrum.

„Wir wollen ein diverses Körperbild vermitteln, und dafür ist Kunst ein gutes Medium“, sagt Most. Die Ausstellung beschränke sich nicht auf die reine Repräsentation von vielen verschiedenen Körpern, ergänzt Richter. Es gehe auch um die Frage: In welchen Momenten und Begegnungen nehmen Menschen ihren Körper wahr?

Vor allem eines wollen die Organisatorinnen dabei nicht: Mit dem Finger auf die Medien zeigen und sagen: „Dieses Körperbild ist falsch. Unseres ist richtig.“ Es gehe ums gemeinsame Ausprobieren, darum zu sehen, wo die Menschen andocken, erklärt Richter.

Aquarell-Zeichnungen, Filme, Fotografien

Die Germanistin kombiniert gemeinsam mit Mim Schneider Collagen aus sogenannten „Körpertagebüchern“ mit Fotografien. Dafür haben ganz unterschiedliche Menschen über vier Wochen täglich ein paar Zeilen zur eigenen Körperwahrnehmung geschrieben. Ein immer wiederkehrendes Thema: Was bedeutet es, sich wohlzufühlen? „Das ist schwer zu beantworten, das wird beim Lesen mehr als klar“, sagt Richter.

Die ausgestellten Arbeiten sind vielfältig. David Behrens zeigt in einer Installation, welche Seiten er an einem normalen Tag mit seinem Handy besucht. Es ist überraschend, wie viele Bilder von Körpern jedem Smartphone-Nutzer auf seinem Bildschirm serviert werden. Inwieweit wirkt sich das auf das eigene Körperbewusstsein aus? Welche Rolle spielen soziale Netzwerke? Das muss jeder für sich selbst beantworten.

Wir sollten mehr über Körperbilder sprechen

Julika Prantner-Weber beschäftigt sich in ihrer Kunst mit dem Empfinden des weiblichen Körpers. Ihre zarten, reduzierten und berührenden Aquarell-Zeichnungen stellen ganz verschiedene Körperformen dar. Assoziativ verändert sich der Schwerpunkt von Betrachter zu Betrachter. Gala Goebel präsentiert fünf sehr ästhetische Filme, die den Körper eher als Material sehen. In einem von ihnen stopft sie drei Minuten lang ihre Haare unter eine enge Badekappe. Florian Glaubitz beschäftigt sich in seiner Fotoserie mit gesellschaftlichen Stereotypen des männlichen Körpers und versucht, diesen etwas entgegenzusetzen. In der Serie bearbeitet ein männliches Modell zwei Stunden lang einen Klotz aus Ton. Inwieweit reagiert der Ton auf den Körper und umgekehrt? Auf manchen Bildern ist der Ton dominant, dann entstehen auf dem Material wieder Körperabdrücke. 

 Eines wird bei der sehr harmonischen und liebevoll kuratierten Ausstellung auf jeden Fall deutlich: Es gibt viel zu sagen zum Thema Körperbilder. Und wir sollten mehr darüber sprechen.

Info:

Ausstellung „Körper und Körper“, 6. bis 10. Juni, geöffnet ab 15 Uhr, Samstag ab 10 Uhr, Sonntag ab 14 Uhr, Pöge-Haus, Hedwigstraße 20. Vernissage am 6. Juni, 19 Uhr. Mehr Infos und das komplette Programm auf den Facebook-Seiten von Konglomerat und Körperwortwechsel.

Von Sophie Aschenbrenner

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