Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Ausstellung „Win/Win“ in der Leipziger Spinnerei
Nachrichten Kultur Kultur Regional Ausstellung „Win/Win“ in der Leipziger Spinnerei
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:27 08.06.2018
Die Ausstellung „Win/Win – Ankäufe der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen" in Halle 14 der Baumwollspinnerei präsentiert aktuelle Positionen sächsischer Künstler. Quelle: André Kempner
Anzeige
Leipzig

Immer wieder schlägt Irène Mélix mit einem Stock auf die weiße Wand ein, unermüdlich, fast drei Minuten lang. Dann dreht sich die junge Frau um, fährt sich lässig durch die kurzen Haare und lächelt in die Kamera. Ihr Werk „Fighting The Wall“ aus dem Jahr 2016 ist Teil der Ausstellung „Win Win“. Ab Samstag ist die Schau in der Halle 14 auf dem Spinnereigelände zu sehen, Freitagabend ist Vernissage.

Sie präsentiert die 33 Arbeiten sächsischer Künstler, die 2018 von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen angekauft wurden – und vereint auch dieses Jahr wieder spannende, streitbare, aktuelle Positionen zeitgenössischer Künstler. 170 000 Euro hat die Stiftung jährlich zur Verfügung, seit 2005 wurden knapp 2,1 Millionen Euro in 543 Werke investiert.

Ironische Kommentare zum klassischen Kunstbetrieb

Mélix, 1988 geboren, studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. „Fighting The Wall“ ist Teil ihrer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Wand. Wände sind Mittel der Abgrenzung, der Abschottung – gleichzeitig schützen sie. Zudem hat eine Wand in Museen und Galerien eine essenzielle Rolle: An ihr werden Kunstwerke traditionell präsentiert. So kann Mélix’ Performance auch als ironischer Kommentar zum klassischen Kunstbetrieb gelesen werden.

Einige der angekauften Werke beschäftigen sich mit der Kunstgeschichte und der Präsentation von Kunst. Matti Schulz stellt drei Keramik-Statuen aus, die gleichzeitig auch als Bong zum Wasserpfeiferauchen verwendet werden könnten. Eine von ihnen ist ein Dinosaurier – eine Anspielung auf die alten Hasen im Kunstbetrieb?

Skulpturen, Fotografien, Gemälde, Installationen – die Ausstellung vereint ganz unterschiedliche Medien. Quelle: André Kempner

Nori Blume setzt sich in ihrer Video-Performance „Plong“ damit auseinander, wie sich verschiedene Objekte zum eigenen Körper verhalten. In einem „Kunst-Workout“ platziert sie unter anderem Ringe, eine Hantelstange und einen Ball nacheinander in einer Raumecke und nutzt sie gleichzeitig als Sportgeräte, macht Liegestütze, rollt über ihre Schulter, dehnt sich.

Daneben hängt „Please Wake Me For Snacks And Drinks“ von Marian Luft. Er besteht aus collagierten Werbebildern. Wie verhalten wir uns zur Konsumkultur in unserer Gesellschaft? Wie halten wir der Angst, etwas zu verpassen, stand? Darum geht es in dieser Arbeit.

"Please Wake Me For Snacks and Drinks" von Marian Luft. Quelle: André Kempner

Verweis auf aktuelle politische Tendenzen

Das ewige Suchen ist auch Thema einer starken Fotoserie von Svea Duwe. Sie bat Freunde, den Kopf so weit wie möglich zur Seite zu drehen und fotografierte in Nahaufnahme nur den Hals und ein Stück der Schultern. Zart, fragil und gleichzeitig sehr kraftvoll wirken die Bilder. Am Ende der Serie steht eine Werbeaufnahme: Ein Mann krempelt sich die Hemdsärmel hoch, er setzt dem Suchen ein Anpacken entgegen. Duwe sagte einmal, dass sie Bilder anpackender, hemdsärmliger Männer mit dem italienischen Faschismus verbindet. So kann die Arbeit auch ein Verweis sein auf die Gefahr aktueller rechtspopulistischer Bewegungen in Deutschland.

Das Verhältnis Mensch-Gesellschaft-Natur sei ein wiederkehrendes Thema der angekauften Arbeiten, sagt Michael Arzt, künstlerischer Direktor der Halle 14 und Mitglied der Jury, die über die Ankäufe entschieden hat. „Man bemerkt ein gewisses Misstrauen in die Wirklichkeit, eine Reflexion über die Rolle von Maschinen in unserem Alltag, über die Rolle von Landschaft und Natur.“

Auch Werke der 88-jährigen Evelyn Richter sind dabei

Die Leipziger Fotografin Inga Kerber stellt eine Fotoserie aus, die im Rahmen ihres Künstlerresidenz-Stipendiums der Kulturstiftung in Hanoi entstanden ist: Details von Pflanzen im Dschungel, dunkel, geheimnisvoll, exotisch, schon etwas morbide, sehr ästhetisch und anziehend.

Die Kulturstiftung will vor allem junge Künstler fördern, aber nicht nur. Angekauft wurden auch Fotografien der Leipziger Fotografin Evelyn Richter, heute 88 Jahre alt. So zeigt die Schau einen Querschnitt aktueller künstlerischer Positionen. Schade nur, dass die Werke nach „Win/Win“ erst einmal im Depot verschwinden. Dafür sind sie eigentlich zu spannend.

INFO: „Win/Win“, 9. Juni bis 1. Juli, Di–So, 11–18 Uhr, Eintritt 4 Euro, erm. 2 Euro, mittwochs frei, Halle 14, Spinnereistr. 7, Leipzig, www.halle14.org

Von Sophie Aschenbrenner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die bekannte deutsche Punkband wirbt in einem kurzen Film im Netz für die Arbeit von Mission Lifeline. Sie nehmen dabei auch Bezug zum Rechtsstreit zwischen den Helfern und Pegida.

07.06.2018

Zum zweiten Mal in Folge wird in diesem Jahr der Kunstpreis der Marion Ermer Stiftung in Kooperation mit dem MdbK Leipzig verliehen. Aus über 200 Einreichungen wurden vier PreisträgerInnen ausgewählt.

07.06.2018

Am 16. Juni feiert in Leipzig erstmals Alban Bergs Wedekind-Oper „Lulu“ Premiere – in der von Friedrich Cerha vervollständigten Version in drei Akten. Die Geschichte von der Frau, die ihre Schönheit und Intelligenz zu Opfer und Täterin gleichermaßen machen, inszeniert Lotte de Beer (34).

07.06.2018
Anzeige