Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Barock trifft Popkultur: Die Leipziger Künstlerin Sarah Pschorn
Nachrichten Kultur Kultur Regional Barock trifft Popkultur: Die Leipziger Künstlerin Sarah Pschorn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 11.07.2018
Sarah Pschorn lässt sich vom Zeitalter des Barock inspirieren. Ende Juli hat sie ihre erste Einzelausstellung. Quelle: André Kempner
Anzeige
Leipzig

Ein bisschen aufgeregt ist sie schon, erzählt Sarah Pschorn. Ihre erste Einzelausstellung steht kurz bevor, fast ein ganzes Jahr hat sie darauf hingearbeitet. 20 bis 30 Objekte möchte sie in der Galerie Terra Rossa in Leipzig zeigen, am 24. Juli ist Vernissage. „Am Ende wird es immer stressig. Mir kommen beim Machen so viele Ideen, dass ich mehr Objekte habe als ich dachte“, sagt die Künstlerin.

Pschorn, 1989 in Dresden geboren, sitzt in der Sonne vor ihrem Atelier in der Franz-Flemming-Straße 15 in Leutzsch und erzählt. Seit sie fünf Jahre alt ist, arbeitet sie mit Ton. Zum ersten Mal kam sie bei einem Kurs in einem Dresdner Kulturverein mit dem Material in Berührung. „Da bin ich sehr oft hingegangen“, erinnert sie sich. An der Kunsthochschule in Halle beschäftigte sie sich intensiv mit Keramik, studierte außerdem ein Jahr lang Fotografie in Israel. Momentan steht für sie aber der Ton im Fokus, sie interessiert die Arbeit mit dem Material. „Das kann sich auch noch mal verändern“, sagt die Künstlerin. „Ich habe ja noch viel Zeit in meinem Leben.“

Pschorn stellt Keramikgefäße her, vor allem Vasen. Sie können prunkvoll überbordend oder schlicht sein, pastellfarbig oder knallend, verspielt oder ganz clean. Ausgangspunkt sind oft Fundstücke wie zum Beispiel ein Glas oder eine Schale. Die Künstlerin geht häufig auf Flohmärkte und hält die Augen immer offen. Oft bringen ihr Freunde Stücke mit, die sie verwenden könnte, erzählt sie: „Aber das funktioniert nie.“ Pschorn muss das Objekt selbst auswählen. In ihrem Kopf entstehen dann Skizzen, Ideen vom fertigen Kunstwerk. Vasen mag die Künstlerin vor allem, weil sie praktische Gebrauchsgegenstände ebenso sein können wie reine Zier. Ihre Werke erinnern häufig an Menschen, die sich herausgeputzt haben, die Farben umspielen die Gefäße wie Kleidungsstücke einen Körper. Manchmal suche sie monatelang nach der richtigen Farbkombination, erzählt sie.

„Barock ist sinnlich, ehrlich und voller Hoffnung“

Die Epoche des Barock inspiriert Pschorn besonders. „Barock ist sinnlich, ehrlich und voller Hoffnung“, schreibt sie in ihrer Diplomarbeit. Der Gegensatz zwischen Leben und Tod, Prunk und Armut, Schönheit und Verwesung kreiere eine ganz bestimmte Stimmung, die sie in der heutigen, von Pragmatismus geprägten Gesellschaft manchmal vermisse, so Pschorn. Gleichzeitig interessiert sie sich für Trends und Mode, dafür, warum manche Dinge angesagt sind und andere nicht. In ihren Werken mixt sie barocke Elemente gern mit Einflüssen der Popkultur, verwendet Farben und Stilelemente aus der Mode. Das kommt gut an: 2016 gewann sie den mit 3000 Euro dotierten Grassipreis der Carl und Anneliese Goerdeler-Stiftung, ein Jahr später den Perron-Kunstpreis für Nachwuchskünstler.

Für ihre Zukunft hat sie vor allem einen Wunsch: viel arbeiten. Fast täglich ist Pschorn im Atelier, einen Tag die Woche macht sie frei – außer vor Deadlines. „Dann sind alle Vorsätze außer Kraft gesetzt“, sagt sie und lacht. Im Dezember steht ihr ein weiteres Highlight bevor: Sie wird solo im Museum der bildenden Künste in Leipzig ausstellen. „Ich denke schon oft über die Ausstellung nach und freue mich sehr“, sagt sie.

Manchmal ist es befreiend, ein Werk zu zerstören

Ihr Atelier im Leipziger Westen teilt sie sich mit Glasmalerin Inka Schubert. Ein freundlicher, heller Raum, im Hintergrund läuft Musik des Independent-Musikduos „Boy“, leicht und ein bisschen melancholisch. In Regalen drängen sich Vasen und Materialien, dazwischen eine kleine Palme in einem Blumentopf, an den Wänden hängen Postkarten. In hohen Regalen stehen unfertige Vasen, Stücke, mit denen Pschorn irgendwann nicht mehr zufrieden war. Manchmal, erzählt sie, sei es richtig befreiend, ein Werk zu zerstören. „Sonst wird das zum Ballast.“ Bei anderen, unvollständigen Arbeiten wartet sie ein bisschen, manchmal jahrelang. „Irgendwann findet sich dann eine Lösung“, sagt sie.

In den Atelierhäusern fühlt sich die Künstlerin sehr wohl: „Das ist ein schönes Miteinander.“ Zu dritt teilen sie sich eine kleine, gemütliche Küche, helfen sich gegenseitig, bieten Rat und Unterstützung. Gleichzeitig mag Pschorn die Ruhe in Leutzsch. Jeden Tag fährt sie aus Gohlis mit dem Fahrrad in den Westen, sieht den Weg nicht als Last, sondern als Ausgleich. Hier könne sie konzentriert arbeiten, werde nicht abgelenkt, das sei gut, sagt die Künstlerin. Insgesamt sei Leipzig eine gute Stadt für junge Künstler. Als Gründe nennt Pschorn die günstigen Mieten und den vergleichsweise hohen Leerstand, doch sie beschreibt auch eine „besondere Synergie von jungen Künstlern aus der ganzen Welt“.

Ausstellung Sarah Pschorn: „Material Girl“, Galerie Terra Rossa, Rossplatz 8 – 9, Leipzig, Eröffnung am 24. Juli, 18 Uhr, in Anwesenheit der Künstlerin.

Von Sophie Aschenbrenner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Rockharz-Festival kennt nur einen Weg und der zeigt nach oben. 17.000 Besucher haben das Hardrock-Spektakel in Ballenstedt erlebt und am Montag gibt es schon Karten für das nächste Jahr.

08.07.2018

Direkt ins Leipziger Bachmuseum führte der Weg am Sonnabend hunderte Mädchen und Jungen. Auf dem Programm: schreiben mit der Gänsefeder. Genau wie einst Johann Sebastian Bach. Keine Chance also für den Badesee!

31.07.2018

Das 31 Jahre alte Debütalbum ist gerade wieder auf Platz 2 der Charts eingestiegen, zu den anderen drei Deutschland-Konzerten der „Not in this Lifetime“-Tour kamen rund 150.000 Leute – und am Samstagabend verwandelte Guns N' Roses mit 40.000 Fans erstmals Leipzig zur „Paradise City“.

08.07.2018
Anzeige