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Kultur Regional Benefizkonzert im Gewandhaus Leipzig mit einer Frau am Dirigenten-Pult
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19:43 28.11.2018
Die Dirigentin Marin Alsop (62) im Foyer des Leipziger Gewandhauses. Quelle: André Kempner
Leipzig

Frauen am Dirigenten-Pult sind nach wie vor die Ausnahme. Die Spitzenorchester halten sich besonders bedeckt. Worin sehen Sie den Grund?

Darüber sprechen wir jetzt? Das müssen Sie eher die Männer fragen. Das sind die richtigen Ansprechpartner. In meinen Augen gibt es aktuell einen Wandel: Es ändert sich etwas, auch wenn es ein langsamer Prozess ist. Es gibt ein viel größeres Bewusstsein dafür, welchen Hürden Frauen gegenüberstehen. Die Ansprüche sind noch höher: Frauen müssen ganz besonders verlässlich sein, dürfen absolut keine Fehler machen. Doch Fehler sind für alle Führungskräfte grundlegend, um erfolgreich zu sein. Ohne sie gibt es keinen Lerneffekt.

Seit 2007 sind Sie die Chefin des Baltimore Symphony Orchestra. Anfangs gab es Widerstand. Heute gibt es keine Bedenken mehr. Sie haben das Orchester aus den roten Zahlen herausgeholt. Was hat Ihnen auf Ihrem Weg geholfen?

Ich habe versucht, mich auf meine Arbeit zu fokussieren, Werkzeug, Sprachrohr des Komponisten zu sein. So gut vorbereitet und respektvoll wie nur möglich. Als ich in Baltimore anfing, gab es finanzielle Probleme und Schwierigkeiten in der Kommunikation. Manche Orchester-Mitglieder waren unzufrieden. Also habe ich alles gegeben, um mit ihnen gemeinsam erfolgreich zu sein. Es ist ein fantastisches Orchester – wir haben heute eine großartige Beziehung.

Sie haben ein Stipendium für Frauen geschaffen, die Dirigentinnen werden wollen. Welche Eigenschaften muss eine junge Frau mitbringen, um auf diesem Gebiet erfolgreich zu sein?

Das Geschlecht spielt keine Rolle. Harte Arbeit ist das Wichtigste. Viel lernen, viel üben. Keinen Tag pausieren. Immer bestens vorbereitet zu sein, ein Gefühl für Menschen zu haben, ist wichtig.

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Zu Ihren Mentoren gehörte Leonard Bernstein. Am Sonnabend stehen BernsteinsChichester Psalms“ und Three Dance Episodes aus seinem Musical „On the Town“ auf dem Programm. Wie ist es für Sie, Werke Ihres früheren Lehrers zu dirigieren?

Ich liebe es. 2018 ist ein großes Jahr. Dieses Jahr wäre Leonard Bernsteins 100. Geburtstag gewesen. Ich habe viele Konzerte mit seiner Musik dirigiert. Sehr viele (lacht). Ich höre seine Stimme überall. Er hatte einen großartigen Sinn für Humor. Er war sehr angetan von Menschen. Das spüre ich noch immer.

Was sind ihre letzten Erinnerungen an Bernstein?

Ich bewunderte ihn, seit ich neun Jahre alt war. Seitdem wollte ich Dirigentin werden. Ich hatte ein großes Poster in meinem Schlafzimmer von Bernstein – und eins von den Beatles. Er war eine sehr liebevolle Person. Sehr authentisch, ehrlich und anspruchsvoll. Er hat mich sehr gefordert.

Die Beatles also – wieso haben Sie sich schließlich für klassische Musik entschieden?

Wissen Sie, in meinem Zuhause drehte sich alles um klassische Musik. Meine Mutter war eine wunderbare Cellistin, mein Vater war der Konzertmeister des New York City Ballet Orchestra. Er spielte aber auch Jazz. Ich hatte 20 Jahre lang eine Swingband, was wirklich Spaß gemacht hat. Ich glaube, das war auch der Grund, warum mich Bernstein so fasziniert hat. Er und seine Musik waren unterhaltsam.

Welche Gefühle haben Sie, wenn Sie vor den Musikern stehen und das Konzert beginnt?

Die Arbeit ist dann erledigt. Wie im Skiurlaub: Nach dem vielen Üben geht es endlich die Piste runter. Es ist wundervoll, ein großartiger Beruf.

Sie sind dafür bekannt, dass Sie nach Konzerten mit Ihrem Publikum in den Dialog treten. Ist es auch in Leipzig geplant?

Mein Deutsch ist nicht das Beste. Aber wenn mich das Publikum etwas fragt, bin ich natürlich aufgeschlossen. Für meinen neuen Job in Wien, muss ich die Sprache ja ohnehin noch verbessern.

Samstag, 1. Dezember, 20 Uhr, Gewandhaus: Gala für die StiftungLeipzig hilft Kindern“, Tickets (5 bis 69 Euro) gibt’s noch unter Tel. 0800 2181050, in allen LVZ-Geschäftsstellen oder unter www.ticketgalerie.de, an der Gewandhauskasse respektive unter Telefon 0341 127280. Wenn Sie über den Kauf einer Karte hinaus die Arbeit der Stiftung Leipzig hilft Kindern unterstützen möchten, ist ihre Spende natürlich willkommen. Denn jeder Euro hilft helfen: Sparkasse Leipzig IBAN: DE16860555921100902003; BIC: WELADE8LXXX; Verwendungszweck: Spende für die StiftungLeipzig hilft Kindern“; www.leipzig-hilft-kindern.de

Von Maria Sandig

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