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Bewegender Abschied von Dieter Bellmann im Leipziger Gewandhaus

"Meine letzte Vorstellung" Bewegender Abschied von Dieter Bellmann im Leipziger Gewandhaus

Freunde, Kollegen und Weggefährten haben sich am Dienstagabend im Mendelssohnsaal des Leipziger Gewandhauses von Dieter Bellmann verabschiedet. Der Schauspieler war am 20. November mit 77 Jahren gestorben. Ein Platz auf der Bühne blieb für ihn leer.

Auch Peter Sodann erinnerte am Dienstagabend im Gewandhaus an seinen Schauspiel-Kollegen Dieter Bellmann.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Dreizehn Stühle auf der Bühne. Am Ende sind zwölf besetzt. Einer bleibt leer. Der in der Mitte. Da ist einer gegangen. Endgültig. Ohne Chance auf Wiederkehr. Einer, der oft im Mittelpunkt stand. Und gern. Sonst hätte er gar nicht sein können, was er nun mal war: Schauspieler, Regisseur.

Der leere Platz in der Mitte blieb für Dieter Bellmann. Der Bühnenmensch mit der metallenen Stimme. Der Mann, für den das Theater ein Traum war. Ein erfüllter, den er ausfüllte, der ihn ausfüllte. Der mit „Der Mittelstürmer starb im Morgengrauen“ im Beruf antrat. „Er war ein großartiger Mittelstürmer – und er starb im Morgengrauen“, sagte Jochen Vogler, der Freund, Bühnen- und Kostümbildner, gestern Abend im Mendelssohn-Saal des Gewandhauses. Ein Abschieds-Abend.

Freunde, Kollegen und Weggefährten erinnerten bei einer Trauerfeier im Gewandhaus an den mit 77 Jahren verstorbenen Schauspieler Dieter Bellmann.

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Freunde, Kollegen, vom Theater, vom Fernsehen, Weggefährten, sangen, lasen, erinnerten. Barbara Trommer und Meigl Hoffmann, die so viele Wortspiele um die Eigenarten und Eigenschaften des Weggegangenen fanden. Peter Sodann, der über Alfred Matusche, den Dramatiker, und John Keats, den Dichter, einen Bogen zu Dieter Bellmann schlug. Jörg Hammer, Arzt und Freund, holte aus dem Gedächtnis einen Satz, den Dieter Bellmann einst zu ihm gesagt hatte: „Nicht mit Krone und Robe wirst du zum König, du musst zum König gespielt werden.“ Berufsgrundsatz: Ohne alle jene neben dem Hauptdarsteller geht gar nichts. Nur wenn man von ihnen geschätzt wird, funktioniert es.

Prof. Simoni flimmert über die Leinwand

Immer wieder auf der Rückwand Bilder von Dieter Bellmann, dazu Auskünfte, die er zum Beruf, zum Leben, zu jener Serienrolle, die ihn 16 Jahre begleitete, gab. Eine Szene, in der sein Prof. Simoni mit Verwaltungschefin Marquardt ins Grüne fährt, um sie menschlich aufzuwärmen. Fotos von Reisen, von Auftritten, mit Ehefrau Astrid Höschel, mit Söhnen, mit seinem Pianisten Stephan König. Er hatte Dieter Bellmann beim letzten Auftritt, einer Kishon-Lesung, in Gohlis begleitet. Zwei Tage vor dem überaschenden, friedlichen Einschlafen Stephan König rahmte auch den Abschied – mit „Als ich fortging ...“, mit einer „Für Elise“-Improvisation, mit Schumanns „Träumerei“. Michael Trischan, der Ex-Pfleger und Jetzt-Arzt in der Serien-Sachsenklinik, las aus Reisesplittern des „Mittagskuriers“, jenem Reisejournal, für das Dieter Bellmann Mitteldeutschland bereiste. In Stolpen, wo die Großeltern einen Kurzwarenladen besaßen, kommen Bilder hoch vom 13. Februar 1945, als der Vierjährige einen Feuerschein Richtung Dresden gesehen hatte.

Einmal sind Fotos von einem lächelnden Dieter Bellmann zu sehen. Schalk in den Augen, warmer Blick, das Gesicht „vom Leben gefaltet“ (Meigl Hoffmann). Einer, der in sich zu ruhen scheint. So war auch sein Prof. Simoni. 16 Jahre lang. „In aller Freundschaft wäre nicht das, was sie heute ist, wenn du nicht gewesen wärst“, sagte Sven Sund, der Saxonia-Geschäftsführer. Und: Er hat es geliebt, wieder ein festes Ensemble um sich zu haben.

Rühmann und Loewig singen zum Abschied

Mit Thomas Rühmann (Heilmann) war er von Anfang an dabei, Andrea Kathrin Loewig kam mit der zweiten Staffel, Udo Schenk sehr viel später. Thomas Rühmann sang zur Gitarre ein ironisches Lied von Peter Hacks, Andrea Kathrin Loewig Liebes-Chansons (weil: „Dieter liebte die Frauen und die Frauen liebten ihn“), Udo Schenk sprach einen Text von Gorki. Ein Disput zwischen Mensch und Leben, den Dieter Bellmann sehr mochte. Es wurde an Dieter Bellmanns lebenslange Fußball-Leidenschaft gedacht, an seinen fulminanten Wolodja in Rosows einst gefeiertem Stück „Unterwegs“, an seine Liebe zu Sachsen – und an jenen Serien-Spieler, der immer noch ernst und ernsthaft spielen konnte, wenn die anderen sich am Set nach einem Lapsus bereits vor Lachen kaum halten konnten.

Dass es auch eine große Lust auf Kabarett bei Dieter Bellmann gab, kam mit Lothar Bölck und seinem satirischen Goethe-Verschnitt „Der Phrasen-Azubi“ auf die Bühne. Dann die Stimme von Dieter Bellmann. Leise singt er „Zeit heilt alle Wunden“. Das Licht geht aus. Nur sein Schwarz-Weiß-Porträt leuchtet ein Licht aus dem Dunklen. Der letzte Vorhang. Die letzte Vorstellung.

Von Norbert Wehrstedt

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