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Kultur Regional Bildermuseum zeigt Meisterzeichnungen aus sieben Jahrhunderten
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16:31 07.12.2018
Feines Meisterwerk: eine Architekturskizze von Giovanni Battista Piranesi. Quelle: André Kempner
Leipzig

Eigentlich sollte ab 1. Dezember Yoko Ono mit einer großen Retrospektive im Museum der bildenden Künste in Leipzig gefeiert werden; das Projekt ist auf April 2019 verschoben. Stattdessen kommt nun eine Ausstellung, die gleich dutzende Weltstars präsentiert, auch wenn sie etwas leiser auftreten und – aus konservatorischer Sicht – lichtscheu sind: Unter dem Titel „Sammlung im Blick: Zeichnungen aus sieben Jahrhunderten“ werden ab Samstag 150 Werke aus dem eigenen Bestand gezeigt.

Zu sehen sind unter anderem Arbeiten von Hans Holbein, Lucas Cranach d. Ä., Rembrandt, Caspar David Friedrich, Max Klinger, Auguste Rodin, Gustav Klimt, Käthe Kollwitz, Max Liebermann, Max Beckmann oder A.R. Penck. Auch das 21. Jahrhundert ist vertreten, etwa mit Michael Triegel und Via Lewandowsky. Man darf das als einen Parforceritt durch die Kunstgeschichte beschreiben, es ist aber vor allem ein Fest für die Augen und eine Schule des Sehens. Die zumeist kleinen Formate fordern Nähe, ein sich Einlassen auf eine Kunstform, die erst im 20. Jahrhundert ganz autonom aufgefasst wird, während sie zuvor eher der Präsentation oder dem Ausprobieren, skizzenhaften Vordenken des eigentlichen Werks dient. Der Besucher blickt so in den Schaffensprozess, trifft auf Figurenstudien, Landschaften, Porträts, Aquarelle, Skizzenbücher und Künstlerbriefe.

Die Ausstellung passt perfekt zum 160. Geburtstag des Museums, der am Wochenende mit freiem Eintritt und verschiedenen Veranstaltungen gefeiert wird. 1848 konnte der Leipziger Kunstverein das „Städtische Museum“ in der Ersten Bürgerschule auf der Moritzbastei eröffnen – vor 170 Jahren also. Am 18. Dezember 1858 wurde dann der erste eigene Museumsbau auf dem Augustusplatz eingeweiht.

Von 55 auf 70 000

Damals hätten sich ganze 55 Blätter in der Sammlung befunden, sagt die stellvertretende Direktorin Jeanette Stoschek, die die Ausstellung zusammen mit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Susanne Petri kuratiert hat. Inzwischen umfasst die Grafische Sammlung rund 70 000 Blätter – Grafiken, Zeichnungen, Fotografien und Künstlerbücher. Daraus 150 Werke auszuwählen, ist schon aufwändig genug, wenn das dann noch in drei Wochen passieren muss, weil eine andere Ausstellung erst später kommt, dann sind wir wieder beim Motiv des Parforceritts.

Es sei nicht darum gegangen, jedes Jahrhundert umfassend darzustellen, sagt Stoschek. Auch wenn die Ausstellung einigermaßen chronologisch aufgebaut ist, erlaubt sie doch immer wieder Abzweige, Zeitsprünge. Thematische und historische Schwerpunkte sind Italien mit Bernini und Piranesi, Klinger und seine Zeitgenossen, 18., 19., und 20. Jahrhundert. Es beginnt mit zwei absoluten Raritäten: Das „Liebespaar mit Falken“ entstand um 1480, eine Silberstift-Zeichnung, die international für Ausstellungen gefragt ist. Eine symbolisch aufgeladene Arbeit, die dem so genanten Meister des Hausbuchs zugeschrieben wird, eine biografisch schwer fassbare Künstlerpersönlichkeit, die wohl am Mittelrhein und in Südwestdeutschland tätig war.

Leipzigs einziger Rembrandt

Fein ausgearbeitet, mit Feder und Pinsel in Schwarz, ist die „Sitzende Madonna mit dem Kinde“ aus dem Jahr 1519 von Hans Holbein dem Jüngeren. Eine intime Szene, nicht ohne Sinn für Effekte, wirken doch die Haare der Madonna, als wären sie von einem Föhn in Form geweht. Es folgen die Niederländer mit der einzigen Zeichnung von Rembrandt, der „Kostümstudie einer reich gekleideten Frau“ (1638/40).

Große Kunst großer Namen, die diesen großen Rahmen nicht nur aushält, sondern auch verdient.

8.12.–24.3. im Museum der bildenden Künste (Katharinenstraße 10); am 8. und 9. 12. freier Eintritt und diverse Veranstaltungen von 10–18 Uhr

Von Jürgen Kleindienst

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