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Kultur Regional Cindy Wilson von den B-52s: „Innerlich fühl’ ich mich wie 13“
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07:00 03.03.2018
Mit 61 Jahren will sie sich mit neuer Band noch mal alles neu verdienen: Cindy Wilson (Mitte) ist aber weiterhin auch Mitglied der B-52s. Quelle: PR
Leipzig

Den Song „Love Shack“ aus dem Jahr 1989 kennt praktisch jeder, vom coolen Bescheidwisser bis zum einfach nur gern „Die größten Hits der 80er, 90er und von heute“-Hörer. Es ist das bekannteste Lied von The B-52s, jener fünfköpfigen Band aus Athens, Georgia (wo sich im B-52s-Fahrwasser übrigens auch eine gewisse Band mit dem Namen R.E.M. gründete), die so eigenwillig funky Punk und New Wave mit 60s Rock’n’Roll vermischt. Hören Sie sich nur mal „Planet Claire“ oder „Rock Lobster“ vom 1979er Debütalbum an – das klingt auch heute kein bisschen antiquiert, sondern wie bei Velvet Underground oder Joy Division immer noch eindringlich, catchy und druckvoll.

The B-52s spielten bisher genau einmal in Leipzig, im Sommer 2013 im Clara-Park. Nun kommt Cindy Wilson, eine der beiden Sängerinnen mit ihrer neuen Band für eins von nur drei Deutschlandkonzerten in die Moritzbastei – leider ohne ihre legendäre Frisur, aber dafür mit tollen neuen Synthie-Pop-Songs. Wir haben mit ihr über ihr Soloalbum „Changes“, über Leipzig und natürlich auch über The B-52s gesprochen. Und um Geburtstage ging es gleich zweimal in unserem Gespräch.

Miss Wilson, wie geht es Ihnen kurz vor Ihrer Europatour mit dem ersten Soloalbum?

Wirklich großartig! Allen in meiner Familie geht es gut. Mein Mann (Keith Bennett, Anm. d. Red.) hat Erfolg mit seiner Kunst. Meine Hunde sind gesund. Ich bin immer noch bei den B-52s und mein Soloprojekt läuft großartig. Verdammt ja, es läuft!

Viele Leute feiern ihren Geburtstag mit Freunden oder fahren in den Urlaub – Sie haben am 28. Februar ein Konzert in Amsterdam gespielt. Ist das Ihre Vorstellung einer perfekten Geburtstagsparty?

Ja, absolut. Ich bin gern ein arbeitender Tourist. Ich mag es, einen Grund zu haben, irgendwo zu sein. Es war das erste Mal, dass meine neue Band in Amsterdam gespielt hat, und ich wollte mit ihr und dem Publikum meine Liebe teilen.

Das im Dezember erschienene Album „Changes“ ist Ihr Solo-Debüt. Wie fühlen Sie sich als 61-jähriger Newcomer des Jahres?

Innerlich wie 13! Ich habe wirklich das Gefühl, dass die Musik, die ich schreibe und performe, das Alter überwindet. Das Album ist gerade in die Heatseekers-Charts (vom Billboard-Magazin in den USA ermittelte Rangliste von Alben, die nicht in den offiziellen Charts sind, Anm. d. Red.) gekommen, was einfach fantastisch ist. Das Soloprojekt hält mich wirklich jung.

Sie haben sich vor ein paar Jahren den Gitarristen Ryan Monahan geschnappt, nachdem er mit seiner Beatles-Tribute-Band den Geburtstag Ihres Sohnes in eine wilde Party verwandelt hat. Wer ist denn außerdem an Ihrem „Soloprojekt“ beteiligt, wer wird Sie auf Tour begleiten?

Ja, mit Ryan Monahan und Lemuel Hayes spiele ich schon seit ein paar Jahren. Ryan singt mit mir und spielt Gitarre, auf der Platte hat er auch Bass und Keyboards eingespielt. Lemuel sitzt am Schlagzeug, wir sind echt froh, dass wir ihn haben. Außerdem haben wir noch ein neues Bandmitglied: Rhees Williams. Er ist ein exzellenter Musiker und spielt live Bass und Synthesizer.

„Das ist ein großes Abenteuer“

Natürlich kennen die Leute Sie vor allem als Sängerin der B-52s. Was ist jetzt anders mit der neuen Band? Erwartet das Publikum auch funky New-Wave mit Rock’n’Roll-Anteilen? Spielen Sie vielleicht sogar die eine oder andere B-52s-Nummer?

Wir gehen zurück auf die Basics des Tourens, und ich liebe das. Niemand tut uns irgendwelche Gefallen, wir müssen uns alles neu verdienen. Das ist ein großes Abenteuer, und ich würde es um nichts in der Welt eintauschen! Die Musik ist ziemlich anders, manche B-52s-Fans könnten überrascht sein – aber bisher hat es den Leuten sehr gut gefallen!

Das heißt, „Changes“ ist auch ein programmatischer Titel für Sie?

Auf jeden Fall. Er ist einfach perfekt, um den ganzen Prozess zu beschreiben und auch meine aktuelle Situation.

Ist es für Sie als US-Amerikanerin eigentlich einen Unterschied, ob Sie in Deutschland, Frankreich oder den Niederlanden spielen, oder ist das für Sie alles einfach „Europa“?

Das ist ein großer Unterschied! In Europa gibt’s so viele unterschiedliche Kulturen wie fast nirgendwo sonst, das ist einfach großartig.

Erinnern Sie sich noch an Ihr Konzert mit den B-52s vor fünf Jahren auf der Leipziger Parkbühne?

Michael Stipe von R.E.M. war damals mit dabei, wenn ich mich nicht irre. Es war ein großer Spaß, er kommt ja wie wir aus Athens, Georgia.

„Es sieht nackt aus ohne das Apostroph“

Miss Wilson, ist eigentlich etwas Besonderes zum 40-jährigen Jubiläum des B-52s-Debütalbums im nächsten Jahr geplant?

Allerdings! Wir werden mit Culture Club auf Tour gehen. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen, aber wir freuen uns sehr auf das Jubiläum.

Noch eine ganz wichtige Frage: In vielen Bands wechseln über die Jahre und erst recht Jahrzehnte die Mitglieder, nicht so bei den B-52s. Aber Sie haben vor zehn Jahren das Apostroph aus dem Bandnamen (vorher The B-52’s) geschmissen. Wielange haben Sie denn in der Band darüber diskutiert, und wie schwer war es dann, irgendwann „Sorry, du bist raus!“ zu sagen?

Ja, es gibt einige Leute, die es sich zurückwünschen! Ich plädiere auch dafür. Mein Mann hat damals am College das originale Bandlogo designt. Ich glaube, wir haben ihm dafür 50 Dollar gegeben! Wir haben das Logo dann jahrelang verwendet, aber irgendwer meinte dann, das Apostroph sei grammatisch falsch. Der Rest der Band fand es okay, es rauszuschmeißen, aber ich vermisse es. Es sieht nackt aus ohne das Apostroph.

Cindy Wilson & Band spielen am morgigen Sonntag, 20 Uhr, in der Moritzbastei, Universitätsstraße 9, Vorprogramm: Knights, Abendkasse 25,90 Euro

Von Benjamin Heine

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