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Kultur Regional Clemens Meyer stellt in Leipzig Ivana Sajko und ihren „Liebesroman“ vor
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16:00 14.01.2018
Ivana Sajko: Liebesroman. Aus dem Kroatischen von Alida Bremer. Voland & Quist; 176 Seiten, 18 Euro Quelle: Verlag
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Leipzig

Der Mann kann es nicht mehr ertragen. Nicht ohne verrückt zu werden oder sich zu besaufen. Er ist am Ende, muss vergessen, dass sie, seine Frau, ihn mit ihrer Liebe schon wieder beinahe getötet hat, ihn, der sich „mit der Grimasse der Müdigkeit“ zudeckt, wie sie findet. Mit ihnen lebt das Baby. „Liebesroman“ ist hier nicht Genre, sondern Titel des Buches. Die kroatische Schriftstellerin Ivana Sajko hat es geschrieben, und am Dienstag stellt sie es im Haus des Buches vor. An ihrer Seite wird Übersetzerin Alida Bremer sein und ihr Leipziger Schriftstellerkollege Clemens Meyer, der auf dem Buchcover die Kraft der Sprache rühmt: „Ich war getroffen von diesem klaren und poetischen Sajko-Sound.“

Ein Sound, der unmittelbar ergreift, gleich auf den ersten Seiten in einen Beziehungskrach katapultiert, der wie ein leises Hassen rauscht. Bevor ein Nachbar klingelt und sich die Tür öffnet zur größeren Kälte, zum größeren Krieg zwischen den Menschen, dorthin, wo sich Wirklichkeit nicht durch Worte ersetzen lässt. Dies ist die Geschichte einer Eskalation.

Der Mann würde gern aus der Haut fahren, „so wie heute jeder anständige Mensch aus der Haut fährt, wenn diese zu dünn geworden ist. Er wäre gern ein anständiger Mensch.“ Seine Schläfrigkeit wird vom Nachbarn für einen Ausdruck von Faulheit gehalten und seine Müdigkeit für ein Zeichen von Schwäche. Dante zitiert er aus dem Gedächtnis, Arbeit hat er nicht, Geld liegt auf dem Küchentisch.

Die Liebe ist so missverständlich wie der Sex

Die Frau, von Beruf Schauspielerin, im Alltag Mutter, würde ihr Dasein gegen die Probleme der anderen tauschen, möchte lieber gestresst sein, „anstatt ihre Tage in sinnlosen Diskussionen mit Möbelstücken zu verbringen, wobei sie erste Symptome einer psychischen Erkrankung zu unterdrücken versucht, die jeden befällt, der niemanden hat, bei dem er sich verspäten kann.“

Diese beiden Menschen machen es sich nicht leicht und einander schwer. Ihre Liebe ist so missverständlich wie ihr Sex, unvernünftig und beharrlich ist sie, schreibt Sajko, „und man kann sie nicht zu einem Rechteck falten, unter das Kissen schieben und sich bis morgen gedulden.“ Wenn diese Liebe den Mann an Krieg erinnert, dann in jenem Moment, in dem ihn diejenigen bespucken, für die er kämpft. Er beginnt zu schreiben. Einen Liebesroman. Um Worte zu finden und um die falschen Sätze zu entwaffnen, die weniger den Kern des eigenen Gefühls treffen, als dass sie dem anderen eine Wunde schlagen.

Ende ohne Ende

Ivana Sajko wurde 1975 in Zagreb geboren, sie ist Autorin, Regisseurin, Performerin, Mitbegründerin der Theatergruppe „BAD co.“ und Redaktionsmitglied des Kunstmagazins „Frakcija“. Auf Deutsch ist 2008 ihr Roman „Rio Bar“ erschienen, 2012 die Theatertexte-Sammlung „Trilogie des Ungehorsams“ und 2015 ihr Essay „Auf dem Weg zum Wahnsinn (und zur Revolution)“ .

In „Liebesroman“ beschreibt sie das Kommen und Gehen von Zärtlichkeit und Zorn in einer Umgebung, in der sich nichts festhalten lässt. Frühling heißt, dass die Heizkosten sinken. Verlässlich ist nur die Erniedrigung – und die beginnt nicht in der Familie, sondern in der Entwürdigung durch ökonomische Zwänge, wenn die „beschissene Welt durch die abgeschälten Wände der Fiktion“ hindurchbricht. Furios erzählt Ivana Sajko von einem Ende ohne Ende.

Ivana Sajko: Liebesroman. Aus dem Kroatischen von Alida Bremer. Voland & Quist; 176 Seiten, 18 Euro

Lesung mit Ivana Sajko, Alida Bremer und Clemens Meyer: am 16. Januar, 19.30 Uhr, Haus des Buches, Gerichtsweg 28 in Leipzig; Karten (4/3 Euro) gibt es an der Abendkasse

Von Janina Fleischer

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