Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Cro gibt sich in Leipzigs Arena zweideutig bis unentschlossen
Nachrichten Kultur Kultur Regional Cro gibt sich in Leipzigs Arena zweideutig bis unentschlossen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:58 02.12.2018
Sänger Cro singt vor rund 4000 Fans in der Arena Leipzig. Quelle: Alexander Prautzsch
Leipzig

Cros Freundinnen geht es gut. Die müssen sich „nie mehr Sorgen um Geld“ machen, wie es der Rapper/Sänger/Immer-noch-Teenieschwarm am Samstagabend in „Reise um die Welt“ verlauten lässt. Denn Cro hat – Hits wie diesem – für die nächsten Jahre wohl keine monetären Probleme. Trotzdem brodelt da etwas sichtbar in Carlo Waibel, wenn er seinen „alten Scheiß“ vor der riesigen Videoleinwand, vor den LED-Lichtsäulen und einer fünf Meter hohen Kletterberg-Pandamaske performt. Denn gerade jene Songs, die dem 28-Jährigen mit Pop-Texten und Ohrwurm-Samples den kommerziellen Erfolg, das Kreischen einer Bravo-Generation und den Hass hartgesottener Hip-Hop-Fans beschert haben, sind die, die Cro beim Arena-Konzert kühl, affektiert und antriebslos wegnuschelt. Das aktuelle Album „tru.“ ist ganz anders als seine Vorgänger: melancholischer, ausgefeilter, nuancierter, emotionaler, durchaus feinsinnig und kunstvoll. Eben kein Party-Mixtape. Was auf der eher intimen Club-Tour Anfang des Jahres gut funktioniert haben dürfte, zerfällt in der mäßig gefüllten Arena in eine dramaturgielose Berg- und Talfahrt.

Hier und da testen Fangirls die Hysterie-Grenze ihrer Stimmbänder

Dabei stehen die Zeichen zu Beginn auf großartiger Abend: Letztes Konzert der „stay tru.“-Tour, Endspurt. Alles könnte in ein großes Finale münden. Gut 4000 Gäste sind heiß, lassen ihre Hände den Beat in die Luft zeichnen und applaudieren ausgiebig. Hier und da testen Fangirls die Hysterie-Grenze ihrer Stimmbänder. Zwischendrin springt ein übermütiger Besucher über die Bühnenabsperrung und wird von zwei Ordnern zu Boden gebracht – was Cro aber nicht sonderlich aus dem Konzept bringt. Die auf DJ, Drums, Keys und Gitarre reduzierte Band groovt, die Bässe sind saftig, und die Background-Sängerinnen haben Soul. Obligatorische Videoeinspieler flimmern haushoch im Hintergrund, ein bisschen Projektions-Mapping auf den eisbergähnlichen Bühnenbau gibt es obendrein. Und, klar, die Konfettikanonen dürfen auch zwei Mal abfeuern.

Ein solides Popkonzept, bei dem Cros Part hauptsächlich darin besteht, auf den Bassboxen vor der ersten Reihe von links nach rechts zu tigern – Verzeihung – zu pandaen. Cro weiß, was von ihm verlangt wird. Den ersten Mitsingpart gibt es deshalb gleich im vierten Song „Hi Kids“, den zweiten direkt im Anschluss bei „Allein“. „Bad Chick“, „Du“, „Traum“ und andere Hits folgen. Später wird ein Drumcomputer auf den Beinen von vier Schaufensterpuppen in die Mitte der Bühne gerollt, auf dem Cro zeigen möchte, dass ihn ihm nicht nur ein Performer, sondern auch ein Produzent steckt. Also baut er Beats, die das Schlagzeug übernimmt. Eine nette Idee, die leider schnell, sehr schnell wie eine öffentliche Bandprobe wirkt und nicht richtig aufgeht. Überhaupt ist Cros Performance zuweilen verhalten und unambitioniert.

Es ist ein Dilemma

Glanzmomente entstehen an diesem Abend anders: Zum einen, als er mit Bühnengast und Lokalheld Trettmann die Kitschkrieg-Kollabo „10419“ anstimmt und dem Rapper noch für dessen Titel „Knöcheltief“ und „Standard“ die Bühne überlässt. Zum anderen, wenn Cro seine aktuellen Songs spielt. Dann sitzt und kauert er auf seinem Masken-Eisberg, rappt eingängig, mitreißend und gefühlvoll zu großen, aufeinander aufbauenden Soundkulissen. Hier flammt seine Begeisterung auf, finden Herz und Hingabe Platz. Der Popanteil schwindet, was im Publikum wiederum zu Stille und Stimmungsdownern führt.

Es ist ein Dilemma: Der alte Cro muss liefern, der neue will „tru“ sein. Ein Mischmasch, der für die Hallentour zu Längen im Programm führt und teilweise planlos wirkt. Abschließend ergibt sich also eher ein kleines Finale, wenn Cro das Intro seines Signature-Titels „Easy“ mit Bobby-Hebb-Samples live in den Drumcomputer tippt und mit „Unendlichkeit“ in fünf Metern Höhe die Spitze des Eisbergs erreicht. Das darf man dann gern wörtlich nehmen.

Von Tobias Ossyra

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Benefiz-Gala von Gewandhaus, LVZ, VNG, Sparkasse und Porsche Leipzig bringt 40 000 Euro für die Stiftung „Leipzig hilft Kindern“ – mit dem Geld springen unter anderem diese Vereine jungen Menschen zur Seite.

02.12.2018

Benefiz-Gala von Gewandhaus, LVZ, VNG, Sparkasse und Porsche Leipzig bringt 40.000 Euro für „Leipzig hilft Kindern“ – und Marin Alsop am Pult des Gewandhausorchesters sowie Javier Perianes am Flügel begeistern mit Bernstein und Ravel.

02.12.2018

Brave Erscheinung, rockige Attitüde, klare Haltung: Am Freitagabend hat die Band Madsen im ausverkauften Werk 2 gespielt.

02.12.2018