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Das Gesetz der Straße: Havoc von Mobb Deep begeistert Oldschool-Fans im Conne Island

The Infamous Das Gesetz der Straße: Havoc von Mobb Deep begeistert Oldschool-Fans im Conne Island

Seit 1992 machten die Rapper Havoc und Prodigy unter dem gemeinsamen Namen Mobb Deep Musik. Nach dem Tod von Prodigy im August ist die andere Hälfte des Duos derzeit auf Abschiedstournee. 150 eingefleischte Fans feierten die Ikone am Sonntag im Conne Island.

Von links: DJ. L.E.S., Havoc von Mobb Deep und Big Noyd begeisterten am Sonntag rund 150 Fans im Conne Island.

Quelle: Christian Neffe

Leipzig. 1994, das goldene Jahr für Rapmusik. Der Schmutz und das Elend der Ghettos in den New Yorker Stadtteilen Harlem, Brooklyn und Queens ist fruchtbarer Nährboden für eine neue Generation von Rappern, die in ihren Texten die sozialen Missstände ihres Umfeld schonungslos porträtieren und überhöhen. In diesem Jahr entstehen ewige Genre-Klassiker wie Nas’ „Illmatic“, Biggies „Ready to Die“ und auch „The Infamous“ der beiden Rapper Prodigy und Havoc. Gemeinsam bilden sie Mobb Deep.

Seit dem überraschenden Tod von Prodigy im vergangenen August muss Havoc das schwere Erbe des legendären Duos aus New York allein tragen. Mit DJ L.E.S. sowie dem langjährigen Protegé Big Noyd im Schlepptau machte er am Sonntag auf der Abschiedstournee für seinen verstorbenen Partner im Conne Island Station. Dass sich der Auftritt verkehrstechnisch bedingt um 80 Minuten verzögerte, verzeihen die gut 150 eingefleischten Fans spätestens, als die beiden Zeremonienmeister – stilecht mit Goldketten und halbgeleerter Hennessey-Flasche gerüstet – die Bühne betreten und „some great fucking time“ versprechen.

Der Discjockey jagt Schüsse und markerschütternde Bässe durch die Boxen. Wände vibrieren, Köpfe nicken, Hände wippen rhythmisch auf und ab. Für die kommende Stunde verwandeln die New Yorker das Conne Island in einen finsteren, rauchgeschwängerten Club im Big Apple der 90er. Eine musikalische Dystopie, in der das Gesetz des Stärkeren gilt („Survival of the Fittest“), in der bereits ein unangebrachter Blick genügt, um sein Leben zu verlieren („Right Back At You“) und in der es nur einen wahren Feind gibt: die rassistische Staatsgewalt, deren Finger sehr locker am Abzug sitzt („Cradle to the Grave“).

Havoc und Big Noyd arbeiten sich 60 Minuten lang durch eine knapp 25-jährige Diskografie, die sieben gemeinsame und unzählige Soloalben umspannt. Dazwischen wird immer wieder dem Verstorbenen gehuldigt. Big Noyd übernimmt dessen Parts und hat dabei sichtlich Spaß: Mit geradezu ekstatischem Stimm- und Körpereinsatz heizt er die Menge an, spaziert mit Whiskey- und Bierflasche in derselben Hand über die Bühne und posiert in jede Handykamera, die auf ihn gerichtet ist. Havocs Elan kann da nicht mithalten: Der eigentliche Star spult sein Programm souverän, aber unspektakulär ab. Für Ausgleich sorgt der Mann hinter den Turntables, der die Beats nahtlos aneinander reiht und dem Publikum keine Pause gönnt. Nur ein einziges Mal, da lässt er die Boxen kurz verstummen. Eine letztes Durchatmen, bevor Mobb Deeps ewiger Klassiker ertönt: „Shook Ones Part 2“, ein bitterböses Straßenmanifest und eine Absage an alle Möchtegern-Kriminellen. Spätestens jetzt übernimmt das Publikum und rappt, nein, brüllt jede Zeile inbrünstig mit. Ein furioser Schlussakkord, der in einem abrupten Ende mündet, als die drei Künstler die Bühne wortkarg verlassen. Keine Zugabe, keine Autogramme. Aber so ist das eben im New York der 90er: kein Platz für Sentimentalitäten.

Von Christian Neffe

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