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Kultur Regional Der Full-Service-Künstler: Johannes Oerding im Leipziger Haus Auensee
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00:21 29.10.2017
Ein guter Anfang: Johannes Oerding bei seinem Wohlfühlkonzert am Mittwoch im Leipziger Haus Auensee. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Johannes Oerding gehört zu den Sängern und Songwritern, die mit poetisch angehauchten, gefühlsbetonten Texten in der Muttersprache und eingängigen Popsongs Erfolg haben. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass viele sich in den scheinbar aus dem Leben gegriffenen Geschichten und der sehr glatt produzierten Musik wiederfinden. Diese weiß zu gefallen, eckt aber auch nirgends an. Warum es sich vielleicht gerade deshalb lohnt, ihn live zu sehen, stellte Johannes Oerding auf sehr sympathische Art am Mittwoch in Haus Auensee unter Beweis, wo er vor allem Songs seines Albums „Kreise“ vorstellte.

Zuerst aber tritt Eurovision-Songcontest-Teilnehmerin Levina auf, angenehm minimalistisch von einer Gitarre und Percussion begleitet. Ihre Stimme wirkt natürlich und ungezwungen, als sie Songs wie „Echo“, „Nothing at All“ und „Stop Right There“ von ihrem Album „Unexpected“ singt. Dabei kämpft sie gegen einen gewissen Lärmpegel an, da die moderne Unsitte, sich während Konzerten viel und laut zu unterhalten, auch hier um sich greift. Trotzdem kommt sie sehr gut an. Auch der Song mit dem sie beim ESC antrat, „Perfect Life“, profitiert von der akustischen Darbietungsform.

Anekdoten, Animation, Verkehrsfunk

Nach einem schnellen Umbau zeigt sich Oerdings stilvolles Bühnen-Setup mit Spiegeln in unterschiedlichen Größen im Hintergrund. Dann kommen auch schon seine Musiker auf die Bühne und spielen die ersten Töne von „Leuchtschrift“. Johannes Oerding begrüßt die Fans mit einem enthusiastischen „Guten Abend, Leipzig“ und wird selbst mit Jubeln in Empfang genommen. Der Song trägt den Beinamen „Große Freiheit“, und vielleicht ist es genau das, wovon die Leute träumen. Oerding erzählt nicht nur in seinen Songs Geschichten, sondern auch auf der Bühne, und schafft damit eine witzige, fast familiäre Stimmung. Das beginnt schon vor dem Konzert, als er auf Facebook eine Verkehrswarnung an die Fans herausgibt, damit sie auch angenehm zu seinem Auftritt kommen. Er ist also eine Art Full-Service-Künstler, der sein Publikum bei Songs wie „So schön“ zum Mitsingen zu motivieren weiß.

Man bekommt live sogar etwas mehr, als seine Platten versprechen: nämlich einige der Ecken und Kanten, die bei einer zu sauberen Produktion leider verschwinden. Sie stehen seiner Musik wirklich gut. Bei „Stein für Stein“, „Jemanden wie dich“ und „Weiße Tauben“ kommt Melancholie auf. Die Musik wirkt live vielschichtiger, rockiger, satter, Johannes Oerding spielt mit ihr.

Als er während eines Songs einen Teil von „Time of My Life“ aus „Dirty Dancing“ einbaut und das Publikum den Refrain mit viel Freude schmettert, hat das sehr viel mehr Elan als die entsprechende Szene in der Neuverfilmung des Kultfilms. Das liegt auch am dynamischen Zusammenspiel mit seiner Band, das richtig leicht und locker wirkt. Einfühlsamere Songs wie „Zwischen Mann und Kind“ und „Schlaflos“ trägt er auf einer Plattform mitten im Publikum am Klavier vor. Für seinen Hit „Alles brennt“ ist er dann auch schon wieder auf der großen Bühne.

Ohne Zugaben geht es natürlich bei einem begeisterten Publikum nicht, und der Abend endet wie er angefangen hat: mit der großen Freiheit.

Von Miriam Heinbuch

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