Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Die Lesung der unabhängigen Verlage wird eingestellt
Nachrichten Kultur Kultur Regional Die Lesung der unabhängigen Verlage wird eingestellt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:14 28.01.2019
Irina Kramp, Organisatorin der Lesung der unabhängigen Verlage. Quelle: Kempner
Leipzig

Eine der beliebtesten Lese-Reihen während der Leipziger Buchmesse geht zu Ende. Die Lesung der unabhängigen Verlage (UV) wird am 22. März 2019 – im zehnten Jahr ihres Bestehens – zum letzten Mal stattfinden. Das hat der dahinterstehende Verein in einer Mitgliederversammlung im Dezember beschlossen. „Wir feiern Abschied und Jubiläum gleichzeitig“, verkündete die Vorsitzende und Organisatorin Irina Kramp Anfang des Jahres selbstironisch.

Die Lesenacht, traditionell im Lindenauer Westflügel beheimatet und am Messefreitag veranstaltet, bietet kleinen selbstständigen Verlagen wie Wagenbach, Nautilus oder dem Verbrecher Verlag eine Plattform, um ihre Autoren einem interessierten Publikum zu präsentieren – und das Publikum kam gerne, die Reihe war regelmäßig ausverkauft.

Verdoppelung der Miete

Doch da der Westflügel die Miete nun auf einen Schlag verdoppelt, ist die ohnehin fragile Finanzierung aus den Fugen geraten. Die Veranstaltung wurde durch eine jährliche Unterstützung der Leipziger Buchmesse, den Einnahmen des Abends sowie durch Fördermittel der Kulturstiftung Sachsen finanziert – blieben diese aus, wurde es eng: Zweimal sicherten Crowdfunding-Aktionen das Überleben, die Mieterhöhung zieht nun aber das endgültige Aus nach sich.

Groll auf die Westflügel-Leitung verspürt Irina Kramp jedoch nicht, sie sagt sogar, dass eine Erhöhung der seit der Premiere gleichgebliebenen Konditionen „überaus angebracht“ sei. Vielmehr sei es über die Jahre nicht gelungen, das Format auf ein solides Fundament zu stellen. Und von ihrem Markenzeichen, den Autoren entgegen der gängigen Messe-Praxis ein Honorar zu zahlen, wollten die ehrenamtlichen Macher nicht abrücken.

Geringe Hilfsbereitschaft seitens der Verlage

Die ehemalige Buchhändlerin Kramp, die das Format 2010 mit zwei Mitstreitern begründet hat und 2014 in einen Verein überführte, blickt dem Finale im März zwar „mit einer Träne im Knopfloch“ entgegen, wirkt aber auch erleichtert, dass das ständige Bangen um den Fortbestand ein Ende hat. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwierig werden würde, die eine Veranstaltung auf Dauer zu stemmen – es ist auch eine gehörige Portion Müdigkeit dabei.“

Schwerer als die Mieterhöhung des Westflügels wiegen für die 43-jährige Leipzigerin die Reaktionen der beteiligten Verlage und der Buchmesse. Nachdem der Verein erstmals kommuniziert hatte, dass das Format auf der Kippe stehe, habe es zwar warme Worte gegeben, Hilfsangebote gingen von Seiten der Verlage jedoch nicht ein. Nur 3 der 18 jährlich teilnehmenden Häuser sind dem Verein beigetreten, um die Veranstaltung mit einem Mitgliedsbeitrag zu unterstützen. Und die Buchmesse willigte zwar ein, ihre jährliche Förderung von 2000 Euro für die diesjährige Ausgabe zu erhöhen – langfristige Zusicherungen machten die Organisatoren jedoch nicht, verwiesen stattdessen auf ein Besprechen des weiteren Vorgehens nach der Messe.

Kramp ist froh über das „selbstbestimmte Ende“

Für Kramp blieben diese Aussagen zu vage, auch der diesjährige Extra-Zuschuss seitens der Messe sei nur durch mehrmaliges Nachfragen zustande gekommen. Sie zieht daher das Fazit: „Es ist ein schönes Ding gewesen, alle haben sich darüber gefreut, vor allem die Autoren waren begeistert vom Publikum – mehr ist es eben auch nicht.“ Sie sei froh über das „selbstbestimmte Ende“ und „im Grunde versöhnt“.

Für die unabhängigen Verlage fällt nun ihre wichtigste Bühne im Rahmen des LesefestsLeipzig liest“ weg – war die UV-Lesung mit 400 Zuhörern doch die größte Veranstaltung in ihrem Bereich und versprühte mit ihrem Fokus auf regionale Verlage wie Voland & Quist, Poetenladen oder Open House eine große Portion Lokalkolorit. Abseits der Publikumsmagneten der Großverlage bescherte sie den Kleinen Aufmerksamkeit.

Buchmesse-Chef sieht literarische Vielfalt gewährleistet

Britta Jürgs, Vorsitzende der Kurt Wolff Stiftung, die die Interessen der unabhängigen Verlage vertritt, bezeichnet die Einstellung der UV-Lesung deshalb als „großen Verlust“, sie sei stets eines der „Highlights“ der Buchmesse gewesen. Formate wie das Forum „Die Unabhängigen“ auf der Buchmesse könnten zwar eine Anlaufstelle für interessierte Leser sein, die UV-Lesung jedoch nicht ersetzen.

Buchmesse-Direktor Oliver Zille äußert sich weniger überschwänglich, bezeichnet die UV-Lesung aber als „wichtigen Teil des Konzepts für kleine unabhängige Verlage“, die er aufgrund ihrer bunten Themen als „Salz in der Suppe“ der Literatur-Szene empfindet. Die literarische Vielfalt während der Messe sieht er aufgrund der Leseinsel der Jungen Verlage, dem Forum „Die Unabhängigen“ oder der Langen Leipziger Lesenacht in der Moritzbastei nicht gefährdet. Er betont, dass man trotz des verkündeten Endes nach der Messe auf Irina Kramp zugehen wolle. „Man sollte das Format nicht stillschweigend beerdigen.“

Alles wie gewohnt beim Finale

Kramp will das Gesprächsangebot zwar annehmen, hält eine Fortsetzung – was ihre Person betrifft – jedoch für ausgeschlossen. Der Verein mit seinen 13 Mitgliedern bleibe aber bestehen. „Wenn eine neue Generation kommt, steht einer Wiederaufnahme nichts im Wege.“

An dem Format für die letzte UV-Lesenacht wird sich nichts ändern: 18 Autoren, sechs Leserunden, drei Moderatoren über zwei Etagen. Geplant sei nichts „Spezielles“, vielmehr solle das passieren, was die Reihe auszeichne: „Frische Ware vorstellen, von vielen Leipziger und sächsischen Verlagen. Es soll noch einmal wie immer werden: bunt, voll, atmosphärisch.“

10. UV – Lesung der unabhängigen Verlage, 22. März, 20 Uhr, Lindenfels Westflügel

Von Maximilian König

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Volker Lösch serviert mit „Das blaue Wunder“ dem Staatsschauspiel das gewünschte Stück zur Wahl. Der Regisseur verheißt als Theaterguru bundesweite Aufmerksamkeit und bescherte Dresdnern schon viele Streitgespräche.

28.01.2019

Der Moderater des „Neo Magazin Royale“ und das Rundfunktanzorchester Ehrenfeld werden am Freitagabend im Haus Auensee gefeiert. Das Publikum singt, schunkelt und klatscht mit.

27.01.2019

Bravo-Geschrei, Fußgetrampel und Stehenden Ovationen für alle Beteiligten: Die Premiere von Leonard Bernsteins Musical-Erstling „On the Town“ kam blendend an in der ausverkauften Musikalischen Komödie.

27.01.2019