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Kultur Regional Die Quadratur der Welt: Dresdner Künstler Karl-Heinz Adler mit 91 Jahren gestorben
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19:15 05.11.2018
Quadratschichtungen von Karl-Heinz Adler, zu sehen 2017 im Dresdner Albertinum in der Ausstellung „Karl-Heinz Adler. Ganz Konkret." Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Am vergangenen Sonnabend erst eröffnete die Galerie Eigen + Art in Leipzig eine Doppelausstellung mit Werken des von ihr seit 2016 vertretenen Dresdner Künstlers Karl-Heinz Adler sowie des Ungarn Imre Bak. Am Montag nun wurde es zur Gewissheit: Der mittlerweile zu einem Doyen der Konkreten Kunst gewordene 91jährige ist am Sonntag gestorben. Besonders seit den 90er Jahren hatte Karl-Heinz Adler, der seine sich auf geometrisch-mathematische Erkenntnisse stützende, dabei zugleich sinnlich beeindruckende künstlerische Arbeit immer auch als eine „philosophische Weltbetrachtung mit bildnerischen Mitteln“ sah, zunehmend öffentliche Aufmerksamkeit im In- und Ausland erfahren.

Am 20. Juni 1927 in Remtengrün/Vogtland als Sohn eines Instrumentenbauers geboren, absolvierte er nach der Schule eine Lehre als Musterzeichner und studierte Anfang der 40er Jahre an der Textil-Fachschule Plauen. Nachdem er das Kriegsende einigermaßen unversehrt erleben konnte – er hatte noch nicht mal achtzehnjährig Fronteinsatz, TB-Erkrankung und Volkssturm überstanden – zog es ihn zunächst an die Dresdner Kunstakademie, wo er bei Hans Grundig und Wilhelm Rudolph studierte. Es folgten einige Kunst-Semester in Westberlin, nicht zuletzt, um sich anderen Auffassungen als dem Realismus zuzuwenden. Zurückgekehrt nach Dresden, wurde ab 1955 für längere Zeit die damalige Technische Hochschule seine berufliche Wirkungsstätte, wo er auf dem Feld der Architektur und Bauplastik forschte und lehrte.

Begegnung mit Picasso

Hier begann die lebenslange Arbeit an den Materialschichtungen, seriellen Lineaturen und Farbschichtungen beziehungsweise –übergängen. Dabei stand zunächst vieles im Zeichen der Gestaltung einer lebenswerten Umwelt. Erinnert sei an die Entwicklung (zusammen mit Harry Schulze) der Silikatkeramik, eingeschlossen eine spezielle blaue Glasur, die sogar zu einer Begegnung mit Picasso führte, eine Anfrage bezüglich einer Zusammenarbeit einbrachte. Die vom Kalten Krieg geprägten Verhältnisse standen, wie bekannt, dagegen. Erinnert sei auch an die mit Friedrich Kracht entwickelten Betonformsteinsysteme, die in der Stadtgestaltung in der DDR vielfältige Anwendung fanden.

Auch wenn die baugebundenen Fragestellungen einen bedeutenden Platz einnahmen, dürfte sich gerade aus den Lehranforderungen sowie denen des seriellen Gestaltens die Hinwendung zu den freien frühen Schichtungen ergeben haben, etwa mit Glas, aber auch Presspappe – die ersten entstanden 1957 – und schließlich dem Einsatz dazu kontrastierender Farbe. Es folgten „Serielle Lineaturen“. Später kamen andere Felder dazu: beispielsweise die Untersuchung des Quadrates, seine vielfältige Zerstörung und Neuformierung sowie die Verbindung dieses Themas mit dem Einsatz von Farbe.

Lange spielte sich diese freie künstlerische Arbeit Adlers – dies betrifft auch die anderen konstruktiv und konkret arbeitenden Künstler in der DDR – unterhalb öffentlicher Aufmerksamkeit und Würdigung ab. Die erste Ausstellung von ihm zeigte 1982 die Galerie Mitte. Und ganz bewusst trug 1991 eine große, auf die Konkreten der DDR bezogene Schau in Zürich den Titel: „Kunst, die es nicht gab?“. Gleichwohl erfuhr Karl-Heinz Adler für sein im besten Sinn zeitloses Schaffen schon vor 1989 Anerkennung bei Symposien im in dieser Beziehung offeneren Polen. Hier traf er auf die zu Freunden werdenden Karl Georg Pfahler und Thomas Lenk. Letzterer musste feststellen, dass Adler völlig unabhängig von ihm und früher das Thema der „Schichtungen“ begonnen hatte zu bearbeiten.

Ausstellungen und Ehrungen

Bedeutend war für Adler gewiss eine Gastprofessur in Düsseldorf (1988–1995). Ausstellungen wurden zahlreicher, ebenso Auftragswerke, in denen er seine künstlerischen Ergebnisse teils auch skulptural umsetzte. In jüngerer Zeit fallen einige Ausstellungs- und andere Ereignisse besonders ins Gewicht: Die Chemnitzer Kunstsammlungen zeigten 2004 in Verbindung mit dem von Ingrid Mössinger herausgegebenen Werkverzeichnis eine Adler-Präsentation. 2008 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Dresden; ebenso berief ihn die TU Dresden zum Honorarprofessor – nicht zuletzt in Würdigung seiner bedeutenden Leistungen bei Lösungen für das serielle Bauen.

Unmittelbar im Gedächtnis sein dürfte die Ausstellung zum 90. Geburtstag im Dresdner Albertinum, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Gerhard Richters Werken. Ebenfalls 2017 widmeten sich das Museum für Angewandte Kunst Gera sowie das Kassák-Muzeum und das Kiscelli-Muzeum Budapest dem Künstler. Auch andernorts – im Museum Barberini Potsdam, der Daimler Art Collection oder auf der Baseler Kunstmesse waren Werke Adlers zu sehen.

Ein später Höhepunkt wird am 20. November, so teilt die Galerie Eigen + Art mit, die nun postume Würdigung des Schaffens von Karl-Heinz Adler mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.

Die Leipziger Galerie Eigen+Art (Spinnereistraße 7) zeigt bis zum 20. Dezember Werke von Karl-Heinz Adler, die zwischen 1960 und 2018 entstanden sind

Von Lisa Werner-Art

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