Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Die Rampen-Sau im Kleinkunst-Stall
Nachrichten Kultur Kultur Regional Die Rampen-Sau im Kleinkunst-Stall
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:37 19.04.2018
Toupiertes Haar und eine Menge krauser Gedanken: Kay Ray im Blauen Salon des Central-Kabaretts. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Er ist nach wie vor die größte Rampen-Sau (ja, das ist zweideutig gemeint) im deutschen Kleinkunststall: Kay Ray. Die hyperventilierende Diva öffentlicher Volkserregung. Der Zotenzombie im Glamour-Trash-Habitat. Schlagfertig, halbschwul, vollexaltiert. Ein „Ex-Exhibitionist und Scheinbisexueller“ (Kay Ray über Kay Ray), der privat inzwischen das bürgerliche Glück der Kleinfamilie mit Frau und Kind und beruflich erklärtermaßen zu neuer Nachdenklichkeit fand. Was Letzteres heißt, zeigt sein aktuelles Programm „YOLO!“. Am Sonntag gastierte Kay Ray damit im gut besuchten Blauen Salon des Central-Kabaretts.

Er schleift die Festungen des sogenannten guten Geschmacks

Wo er mit weit über zwei Stunden reiner Spielzeit den, das muss man in allem Respekt sagen, Laden rockte. Vor der Pause mit wild toupiertem Haar zu entsprechend toupiertem Humor. Nach der Pause mit geglättetem Haupt, aber nichtsdestotrotz immer noch einer Menge krauser Gedanken und jener schier unerschöpflichen Energie, die zwischen frohgemut und verbissen die Festungen des sogenannten guten Geschmacks ebenso zu schleifen trachtet, wie die der sogenannten Political Correctness.

Klar, manchmal muss man es halt einfach raus lassen. Schließlich lebt man nur einmal, woran ja schon der Name des Programms gemahnt (YOLO! Steht für „You only live once!“). Weshalb man sich, so Kay Ray, auch keine Vorschriften machen lassen sollte, worüber man Witze machen darf und worüber nicht: „Drauflosgelacht ohne zu hadern! Drauflosgedacht ohne zu haken! Frei sein!“ ist der Slogan, den der Beipackzettel zum Programm liefert.

Selbstverliebte Irrtümer

Klingt gut. Und tatsächlich nimmt sich das dann auch all die Freiheiten jener Art, die ein Draufloslachen allemal garantiert. Das ist prinzipiell erst einmal positiv. Nur, was dann das Drauflosdenken angeht – nun ja, also sorry, aber da hakt es dann doch gehörig. Oder unterliegt man besser gesagt auch hier ein weiteres Mal jenem so grundlegenden, wie selbstverliebten Irrtum, dass endlose Witze etwa über Muslime oder Rollstuhlfahrer allein deshalb schon Denkleistungen sind, nur weil sie den Denkbeschränkungen des Mainstreams zuwider laufen.

Waschechte Rampen-Sau-Zoten

Soll heißen: Dass Kay Ray beispielsweise noch einmal herzhaft – und völlig zurecht – über die sexuellen Übergriffe auf der Kölner Domplatte samt Henriette Rekers legendär dummen Armlänge-Abstand-Verhaltenstipp ätzt, geht völlig in Ordnung. Nur, dass sich derlei bezüglich irgendeines irgendwie intellektuellen Gehalts, von einer waschechten Rampen-Sau-Zote wie der über die Oma, die beim Oralverkehr furzt, in nichts unterscheidet.

Humoristische Flatulenzen

Humoristische Flatulenzen, die bezüglich dessen, was diesem und jenem Gast im Publikum gelegentlich mentale Blähungen bereiten mag, sicherlich Erleichterung verschaffen können. Zwangsläufig stimuliert das dann allerdings weniger die kognitiven Fähigkeiten, als vielmehr das gute, alte Bauchgefühl. Im konkreten Fall jenes, ob dem sich dann auch beim Exkurs zu den „Außerirdischen Merkel und Trump“ ein hinreißender Versprecher (?) einschleicht: „Das Merkel und das Trump“ sagt da das Kay Ray: „die rotten die Deutschen … äh, die Menschheit aus.“

Schweinkram-Gags für den Mittelstands-Michel

Man muss kein Fan der Wiener Fraktion sein, um diese Freudsche Fehlleistung als charakteristisch für „YOLO!“ zu empfinden. Ach ja, die gute, alte German Angst! Immerhin sucht die hier ihre Kompensation, ein Ventil durchs Lachen. Funktioniert prächtig. Oder um es mal ein wenig im Kay-Ray-Jargon zu sagen, es ist ja ausdrücklich erlaubt „so frei“ zu sein: Da michelt sich der Mittelstands-Michel im Zuschauerraum glatt einen vor Begeisterung. Da quiekt die Mutti wie ein süßes Ferkel, und der Vati grunzt wie ein gut gelaunter Eber. Woran speziell Kay Rays Schweinkram-Gags sicherlich einigen Verdienst haben. Der Mann ist echt stimulierend. Wenn auch weniger, um es ein letztes Mal zu sagen, fürs Hirn. Es mag ein Grund für seinen Erfolg sein.

Von Steffen Georgi

Auf seiner Jubiläumstour „30 Jahre Looking for Freedom“ feiern die Fans David Hasselhoff – von sentimental bis frenetisch. Am 17. April will der 65-Jährige das Publikum in der Arena Leipzig entzücken.

16.04.2018

Am Dienstag wird die große Retrospektive des Leipziger Malers und Lehrers Arno Rink (1940–2017). im Museum der bildenden Künste in Leipzig eröffnet. Im Interview spricht Museumsdirektor Alfred Weidinger über seine Begegnungen mit dem Künstler, dessen Kunst und eine überraschende Entdeckung.

16.04.2018

Die Heimat-Rockband Frei.Wild gastiert am Montag in Leipzig. Die Musik der Südtiroler wird seit Jahren kontrovers diskutiert.

16.04.2018