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13:53 22.11.2018
Nora-Lee Sanwald, Clara Fritsche und Moritz Ceste, die drei neuen Puppenspieler am TdJW. Quelle: André Kempner
Leipzig

Stille und gedämpftes Licht. Dann gerät eine Bettdecke in Bewegung, erst vorne, dann eine weiter hinten. Es kommt Leben in die chaotische Schlaflandschaft mit Matratzen, Decken und Kissen auf zwei Ebenen. Und bald schauen unter dem Glucksen der jungen Zuschauer die beiden Puppenspieler Clara Fritsche und Moritz Ceste unter den Federn hervor. Zwei, die sich das Märchenbuch gegenseitig an den Kopf werfen – bis sie selbst mit dem Publikum in Märchenwelten eintauchen und sich in die Welt der Sieben Geißlein versenken. Der bekannte Stoff wird immer wieder hinterfragt und mit neuen Wendungen versehen. Geißlein-Puppen, ein Jäger als Riesenmaske mit rollenden Augen und das Wolf-Klappmaul mit spitzen Zähnen werden lebendig. Und immer schwebt die Frage über den Kinderköpfen: Was würdest du jetzt tun?

Kurz nach der Vorstellung sitzen Clara Fritsche und Moritz Ceste mit Nora-Lee Sanwald zusammen, seit dieser Spielzeit das neue Puppenspiel-Trio am Theater der Jungen Welt. Es gibt Kaffee. Die Stimmung ist gut nach der Kissen- und Theaterschlacht. Rund 45 Minuten dauert „Wenn ich das 7. Geißlein wär“. 45 Minuten Hochleistung für die jungen Spieler zwischen Schauspielrolle und Puppenführung, zwischen Getobe und präzisem Spiel. Und in der ständigen Bereitschaft, auf das Publikum einzugehen.

„Ich hatte vorher nicht viel für Kinder gespielt. Aber es ist sehr spannend, weil sie eine so ehrliche Reaktion zeigen“, sagt Fritsche und ist sich in dieser Frage mit den beiden Kollegen einig. „Total motivierend“ findet Nora-Lee Sanwald die Spielsituation am Kindertheater. In der Übernahme „Rinnzekete“ steht sie mit Benjamin Vinnen auf der Bühne und erinnert sich gern an ihre erste Aufführung des Stücks: „Als wir aus dem Vorhang kamen, schrien die Kinder richtig. Sie zeigen, dass sie Spaß haben. Dadurch ist man noch wacher und kann gemeinsam auf der Welle surfen.“

Sanwald ist die Erfahrenste der drei Neuen, hat am TdJW vor ihrem Fest-Engagement als Gast bereits an der Seite von Dirk Baum in „Der überaus starke Willibald“ gespielt. Baum hat das feste Ensemble zwar verlassen, mischt dafür wiederum als Gast noch bei „Die große Wörterfabrik“ mit. „Dirk war bereit, das Stück neu zu überprüfen und nach einem Ansatz zu suchen, der für mich passt“, freut sich Sanwald.

Das TdJW wollte Sanwald schon vor drei Jahren fest verpflichten, verrät Jörn Kalbitz, geschäftsführender Dramaturg des Theaters. Jetzt hat es geklappt. Und Kalbitz ist froh über den, wie er sagt, „jugendlichen Neustart im Ensemble. Die verdienten Kollegen sind in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen ausgeschieden, und ein Generationswechsel ist nicht einfach.“ Nicht zuletzt, weil es im Puppenspiel-Fach im Gegensatz zum Schauspiel üblich ist, frei zu arbeiten, anstatt sich an ein Haus zu binden. Das TdJW ging deshalb in Kooperation mit den anderen sächsischen Puppenspiel-Sparten neue Wege. „Wir waren im Rahmen des Sächsischen Theatertreffens 2017 an der Berliner Hochschule und haben das Ensemble-Theater mit all seinen Qualitäten vorgestellt“, erzählt Kalbitz. „Das hat gefruchtet.“

So kam der Kontakt zur Hallenserin Fritsche. Und zu Ceste, der in Turin aufgewachsen ist und dort Filmwissenschaft studierte. Sein Italienisch lässt er klangvoll in „Wenn ich das 7. Geißlein wär“ einfließen. Derzeit studiert er noch Puppenspiel in Berlin. Für sein paralleles Engagement haben sich Hochschule, TdJW und Ceste auf ein Kooperationsmodell eingelassen. Eine von ihm konzeptionierte Produktion am TdJW wird Teil seines Abschlusses.

Vorläufig aber liegt der Fokus ganz auf dem neuen Stück „Die Seiltänzerin“, das am Sonntag Premiere feiert. Ceste steht erneut mit Fritsche auf der Bühne, und sie erzählen die Geschichte eines Mädchens, dessen Oma stirbt. „Wie erklärt der Opa dem Kind, dass die Oma für immer weg ist?“, skizziert Fritsche die Kernfrage. „Daraus entspinnt sich eine Zirkusmetapher.“ Und mit den Mitteln des Puppenspiels werden sich die Akteure zwischen der metaphorischen und der realen Ebene der Geschichte bewegen. Julia Sontag, TdJW-Ensemblemitglied und unter anderem in „Kabale und Liebe“ zu sehen, gibt mit der „Seiltänzerin“ ihr Regie-Debüt.

Gemeinsam ist den drei Puppenspielern nicht nur der Weg über die Berliner Ernst-Busch-Schule. Ihre jetzige Profession war zunächst gar nicht das große Berufsziel, erst lockte das Schauspiel. „Ich wusste wenig über Puppenspiel, auch wenn ich schon mit Masken gearbeitet hatte“, erzählt Ceste. Dann habe er entdeckt, welche Möglichkeiten die Sparte eröffnet. „Ich habe mich hineingeworfen und bin glücklich darüber.“ Der Theatermacher Jürgen Bonk hat ihm wie auch Sanwald geholfen, den Weg zu finden. „Er hat mich in die Magie des Puppenspiels gezogen und gezeigt, wie Objekte leben können“, sagt Sanwald.

Magie – ein Wort, das immer wieder fällt im Gespräch mit den jungen Spielern. Und die sie ab Sonntag in einem weiteren Stück auf die Bühne zaubern wollen.

„Die Seiltänzerin“, Premiere, So, 18 Uhr, TdJW; „Wenn ich das 7. Geißlein wär“ ist wieder vom 8. bis 10. Dez. zu sehen; „Die große Wörterfabrik“ am 28./29. Nov.; „Rinnzekete“ am 30./31. Dez.; Karten: 0341 4866016; www.tdjw.de

Von Dimo Rieß

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