Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Ein Lieber: Kaya Yanars neues Programm „Ausrasten für Anfänger“
Nachrichten Kultur Kultur Regional Ein Lieber: Kaya Yanars neues Programm „Ausrasten für Anfänger“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:10 19.03.2018
Kaya Yanar am Sonntagabend im ausverkauften Haus Leipzig. Quelle: Christian Modla
Leipzig

Man unterteilt die Welt ja gerne. Etwa in Klischees und in Gut und Böse. Wo es den guten Cop gibt, ist der böse nicht weit. Und wo sich der Deutsche gern vorm bösen Muselmann (autokratischer Staatenlenker, Sozialschmarotzer, Terrorist) gruselt, schließt er den guten (Gemüsehändler, Comedian) fest in sein Herz. Wobei angesichts der Gattung „Comedian“ hinzuzufügen wäre, dass dort, wo schnell auch mal ein böser Türke ätzt (Serdar Somuncu zum Beispiel), ein guter Türke trotzdem nicht weit ist. Am Sonntag war mit Kaya Yanar sogar einer im ausverkauften Haus Leipzig.

„Ausrasten für Anfänger“ heißt dessen aktuelles Programm. „Beißen für Zahnlose“ oder „Werfen mit Wattebällchen“ wäre auch nicht ganz verkehrt. Denn man muss es einfach sagen: Der Kaya Yanar, das ist nicht nur ein Guter (und das meint durchaus auch: ein guter Comedian), sondern er ist darüber hinaus sogar ein ganz Lieber.

„Pass auf, dass du nicht so ein osmanischer Grummel-Greis wirst!“ habe ihm, so Yanar, seine Freundin in letzter Zeit schon öfter mal gesagt. Der Mann hat es sich zu Herzen genommen. Ist halt ein Lieber. Und geständig ist er auch. Denn ja, es gibt da schon mehr Sachen als früher, die ihm inzwischen auf den Senkel gehen, den Puls hochtreiben, während sich gleichzeitig die Toleranzschwelle senkt. Und das auf nach unten offener Skala. Altersgelassenheit? Bullshit!

Nützt eh nichts, wenn im Kino neben dir Typen sitzen, die wie Pferde das Popcorn aus Eimern fressen. Und zwar den ganzen Film durch und mit besonders lauten Kaugeräuschen (Yanar macht sie geradezu wollüstig nach) an den stillen Stellen. Oder wenn man erleben muss, wie manche Eltern so mit ihren Kindern umgehen. So grob und hysterisch und laut und blöd nämlich, dass Yanars Idee von der Einführung einer „Elternführerschein“-Prüfung total vernünftig klingt. Und vergessen wir nicht, so einen „Scheiß“ wie „Germanys next Topmodel“: „Ganze Generationen an Mädchen versaut durch Heidi Klum!“

Gutgelaunte Solidargemeinschaft des Unmuts

Oh ja, alles Dinge, bei denen man echt ausrasten kann. Und vielleicht ist das Lustigste (und auch Klügste) an Yanars Programm, dass man überprüfen kann, welche von den darin aufgeführten Beispielen auf der eigen Liste mit Dingen steht, die einen schnell mal auf die Palme bringen. Doch, so ein Abgleich (siehe oben) kann Sinn ergeben und Spaß machen. Und sorgt auch im Haus Leipzig dafür, dass sich eine gutgelaunte Solidargemeinschaft des Unmuts bildet.

Aber weil der Yanar eben der Gute ist, wird das nie wirklich böse. Sein Ausrasten bleibt eins im Anfängerstadium. Der Choleriker im Philanthropen Yanar macht diesbezüglich lediglich Fingerübungen. Manchmal gluckst er dazu etwas künstlich lachend. So, als wolle er auf Nummer sicher gehen, eventuellen Missverständnissen vorbeugend signalisieren, dass das hier alles ein letztlich harmloser Spaß ist.

Geht fraglos in Ordnung. Wer die echte Lust an der Tirade sucht oder wer etwas von dem will, was Baudelaire einst so schön „die Wonnen der Verächtlichkeit genießen“ nannte, der muss halt zu den Bösen gehen.

Von Steffen Georgi

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Sie kamen zahlreich - doch nicht alle kamen an. Schnee und Eis haben vielen Besuchern der Leipziger Buchmesse die An- und Abreise verhagelt - und die jahrelange Rekordjagd der Messe gestoppt.

18.03.2018

Katharina Wagner sollte inszenieren Burkhard Fritz die Titelpartie singen. Aber weil die Wagner-Ururenkelin absprang und der Tenor erkrankte, sang nun in der Oper Leipzig Stefan Vinke den Tannhäuser in der Inszenierung Calixto Bieitos.

19.03.2018

Der Samstag in der LVZ-Autorenarena war spannend, kurios und politisch: Sebastian Fitzek brachte seinen neuesten Psychothriller mit, "Schatzsucher" Fabian Kahl erzählte von seiner Jagd nach Antiquitäten in "Bares für Rares" und Gregor Gysi präsentierte seine Autobiografie "Ein Leben ist zu wenig" Bilanz. Reinschauen lohnte sich!

19.03.2018