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Kultur Regional Eine Erfolgsgeschichte: Mitteldeutsche Medienförderung feiert 20-Jähriges
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18:22 29.11.2018
Seit zwei Jahren Geschäftsführer der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM) mit Sitz in Leipzig: Claas Danielsen bei der 20-jährigen MDM-Jubiläumsfeier. Quelle: André Kempner
Leipzig

Am Anfang stand eine Ablehnung. Die Mitteldeutsche Medienförderung (MDM) schlug Hollywood im Juli 1999 die Tür vor der Nase zu. Kein Pfennig von den beantragten drei Millionen Mark für Produzent Marco Weber (Atlantic Streamline) und seinen Uniform-Ulk „All the Queen´s Men“. Der zog mit seiner 30-Millionen-Mark-Produktion nach Wien und Ungarn.

Eine Ablehnung in deutschen Förderanstalten ist nicht gerade eine Seltenheit, aber dass da eine Förderung im Osten, gegründet im März 1998, so resolut gegen die Traumfabrik stimmte, darüber wurde schon bundesweit gestaunt – und machte die MDM mit einem Schlag erst wirklich bekannt. Der Regisseur damals hieß Stefan Ruzowitzky. 2008 erhielt er für „Die Fälscher“ den Oscar und hat gerade erst in Mitteldeutschland (mit MDM-Förderung) „Narziss und Goldmund“nach Hermann Hesse gedreht. Von den 27 neuen Produktionen, die im Kupfersaal bei der 20-jährigen MDM-Jubiläumsfeier in Trailern und kurzen Ausschnitten vorgestellt wurden, eine der interessantesten – weil er noch in richtigen Kinobildern erzählt.

Dass die MDM mit Sitz in Leipzig als eine Erfolgsgeschichte gelten kann, da ist sich Claas Danielsen, seit zwei Jahren der Geschäftsführer, sicher: mit 265 Millionen Euro wurden 2515 Projekte gefördert (Filme, Serien, Animationen, Dokfilme), die bisher 823 Preise holten. Die meisten gab es für „Grand Budapest Hotel“ (vier Osccars, Golden Globe, Silberner Bär, fünf britische Bafta), der erfolgreichste an der Kinokasse war „Der Medicus“ (3,6 Millionen Zuschauer allein in Deutschland). Mit „Das weiße Band“ wurde 2009 die Goldene Palme in Cannes gewonnen, mit „Touch me not“ 2018 der Goldene Bär der Berlinale. Für das mit 1,6 Millionen Mark geförderte RAF-Drama„Die Stille nach dem Schuss“ gab es 2000 Silberbären für Nadja Uhl und Bibiana Beglau, für „Schultze gets the Blues“ ging der Regiepreis 2003 in Venedig an Michael Schorr.

MDR und ZDF gleich mit im Boot

Dabei hatte Ende der 90er, als sich auf Betreiben von MDR-Intendant Udo Reiter und Fernsehdirektor Henning Röhl Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (wie bei der MDR-Gründung) klugerweise zusammen taten, keines der West-Medienzentren (München, Hamburg. Nordrhein-Westfalen) auf einen Ost-Konkurrenten gewartet. Dass der Mitteldeutsche Rundfunk und das ZDF gleich mit im Boot waren, machte den Start leichter. Das Problem, dass es keine Fachkräfte für die Filmproduktion in der Region gab, blieb.

Ein erstes, klares Signal der MDM war es, bereits bei der ersten Mittelvergabe im August 1998 nicht nur „Die Braut“ (MDR) und „Der kleine Eisbär“ (Firma MotionWorks Halle) zu fördern, sondern auch „In aller Freundschaft“ mit 1,8 Millionen Mark. Das Geld zahlte die Produktionsfirma Saxonia schon wenige Monate später wieder zurück. Die Serie wurde ein Hit. So blieben seit der Gründung weder das Fernsehen, um das damals andere Förderer noch Bögen schlugen, noch Multimedia-Projekte in Leipzig ungefördert.

15,5 Millionen Euro Budget

Das wirtschaftliche Ziel der MDM (Budget heute: 15,5 Millionen Euro): Mitteldeutschland als Medienstandort verankern, Firmen ansiedeln, Medienfachleute anziehen, Produktionsfirmen die Drehorte anbieten, die dann ihr Geld hier ausgeben und an ihren Drehsets Nachwuchs aus der Region ausbilden. Für Michael Kretschmer, Sachsens Ministerpräsident, braucht es zwar einen langen Atem, da wirklich Strukturen aufzubauen, aber die Drei-Länder-Entscheidung für die MDM sei schlichtweg klug und mutig gewesen. Da stimmten ihm die Amtskollegen Reiner Haseloff (Sachsen-Anhalt) sowie Bodo Ramelow (Thüringen), die alle zum MDM-Jubiläum nach Leipzig gekommen waren, sofort zu. „Es war mutig, damals mit Geld reinzugehen“, meinte Bodo Ramelow, da zeitgleich Industrien abgewickelt wurden. Reiner Haseloff wünschte sich allerdings dann doch noch Wohlfühl-Filme, die sich auch selbst tragen. Was hierzulande ein frommer Wunsch ist.

Einer fehlte unter den Produzenten, Verleihern, Redakteuren, die im Kupfersaal feierten: Manfred Schmidt, der Ex-Fernsehredakteur, der im Dezember 1998 zum ersten MDM-Geschäftsführer wurde und sein Amt 18 Jahre lebte. Nun ist er im Ruhestand, aber weiter unterwegs, insbesondere in Osteuropa. Der Deutsch-Polnische Co-Development-Fonds, aufgelegt 2005, hat viel mit seinem Engagement zu tun. Am Tag der Jubiläumsfeier war er gerade in Serbien bei einem Filmfestival – um Kontakte zu knüpfen und zu pflegen.

Von Norbert Wehrstedt

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