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Kultur Regional Er war ein Glücksfall für das Buch und die Literatur
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16:48 04.12.2017
Der Leipziger Verleger Elmar Faber starb im Alter von 83 Jahren. (Archivbild)  Quelle: André Kempner
Leipzig

 Elmar Faber ist tot. Wie LVZ.de aus Familienkreisen erfuhr, starb der Leipziger Verleger am Sonntag im Alter von 83 Jahren in seinem Haus. Nachruf auf einen der bekanntesten Herausgeber der DDR, dessen Wirken weit über die Grenzen hinaus strahlte.

„Verloren im Paradies“ nannte Elmar Faber seine Erinnerungen. Und seit mehr als einem Vierteljahrhundert beglückte er deutschlandweit Literatur-Besessene mit faszinierenden Büchern aus dem Verlag Faber & Faber. Nun ist der in Thüringen geborene Autor und Verleger in seiner Wahlheimat gestorben.

In der DDR-Messestadt hatte er studiert, war Chef des DDR-Devisenbringers Edition Leipzig und später des renommierten Aufbau-Verlags Berlin, der Werke von Bertolt Brecht, Heinrich und Thomas Mann sowie Autoren aus aller Welt publizierte. Ursprünglich wollte E. F. Theaterwissenschaft, Dramaturgie und Regie studieren. Dann war der Absolvent zur Wissenschaftlichen Zeitschrift der Karl-Marx-Universität gekommen. Und das bezeichnete er als Glücksfall seines Lebens Er selbst war zum Glücksfall für das Buch und die Literatur geworden.

International geschätzt

So rettete er quasi mit der von ihm initiierten Taschenbuch-Produktion sowie Erwin Strittmatters „Laden“-Trilogie und anderen Editionen nach 1990 das Überleben von Aufbau, mit dessen damaligen einstigen Autoren von Christa Wolf bis Christoph Hein, mit denen er ebenso wie mit den Leipziger Schriftstellern Werner Heiduczek, Helmut Richter und anderen befreundet war. Im Alter bekannte der auch international geschätzte Verleger: „Für mich war die DDR ein durchaus lebenswerter Staat, der nach dem schrecklichen Krieg etwas anderes als die Diktatur des Geldes schaffen wollte. Wir jungen Leute wechselten von Jesus zu Marx. Bis auch ich begriff, dass die Parteiherrschaft eine Maskerade gewesen ist.“

Elmar Faber blickte mit Gelassenheit zurück, weil sich deutsche Nachkriegs-Kulturgeschichte nicht nur mit dem Fokus DDR aufarbeiten ließe, sondern man müsse die gesamtdeutsche Hypothek aufnehmen, die Schönheiten, aber auch die Blessuren auf beiden Seiten. „Wir hatten in den Leipziger Verlagen zu einer Größe zurückgefunden, die sich mit der Kultur unserer buch- und verlagsgeschichtlichen Vorfahren messen konnte“ schätzte er ein.

Edition Leipzig und das Netzwerk

Es sei nicht Edition Leipzig allein gewesen, das den Ruf der Buchmetropole wiederauferstehen ließ. Großartige Kollegen bei Reclam, dem Leipziger Insel-Verlag und Kiepenheuer, beim Bibliographischem Institut oder beim Fachbuchverlag zelebrierten mit gleicher Leidenschaft das Büchermachen und liefen öfter als bemerkt der Konkurrenz in den angrenzenden deutschsprachigen Ländern den Rang ab.

„Spitzenprodukte auch aus Wirtschaft- und Ingenieurwesen der DDR lassen sich wie an einer Perlenkette auffädeln. Sie gehören als Dokumente unserer Lebensleistung, ebenso wie unser Stolz darauf, in die Annalen einer gesamtdeutschen Kultur- und Wirtschaftsgeschichte und sollten die tolldreisten Nachwendesprüche und abgedroschenen Phrasen über die Bedeutungslosigkeit, über die Falschheit unseres Lebens rasch auslöschen“, fügte er hinzu.

Keine Sorge um das gedruckte Buch

Elmar Faber plädierte für Erinnerungen, weil sie in den hellen und dunklen Jahren unserer gefährdeten Existenz wichtig seien: „Wenn wir nämlich das Summen des Sommers nicht mehr wahrnehmen, nicht mehr seine Früchte sammeln, verlernen, auf dem Grashalm Musik zu machen, werden wir verstummen und schließlich auch die Bücher nicht mehr lesen können. Wir werden vergessen, dass die Literatur, einem alten Sprichwort folgend, ein Quell ist, der vom Paradies ausgeht und die Erde bewässert.“

Auch um das gedruckte Buch machte er sich keine Sorgen, weil es ein wunderbares Gefühl sei, es schön gestaltet in den Händen zu halten und darin nach Herzenslust zu blättern.

Verlag mit bedeutendem Ruf

Die Produktion bei Faber & Faber hatte er noch selbst zurückgefahren. Vielleicht nehmen seine Erben die Produktion einmal wieder auf, denn der Verlag hat sich einen bedeutenden Ruf erarbeitet: Graphische Bücher. Erstlingswerke deutscher Autoren des 20. Jahrhunderts, die DDR-Bibliothek, die Drucke der Sisyphos-Presse, Leipziger Liebhaber-Drucke, Plastik-Edition, Buchkuriosa sowie Biografien von Mittenzwei bis Wekwerth. Die Bücher waren im Westen ebenso begehrt wie zwischen Ostsee und Rhön.

Elmar Faber hinterlässt seine für den Verlag unersetzbare Frau Renate, zwei Söhne, den Gynäkologen Renaldo und Leipzigs Ex-Kulturbürgermeister Michael Faber, sowie mehrere Enkel.

Von Rolf Richter

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