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16:27 26.02.2019
Der Sohn von Gabriele Meyer-Dennewitz, Ekkehard Dennewitz, vor den Gemälden „Die Eiferer“ (links) und „Die Hochzeit“. Quelle: Kempner
Leipzig

Die Abkürzung GMD steht in der Musik für die Bezeichnung „Generalmusikdirektor“, den künstlerischen Leiter eines Orchesters, eines Chores oder einer Institution. Im Leipziger Raum hat das Kürzel eine weitere Bedeutung: Es ist der Spitzname einer Malerin, die in Vergessen geraten ist: Gabriele Meyer-Dennewitz.

Lehrmeister Max Schwimmer

Meyer-Dennewitz (1922–2011) war zu DDR-Zeiten eine feste Größe in der Kunstszene Leipzigs: Von 1958 bis 1982 lehrte die gebürtige Lindenauerin am Institut für Kunsterziehung an der Universität, ab 1961 als Professorin und Leiterin. Zuvor hatte sie an der HGB studiert, unter anderem bei Karl Miersch und Max Schwimmer. Ihr Schaffen wurde unter anderem mit dem Kunstpreis der Stadt Leipzig und der Johannes-R.-Becher-Medaille ausgezeichnet. Während ihr Werk vor der Wende neben Malereien Holzschnitte und Zeichnungen umfasste, entstanden nach 1990 vor allem Gemälde mit Pastellkreide.

Aus diesem Spätwerk Meyer-Dennewitz’ zeigt die Galerie Koenitz ausgewählte Bilder im Rahmen einer Retrospektive bis zum 28. März am Dittrichring.

Großer Andrang bei der Ausstellungseröffnung am 21. Februar in der Galerie Koenitz. Quelle: Kempner

Rückzugsort Carwitz

Eng mit der letzten Schaffensperiode ist der mecklenburgische Ort Carwitz verbunden, der Meyer-Dennewitz ab 1964 als Ferien- und Rückzugsort diente und in dem sie von 1991 bis zu ihrem Tod ganzjährig lebte und freischaffend tätig war.

In ihr ehemaliges Wohnhaus lud Ekkehard Dennewitz, der Sohn der GMD, den Galeristen Martin Koenitz im vergangenen Jahr ein. Die beiden hatten sich in Koenitz’ Galerie kennengelernt – Meyer-Dennwitz zwar dem Antiquar zwar ein Begriff, vorwiegend aber wegen ihrer sozialistischen Druckgrafiken aus den 60er-Jahren (unter anderem „Zu Brecht – Fragen eines lesenden Arbeiters). In dem Depot auf dem Dachboden durfte er sich ihre Werke ansehen – und staunte: „Ich war überrascht von der Qualität der Malerei – sie ist eher untypisch für Leipzig wegen ihres Duktus’, von der Farbigkeit her.“

Die späten Werke sind von einer dunklen Palette dominiert, auch die Motive sind düster: Es geht um Tod, Wehmut, Trauer, die Auswüchse des Kapitalismus – etwa in dem Gemälde „Die Eiferer“ (1998), auf dem die überzeugte Sozialistin Menschen mit Tierköpfen abbildete. Die Retrospektive zeigt außerdem Stillleben, Selbstbildnisse und Portraits, darunter das früheste Werk in der Ausstellung: der neunjährigen Sohn Ekkehard in einem Husaren-Kostüm (1954).

Selbstportrait von Gabriele Meyer-Dennewitz (1986). Quelle: Kempner

Vortrag von Sohn Ekkehard Dennewitz

Zur Ausstellungseröffnung trug Dennewitz, der 19 Jahre als Intendant am Marburger Theater tätig war, eine Laudatio des Malers Erich Weber vor, dem sich „Gabriele“ anvertraute: Sie sprach vom Alleinsein, von der Einsamkeit nach dem Tod ihres zweiten Mannes 1996; sieben Stunden dauert die Fahrt von Marburg nach Carwitz, eine lange Strecke für die Familie von Ekkehard Dennewitz.

Trotz der Idylle des alten Fachwerkhauses in Carwitz, das in der Feldberger Seenlandschaft liegt – GMD vermisste auch Leipzig, den Austausch mit Kollegen, die gegenseitige Durchdringung der großen Leipziger Künstlerfamilie, wie es sie in den 50er-Jahren gab, sagte Ekkehard Dennewitz im Anschluss. „Im Herzen ist sie eine Leipziger Malerin geblieben.“

Retrospektive Gabriele Meyer Dennwitz, Galerie Koenitz, Dittrichring 16. Öffnungszeiten: Mittwoch und Freitag 10–18 Uhr, Donnerstag 10–20 Uhr, Samstag 10–16 Uhr

Von Maximilian König

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