Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional „Es ist Zeit, ein Kapitel abzuschließen“: Udo Dirkschneider im Interview
Nachrichten Kultur Kultur Regional „Es ist Zeit, ein Kapitel abzuschließen“: Udo Dirkschneider im Interview
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 02.12.2017
1968 gründete er die Accept-Vorgängerband: Udo Dirkschneider (65). Quelle: PR
Anzeige
Leipzig

Ein allerletztes Mal: Udo Dirkschneider (65) will unter seine Accept-Vergangenheit einen Schlussstrich ziehen. Am heutigen Sonnabend startet die Metal-Ikone – dessen Stimme wie ein Trennschleifer klingt, der sich an ausgemusterten Bahngleisen abmüht – seine Deutschland-Tour im Haus Auensee. Nach dieser neuerlichen Accept-Auflage unter dem Motto „Back to the Roots – Part 2“ wird es nur noch Songs seiner aktuellen Band U.D.O. geben, kündigt der Sänger an.

Udo, du hattest vor zwei Jahren gesagt: Noch ein einziges Mal Accept-Klassiker – und dann nie wieder. Was hat dich umgestimmt?

Das habe ich gesagt, ja (lacht). Aber die Leute haben uns buchstäblich die Tür eingerannt. Was da abgegangen ist, war einfach sensationell. Und man muss offen und ehrlich sagen: Wenn die Leute die alten Songs hören wollen – dann geben wir sie ihnen natürlich. Dafür haben wir die Setlist komplett neu bestückt. Es gab viele Fans, die mir geschrieben haben, welche Nummern sie nochmal von mir hören möchten. Alle Wünsche konnten wir nicht erfüllen, aber einige.

Wie wird also die Setlist aussehen?

Das verrate ich nicht. Es wird aber etliche Überraschungen geben. Darunter sind selten gespielte Nummern von der „Russian Roulette“ (1986) und ganz alte Stücke, etwa von der „Breaker“ (1981). Es sind Nummern dabei, die ich noch nie live gespielt habe. Daneben wird es vier Klassiker wie „Metal Heart“ oder „Balls To The Wall“ geben, die kann man nicht weglassen.

„Mein finales musikalisches Statement zu Accept“

Wie schwer ist es für dich emotional gewesen, nach der ersten Auflage nochmal nachzulegen? Schließlich bist du nicht im Frieden von Accept gegangen.

Das Wichtigste ist: Die Leute sollen Spaß haben. Und ich habe nach wie vor riesigen Spaß, die Songs live zu singen, sie gehören ja zu meiner Biografie und letztlich auch zu meiner Stimme. Aber dennoch ist es im Leben eben auch mal an der Zeit, ein Kapitel abzuschließen. Es wurde so viel über Accept geredet und so viel spekuliert. Ich gebe dazu nun mein finales musikalisches Statement ab und biete den Leuten die Chance, die Songs und mich noch einmal für die Dauer eines kompletten Konzertes gemeinsam auf der Bühne zu erleben. Wir werden knapp zwei Stunden Ballett machen.

Traditionell hast du bei Konzerten mit U.D.O. einige der Klassiker gespielt – das fällt auch weg?

Ja, auch wenn man sich das schlecht vorstellen kann. Aber so lange es Accept gibt, werde ich keine dieser Nummern mehr anrühren. Diese Band trägt den alten Namen – und nicht ich. Deshalb muss die Band auch die Wünsche der Fans bedienen. Ich lasse aber die Tür einen Spalt breit offen: Sollte sich Accept irgendwann mal auflösen, hätte ich kein Problem, wieder ein paar Songs zu spielen. Mich ermüden allerdings die Vergleiche zwischen mir und Accept, wer welchen Song besser spielt. Dieses Buch wird deshalb geschlossen. Außerdem haben wir auch schon ganz gut am nächsten U.D.O.-Album gearbeitet.

„Die Leute scheinen nur darauf gewartet zu haben“

Siehst du dich als Konkurrenz zu deiner alten Band, deren Songs du jetzt singst?

Das sind zwei parallel existierende Bands. Mehr nicht. Die machen ihr Ding, ich mache meins. Konkurrenz sehe ich da nicht. Dass wir mit den alten Accept-Nummern nochmal so einen Erfolg haben würden, war ja nicht abzusehen: Am Anfang waren 10 bis 15 Konzerte geplant gewesen – jetzt liegen wir bei 200, und das weltweit. Die Leute scheinen nur darauf gewartet zu haben.

Spannend ist, dass dein Sohn Sven, der bei den ersten Accept-Songs noch gar nicht geboren war, bei dir am Schlagzeug sitzt. Wie kam es zu dieser familiären Verquickung?

Ja, er ist 1991 geboren, da hatten wir als Accept schon ein bisschen was hinter uns (grinst). Natürlich ist Sven mit den Songs aufgewachsen. Aber es war nie geplant, dass er bei mir in die Band einsteigt. Als Francesco Jovino die Segel gestrichen hatte, brauchten wir Ersatz – obwohl es eigentlich auf der Hand lag, bin ich nicht auf meinen Sohn gekommen. Er hatte eine eigene Band, auch bei Saxon ausgeholfen. Biff (Byford, der Saxon-Sänger) hat mich dann erst draufgebracht, es mal mit meinem Sohn zu probieren. Das war die beste Entscheidung: Unabhängig von dem familiären Band macht Sven eine wahnsinnig rasante Entwicklung als Schlagzeuger. Das passt wie Arsch auf Eimer.

„Wir wollen die Leute unterhalten“

Du bist eine der wenigen verbliebenen Metal-Ikonen. Wie siehst du die aktuelle Entwicklung deiner Musikrichtung?

Es gibt viele gute Bands. Was ich allerdings vermisse, sind Charaktere. Die finden auf der Bühne irgendwie nicht mehr statt. Da gibt es kaum noch Entertainment, keinen Aha-Effekt. Und, was ich auch feststelle: Viele der neuen Bands spielen für sich selbst. Das ist für mich der große Unterschied: Wir wollen die Leute unterhalten. Deshalb spiele ich zum x-ten Mal beispielsweise „Balls To The Wall“ – und das mit sehr viel Spaß. Denn die Leute bezahlen dafür und haben das Recht, diese Songs zu hören. Wenn ich Musik nur für mich machen würde, könnte ich mich ja zu Hause aufs Sofa legen und vor mich hinträllern.

Das heißt: Die Metal-Rente ist noch weit entfernt?

Da gibt es keinen Plan. So lange ich Spaß habe, die Stimme funktioniert, ich mich auf den Beinen halten kann und noch Publikum kommt, mache ich weiter. Das können durchaus noch zehn Jahre sein. Es ist doch einfach nur geil: Wenn ich als alter Mann auf der Bühne stehe und vor mir feiern 16-Jährige zu Klassikern aus den 1980ern ab. Wenn aber nur noch 20 Leute kommen würden, sollte ich wohl besser aufhören.

Dirkschneider plus, Special Guest Garagedays, Sonnabend, 20 Uhr, Haus Auensee (Gustav-Esche-Straße 4), Abendkasse 37 Euro

Von Andreas Debski

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Leipziger Universitätmusik hat wieder einen eigenen Konzertort. Bei der feierlichen Eröffnung des Paulinums hat der Konzertchor unter anderem Bruckners "Te Deum" gesungen und die Schwalbennestorgel hat mit Bachs Toccata in C-Dur an die letzten Klänge vor der Sprengung erinnert.

02.12.2017

Er male auch deshalb, sagt Benedikt Leonhardt (33), weil er damit in einem Raum jenseits der Sprache unterwegs sein könne. Am Freitagabend hat er im Museum der bildenden Künste den Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung erhalten.

25.06.2018

Die Synthy-Pop-Legende OMD war am Mittwochabend im Haus Auensee um die Songs ihres neuen Albums "The Punishment of Luxury" vorzustellen. Nicht fehlen durften natürlich auch Klassiker wie "Maid of Orleans (The Waltz Joan of Arc)". Unser Fotograf André Kempner war mit dabei.

01.12.2017
Anzeige