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Kultur Regional „Faust“ bis Bowie – Lübbe stellt neue Spielzeit vor
Nachrichten Kultur Kultur Regional „Faust“ bis Bowie – Lübbe stellt neue Spielzeit vor
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18:02 24.05.2018
Spielzeit-Pressekonferenz mit Skadi Jennicke (l.) und Enrico Lübbe (2. v.l.) Quelle: Rolf Arnold
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Leipzig

Spielzeitpressekonferenz im Schauspiel Leipzig, Intendant Enrico Lübbe wird gleich Klassiker wie den „Faust“ ankündigen für die kommende Spielzeit, renommierte Regisseure wie Armin Petras und die erneute Zusammenarbeit mit dem Dramatiker Wolfram Höll. Aber zuvor muss noch Zeit sein für ein Fazit, denn mit der laufenden Spielzeit endet Lübbes erster Fünfjahresturnus in Leipzig. Weshalb Leipzigs Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (Linke) mit auf dem Podium saß, am Donnerstag im Rangfoyer des Schauspielhauses.

Jennicke bescheinigt dem Theater „Erfolge in vielerlei Hinsicht“. Sie würdigt die Zuschauerzahlen auf „stabil hohem Niveau“, die zahlreichen Auszeichnungen der vergangenen Jahre, gekrönt von der Einladung zum Berliner Theatertreffen 2017 mit „89/90“, und schließlich die relevante Themenwahl. Das Haus positioniere sich im gesellschaftlichen Diskurs und vernetze sich in der Stadt.

Mit Gewandhaus und dem Ballett der Oper wird es auch in der kommenden Spielzeit Koproduktionen geben. Generell, so Jennicke, erwarte sie von den städtischen Kultureinrichtungen vernetztes Arbeiten als Beitrag zu einer starken Zivilgesellschaft. Die habe man in Leipzig – „und dazu tragen Sie Ihren Teil bei“, sagt Jennicke mit Blick auf Lübbe.

Ein Abend an drei Orten

Lübbe wird die kommende Spielzeit am 29. September eröffnen mit einer ungewöhnlichen Faust-Inszenierung. Zumindest der zweite Teil, der als thematische Tour außer Haus führt und das Publikum aufgeteilt entweder zur Alten Handelsbörse, dem Völkerschlachtdenkmal oder in den historischen Anatomiehörsaal bringt. „Faust II ist eigentlich ein Themen-Parcours“, sagt Lübbe. Daraus sei die Idee entstanden, einzelne Themen zu vertiefen. Abschließend kehrt das Publikum zum theatralen Finale ins Schauspiel zurück.

Ab 4. November ist wieder Weihnachtsmärchenzeit. Erneut mit Regisseur Stephan Beer, der aber nach drei Wolkow-Klassikern jetzt Hans Christian Andersen „Nachtigall“ uraufführt.

Moritz Sostmann, der in der laufenden Spielzeit Luigi Pirandellos „Sechs Personen suchen einen Autor“ grandios auf der Hinterbühne inszeniert hat, zeigt im Rahmen der Silvester-Party die Premiere von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ – wobei er, wie Chef-Dramaturg Torsten Buß verrät, die geschlechtlichen Machtverhältnisse in der Inszenierung umkehrt.

Armin Petras, zuletzt mit „Kruso“ am Schauspiel, verknüpft Hans Falladas Roman „Jeder stirbt für sich allein“ über das Leben im Nationalsozialismus mit den „Leipziger Meuten“, einer als Gegenentwurf zur Hitlerjugend entstandenen Jugendbewegung. Der Leipziger Historiker Sascha Lange unterstützt die Arbeit mit Fachwissen.

Wolfram Höll wieder dabei

Musikalisch wird es ab 15. Juni mit „Lazarus“ nach David Bowie und Enda Walsh in der Regie von Hubert Wild. Die Schauspiel-Hausregisseure zeigen auf der großen Bühne ihre Arbeiten im April. Am 6. feiert Claudia Bauers „Süßer Vogel Jugend“ von Tennessee Williams Premiere.

Am 27. bringt Philipp Preuss Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“ auf die Bühne. Preuss setzt außerdem in der für zeitgenössische Dramatik reservierten Diskothek am 27. Januar Thomas Köcks „Atlas“ um. Bislang noch der Arbeitstitel für die Auftragsarbeit des gefragten Dramatikers, der in dieser Spielzeit mit „Paradies fluten“ am 31. Mai zu sehen ist.

Ein Kreis schließt sich mit Wolfram Höll, dessen Text „Und dann“ die Intendanz Lübbes 2013 eröffnete und zum ersten großen Erfolg wurde. Höll wurde zweimal mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet. Derzeit schreibt er an der Auftragsarbeit „Disko“, die am 9. Februar von Ivan Panteleev uraufgeführt wird und formal das Strukturprinzip von House-Musik aufgreift.

Besucherzahlen stabil

Eröffnet wird die Diskothek-Saison am 19. Oktober mit „Ännie“ von Thomas Melle, inszeniert von Yves Hinrichs mit Ensemblemitgliedern und Spielern des Theaterjugendclubs.

In der Residenz, Spielstätte für Kooperationen mit freien Künstlern, beginnt die Saison am 21. September mit „Power House“ von Planningtorock. Eine Art „politaktivistisches Musical“, wie Residenz-Leiter Thomas Frank skizziert. Insgesamt sollen hier sieben Produktionen entstehen, unter anderem mit Julian Hetzel (24. Oktober), der sich mit Gewaltdarstellungen beschäftigt, und Interrobang, die im April die Pathologisierung vieler Lebensbereiche unter die Lupe nehmen.

Das von Jennicke angesprochene Besucherinteresse hat Verwaltungsdirektor Daniel Herrmann im Blick: Die Auslastung bei eigenen Veranstaltungen liege derzeit im Bereich der Vorsaison bei 79 Prozent.

Premieren der kommenden Spielzeit

Premieren im großen Saal:

29. September: „Faust I + II“

14. Oktober: Uraufführung: „Die Nachtigall“, Hans Christian Andersen

31. Dezember: „Der Widerspenstigen Zähmung“, William Shakespeare

18. Januar: „Jeder stirbt für sich allein / Die Leipziger Meuten“ nach Hans Fallada

22. März: „If You Were God“, Tanzabend von Martin Harriague in Kooperation dem Leipziger Ballett

6. April: „Süßer Vogel Jugend“, Tennessee Williams

27. April: „Prinz Friedrich von Homburg“, Heinrich von Kleist

15. Juni: „Lazarus“, Bowie / Walsh

Premieren in der Diskothek:

19. Oktober: „Ännie“, Thomas Melle

27. Januar: „Atlas“, Auftragswerk von Thomas Köck

9. Februar: „Disko“ Auftragswerk von Wolfram Höll

20. April: Nacht ohne Sterne, Bernhard Studlar

Premieren in der Residenz:

21. September: „Powerhouse“ mit Planningtorock

24. Oktober: „All Inclusive“ mit Julian Hetzel

ab November folgen fünf weitere Premieren u.a. mit Barokthegreat, John Moran und Interrobang

Von Dimo Riess

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