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Kultur Regional Felix Lobrecht: „Ihr seid meine Chefs, aber ich verdiene mehr“
Nachrichten Kultur Kultur Regional Felix Lobrecht: „Ihr seid meine Chefs, aber ich verdiene mehr“
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12:10 11.10.2018
Comedian Felix Lobrecht war am Mittwoch mit seinem neuen Programm „Hype“ im Haus Auensee zu Gast. Quelle: Anton Zirk
Leipzig

„Mit Hypes ist es ja so: Es geht schnell los und plötzlich ist es einfach vorbei!“ – Felix Lobrecht weiß, wovon er spricht. In der deutschsprachigen Comedy-Szene startet der 29-jährige Berliner seit zwei Jahren so richtig durch. Erst vor wenigen Tagen wurde er beim Comedypreis als bester Newcomer ausgezeichnet. Sein 2017 erschienener Roman „Sonne und Beton“ wird verfilmt und seine Shows spielt er mittlerweile vor Tausenden Zuschauern. Lobrechts Selbstbewusstsein auf der Bühne ist dabei mit „gesund“ nur unzulänglich beschrieben: „Bei mir läuft’s. Man rollt mir noch keinen roten Teppich aus, aber ich bin Fame.“

Alles besser

Da erscheint es nur konsequent, dass er sein zweites großes Soloprogramm auf den Namen „Hype“ getauft hat. In seinem Podcast „Gemischtes Hack“ versprach der 29-Jährige kurz vor Tourstart zudem, dass alles in „Hype“ besser als alles im Vorgänger „Kenn ick“ sei. An hohen Erwartungen mangelte es am Mittwoch im mit 1500 Zuschauern ausverkauften Leipziger Haus Auensee folglich nicht.

Und Lobrecht hat abgeliefert. Knappe zwei Stunden steht der breitkreuzige Neuköllner – unterbrochen nur von einer kurzen Pause – auf der Bühne. Hinter ihm das große „Hype“-Banner, ein kleiner Tisch, etwas Wasser – fertig. Berliner Schnauze, ein feiner Blick für die Absurditäten des Alltags und entwaffnende Ehrlichkeit reichen aus. Thematisch arbeitet er sich an unterschiedlichsten Themen ab: „Alte, fette Freunde“, die Berliner Heimat und Verschwörungstheorien gehören dazu.

Niemand bleibt verschont

Einige Anekdoten wie die von der riesigen Krähe in seinem Wohnzimmer stechen aus den großteils brillant auf den Punkt gebrachten Pointen noch heraus. „Kennt ihr die traurigen Bilder von Möwen, die nach einer Ölkatastrophe völlig verklebte Flügel haben? Das wünsche ich der Krähe!“ Das Verhältnis zu seinen Fans beschreibt er so: „Ihr seid irgendwie meine Chefs, aber ich bekomme viel mehr Geld als ihr. Ihr habt einfach richtig schlecht verhandelt.“ Bissigkeit zieht sich durch das komplette Programm und wird von Zeit zu Zeit sogar etwas schmerzhaft. Tabus gibt es nicht. Ob Deutsche oder Ausländer, Minderheiten oder Kinder, Freunde oder Familie und nicht zuletzt Lobrecht selbst – niemand bleibt verschont.

„Ist alles nur Spaß“

Momente, in denen Teilen des jungen Publikums das Lachen im Hals stecken bleibt, quittiert Lobrecht lässig mit „Ist alles nur Spaß“ oder „Keine Sorge, ihr dürft hier über alles lachen.“ Und während andere Comedians kompromisslos durch ihr Programm pflügen, nimmt sich der 29-Jährige Pausen für kurze Ernsthaftigkeit, bezieht Stellung gegen Homophobie, Fremdenhass und Diskriminierung. Ob seine Grenzüberschreitungen damit legitim oder unmöglich sind, muss das Publikum entscheiden. Lobrechts Erfolg tun sie bisher keinen Abbruch, auch wenn „Hype“ nach zwei Stunden „plötzlich vorbei“ ist.

Von Anton Zirk

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