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Kultur Regional Fiesta Fiesta: Calexico in Leipzig
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16:35 07.07.2018
Konzert der Band Calexico auf der Parkbühne im Geyserhaus in Leipzig. Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Das muss man auch erstmal schaffen: Zunächst als eigene Vorband auf der Bühne stehen, dann über eine Stunde sich selbst und das Publikum mit seichter Mitklatsch-Dudelei einlullen, um schließlich doch noch ordentlich den Laden zu rocken. Calexico hat’s genauso gemacht, am Freitagabend auf der Parkbühne Geyserhaus vor 1.400 Leuten.

Wer während des Auftritts von DePedro, der Einmannvorband, noch nach Erfrischungsgetränken ansteht, reckt irgendwann verwundert den Hals Richtung Bühne: Wo kommt den diese Trompete her? Und das Schlagzeug? Und der Bass? Da stand doch gerade nur ein singender Gitarrist! Den wiederum hätte man erkennen können: Jairo Zavala ist ja nicht nur DePedro, sondern auch Gitarrist bei Calexico. Und so steht ebenjene Band schon mal vor der eigenen Show auf der Bühne.

Die Darstellung bleibt lange träge

Der eigentliche Auftritt beginnt wenig später mit „Wash“, einem Song aus dem Calexico-Gründungsjahr 1996. Das Schlagzeug klappert los, der Kontrabass brummt, die E-Gitarre heult von Tucson, Arizona, der Heimat der Band, rüber nach „Paris, Texas“ und – vor allem – die Trompeten blasen ordentlich Trübsal ins Trübsal. Das Publikum schunkelt sich ein. Wann spielt eigentlich Element of Crime das nächste Mal in der Gegend? (Ende August in Halle.) Auf den ganz alten folgt ein ganz neuer Song, vom im Januar erschienenen achten Album: „The Thread that keeps us“ ist ein politisches, eins, in dem das aus California und Mexico verschmolzene Calexico die Stimme erhebt gegen alle Präsidenten und Gefolgsleute, die Stimmung gegen Mexikaner in den USA machen oder gar von Mauern faseln. Das besagte Lied „Voices in the Field“ erinnert dabei mit seinen „For your Life“-Chören stark an den Klassiker „For your Love“ der Yardbirds, was ja ebenfalls durchaus ein gutes Zeichen ist. Aber schon hier fehlt das Fiebrige, das Drückende, das Wüstenhafte des Wüsten-Rocks. Die Band wirkt eigenartig träge, nicht „Ich schlepp mich durch die gefährliche Hitze“-träge, sondern „Ich muss zum Schunkeln doch nicht aufstehen“-träge. Daran ändert auch die Disco-Cumbia-Nummer „Under the Wheels“ nichts, in der Joey Burns’ Frage „Alles gut!?“ vom Publikum natürlich positiv beschieden wird, was der Sänger wiederum beantwortet mit: „Ich auch! Let’s party!“

"Victor Jara´s Hands" bringt den Umschwung

Diese Party ist aber ziemlich lange eine dröge Mitklatschveranstaltung, böse Zungen würden sagen: La-Cucaracha-Volksmusik mit Ami-Rockanimation. Die beiden Trompeter Jacob Valenzuela und Martin Wenk sind die einzigen, die sowas wie Drive einbringen, was auch daran liegt, dass die E-Gitarren und Zweit- und Drittinstrumente der Musiker wie Akkordeon, Xylo- und Vibraphon kaum Durchschlagskraft vom Sound bekommen. Wenk spielt irgendwann etwas, das aussieht wie ein über eine Edelstahlthermoskanne kratzender Schneebesen. Gut. Burns spricht in herrlichem Deutsch-English mit den Leuten (sagt zu einem Kind: „Neun? That’s really old!“ und „Let’s have some Spaß!“)

Die Kurve kriegt der Abend dann aber doch noch mit „Victor Jara’s Hands“ und „Splitter“, jenem Song von 2012, der Indie-Hymne und Radio-Klassiker zugleich sein könnte. Was für ein schöner Wechselgesang zwischen Burns’ „Moving on“ und dem Didididi der Trompeten! In „Alone again“ twangt die Gitarre, dass es eine Freude ist, während sich die Trompeten ganz zart, aber gefährlich von unten anschleichen. Mit dem Einlullen hat sich’s nun endgültig ausgelullt. Auf „Crystal Frontier“ folgen noch fünf fiebrige Zugaben (u.a. mit einem hypnotisch davonschwebenden „Another Space“), und so wird der Heimweg auf dem Fahrrad doch noch zur vergnügten Urlaubs-Cabriofahrt.

Benjamin Heine

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