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Kultur Regional Frühjahrsrundgang mit Überraschungen
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00:31 18.04.2018
Volksfest trifft Kunst bei Frühlingswetter: Spinnereirundgang auf dem Gelände der ehemaligen Bauwollspinnerei in Leipzig. Quelle: Fotos (4): Dirk Knofe
Leipzig

. Manches ist anders bei diesem Rundgang. Der Termin zum Beispiel ist mal wieder gewandert. In Bezug auf das Wetter war die Vorverlegung um zwei Wochen durchaus ein Gewinn. Nachdem in den vergangenen Jahren mit zeitlichen Konkordanzen zum Berliner Gallery Weekend und der Art Cologne oder gar gesplitteten Ereignissen für Sammler und gemeines Volk experimentiert hat, so vertraut das Management diesmal offensichtlich bis auf Widerruf auf die Kraft der Eigenmarke Leipzig. Rund 20 000 Flaneure bei prächtiger Frühlingssonne bestätigten diese Annahme.

Die Selbstsicherheit bedurfte dabei gar nicht all zu vieler starker Auftritte einzelner Persönlichkeiten. Es gab etliches Sammelsurium. Das hat zumindest den Vorteil, dass sich jeder etwas nach eigenem Geschmack herauspicken kann. In manchen Einrichtungen hat das dichte Nebeneinander diverser Haltungen interne Gründe, so im Residenzprogramm LIA, das Künstler aus der ganzen Welt für wenige Monate beherbergt.

Tradition hat mittlerweile auch die Einladung auswärtiger Galerien durch die ortsansässigen in die Werkschauhalle. Diese Präsentation für drei Tage hat mit ihrer Dichte, dem Fehlen eines kuratorischen Anspruchs und den auf Klappstühlen wartenden und die Besucher auf ihre Finanzkraft abschätzenden Galeristen den Charakter einer Kunstmesse.

Gleich nebenan, im Untergeschoss der Halle 14, sind Arbeiten von Absolventen der Halleschen Burg Giebichenstein zu sehen. Die Kunsthochschule mag ein etwas konservatives Images haben, hier aber sind vor allem experimentierfreudige Werke zu sehen, ausgewählt durch eine Jury.

Dieser Besuch der geografischen Nachbarn soll keine Einmaligkeit bleiben. Vielmehr ist so etwas wie eine Ständige Vertretung angedacht. Und selbstverständlich bietet auch Halle 14, die jetzt Nachwehen der untergegangenen DDR untersucht, eine ganze Liste von Beteiligten.

Es gibt aber auch Privatgalerien, die sich zu diesem Frühjahrsrundgang nicht auf einzelne Namen beschränken möchten. Ein einheitliches Erscheinungsbild kommt bei Thaler Originalgrafik immerhin durch die gleiche Rahmengröße und die Hängung in einer exakten Linie zustande. Die 46 Werke aber demonstrieren die Bandbreite der zeichnerischen und druckgrafischen Arbeitstechniken von Buntstiftzeichnung bis Holzschnitt.

Bei Josef Filipp heißt die Ausstellung programmatisch „Das volle Programm“. Es sind 17 Stammkünstler, die sich den Platz teilen müssen. Der auf die erste Textzeile des Stones-Hits „Sympathy for the Devil“ anspielende Untertitel könnte aber so verstanden werden, dass der Chef diese Prüfungsanordnung mit dem diabolischen Hintergedanken geschaffen hat, vielleicht an manchen Stellen Veränderungen vorzunehmen.

Einen ganz anderen Grund aber hat das Gedränge namens „Innenleben“ bei Tobias Nehring. Er hat vor sieben Jahren an der Lützner Straße seine Galerie eröffnet. In die begehrte Adresse Spinnereistraße 7 umzuziehen, gelingt nicht jedem. Diesen Ritterschlag feiert er nun mit einer Einstandsrunde, elf seiner Künstler sind versammelt.

Diese Gruppenbilder führen gelegentlich zu Déja vu-Effekten. So findet man Zeichnungen von Maribel Mas sowohl bei Thaler als auch bei The Grass is Greener, Wilhelm Klotzek ist bei Naehring und in Halle 14 vertreten. Die Spinnerei ist eben ein Dorf. Und Gerd Harry Lybke kann man auf einer Fotografie von Thomas Steinert bei Filipp im Bademantel sehen, in seiner Galerie Eigen+Art aber, leicht gealtert, in natura im blauen Maßanzug erleben, etwa mit Museumsdirektor Alfred Weidinger plaudernd.

„Bitte beachten Sie die Stufe“ müssen ebendort Mitarbeiterinnen vor einer leicht angehobenen Holzplatte die Besucher warnen. Diese ist bereits Teil der raumfüllenden Installation von Kai Schiemenz, der in Leipzig noch nicht allzu bekannt ist. Der Berliner arrangiert diverse Materialien zu einem Parcours, in den figürliche Elemente aus Plastilin eingefügt sind.

Während bei Kleindienst Malerei von Falk Gernegroß, hart an den Grenzen sowohl zu Kitsch als auch Porno, und bei Hempel Minimalexpressionismus von Erik Schmidt zu sehen ist, zeigt Reiter gewohnt perfektionistische Fotografie von Steffen Junghans, erstmals ergänzt durch ein plastisches Objekt. In Sichtweite zum inszenierten Bild eines Rabbi blinkt eine überdimensionale, vergoldete Menora in hartem, blauen Licht.

Von Jens Kassner

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