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Kultur Regional Gerd Dudenhöffer zu Gast bei den Academixern
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16:44 18.05.2018
Gerd Dudenhöffer in dieser Woche auf der Bühne der Academixer. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Joh geh fodd! 30 Jahre gibt’s den schon, glaubt man’s! 30 Jahre und 16 Programme mit diesem Typen, der aussieht wie der gemütliche Opi aus dem Kleingarten nebenan. Und der dann, ehe man sich versieht, daherredet wie, sagen wir mal, der Gauland. Also nicht, dass Alexander Gauland sich schon zu sagen traute, was der Heinz Becker so von sich gibt. Da muss selbst ein AfD-Politiker notgedrungen noch Rücksichten nehmen auf jene, um die sich der Heinz nicht schert. Zur hellen Freude des Publikums.

Die Zuschauer waren zahlreich erschienen im Academixer-Keller, als dort am Donnerstag und Freitag Gerd Dudenhöffer seine mitunter schon beängstigend lebensechte Kunstfigur Heinz Becker für satte zwei Stunden das Feld Ressentiment-gedüngter Ansichten beackern ließ. In einem „Deja vu“ betitelten Programm, das noch einmal die dicksten – und das heißt: auch giftigsten – Dinger aus 16 Jahren Beckerscher Denkparzelle kredenzte.

Von heiteren Harmlosigkeiten des Alltäglichen bis zur schwindelerregenden Abgründigkeit eines sehr deutschen Spießbürgertums reicht die Palette. Wie in dem Traum, den der Heinz schildert: Darin steht er daheim vor seiner Bodenständigkeit ausstrahlenden Küchenschrankwand aus Holzimitat – und unmittelbar hinter seinen Sandalen klafft der Schlund des Universums.

Übertragen heißt das: Wo es eben noch heiter harmlos um Schnittchen-Kategorien oder widerspenstige Seifenspender auf der Kneipentoilette ging, steht man im nächsten Moment vor einem Garagentor mit Hakenkreuz und lauscht dem Ärger darüber, dass der ahnungslose Schmierfink das Symbol verkehrt herum gemalt hat.

Das Ende der Unschuld

Dieses Gedankenstraucheln und Abstürzen, bei dem im denkphlegmatischen Blindflug zielsicher ein Bock nach dem anderen geschossen wird, bringt Dudenhöffer mit seiner Becker-Figur immer wieder hinreißend pointiert auf den Schmerzpunkt. Man muss das freilich auch sehen: Wie genau er sich diese Figur eben angeeignet hat.

Und das meint nicht nur das Erscheinungsbild, die Hosenträger überm Karohemd, oder den einfältigen Gesichtsausdruck unter der Batschkapp. Sondern das meint dazu ein Spiel, in dem wirklich jede Geste sitzt. Sparsam und genau ist das auch darin, wie Sprechpausen beredt zum Klingen gebracht werden, mancher Gedanke im Schulterzucken austrudelt, oder ein vermeintlich unschuldiger Versprecher wie „Ich bin jo bestimmt nit tolerant“ mit einem vermeintlich unschuldigen Öffnen der Arme endgültig seine vermeintliche Unschuld verliert. Insgesamt ist auch dieses Programm schauspielerisch von erstklassiger Qualität.

Zum kleinbürgerlichen Stoizismus der Figur des Heinz Becker gesellt sich dabei die künstlerische Konsequenz ihres Schöpfers Dudenhöffer, mit der dieser in der Figur verharrt. Kein einziges Ausscheren aus der Rolle, kein Distanzieren, kein relativierendes „Über-Ich“, das dem Publikum erklärt, dass der Dudenhöffer nicht meint, was der Becker da grad sagt. Diese Emanzipationsleistung bleibt dem Zuschauer überlassen.

Gut so! Denn am Ende gilt auch für die giftigsten Dinger und größten Böcke das Credo des Heinz Becker: „Wenn man net drüber lachen könnt’, wärs auch traurig.“

Von Steffen Georgi

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