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18:00 05.09.2018
Das TdJW-Team: Winnie Karnofka, Birgit Lindermayr, Jürgen Zielinski, Lydia Schubert, Jörn Kalbitz und Roland Bedrich. Quelle: André Kempner
Leipzig

Auch an Theatern, durchaus ein Hort des Aberglaubens, muss man nicht alles symbolisch aufladen. Als bei der Pressekonferenz zum Auftakt der neuen Spielzeit am Theater der Jungen Welt krachend die Tafel mit dem Spielzeitmotto „Zum Glück“ zu Boden geht, ist vermutlich einfach nur eine Tafel abgestürzt, und kein Zeichen gesetzt für ein Mottowechsel. Die dekorativ aufgestellten goldenen Winkekatzen jedenfalls wedeln weiter unbeirrt und debil mit der Pfote. Und Intendant Jürgen Zielinski erklärt die neuen Projekte der Spielzeit.

Dabei dauert es nicht lange, bis zum ersten Mal das Wort „Chemnitz“ fällt, derzeit mehr Schlagwort als Stadtname. „Man hat das Gefühl, man fängt immer wieder von vorne an“, sagt Zielinski und meint das Einüben von Toleranz, Diskussionsfähigkeit und Demokratie, was das TdJW schon lange zu seinem Aufgabenspektrum zählt. Weshalb es jetzt erstmals, initiiert weit vor den Geschehnissen in Chemnitz, das „Das große Meckerwelttheater“ gibt. Ein Format, das anknüpft an Konzepte wie den Londoner „Speakers’ Corner“ und den Wochenmarkt als öffentliche Diskussionsplattform wiederbeleben möchte. „Wir stehen dann mit der Kasper-Puppe auf dem Marktplatz und laden zum Meckern ein“, schildert Dramaturgin Winnie Karnofka die Erfahrungen von den ersten Recherchen. Und die Einladung wird angenommen, Zorn kräftig abgeladen. Am 6. September, 9 Uhr, ist Premiere auf dem Wochenmarkt in Grünau. Bis Oktober geht es auf weitere Märkte in der Stadt. Gefördert wird das Projekt im Rahmen des „Leipziger Jahres der Demokratie“ von der Stadt, Kooperationspartner ist das Marktamt.

Neu eingeführt wird außerdem die Reihe „Glückstag(e)“, das Anschlussprojekt an „Amor & Psyche“ der vergangenen Spielzeit. Verschiedene Experten zum Thema Glück sprechen jeden dritten Donnerstag im Monat – und das Ensemble zeigt kleine künstlerische Beiträge dazu. Der Auftakt am 20. September dreht sich einerseits um die Industrie der Glücksratgeber und erlaubt andererseits die drei neuen Puppenspieler Clara Fritsche, Nora-Lee Sanwald und Moritz Ceste kennen zu lernen. Dirk Baum und Wilfried Reach sind als Gäste weiter am Haus zu sehen.

Das dritte neue Format betreut die Theaterpädagogik „Junge Wildnis“, die nach Klassenzimmerstücken für Schüler jetzt ins Lehrerzimmer vordringt. „Die Stunde der Glücklichen“ wendet sich direkt und ausschließlich an Lehrer und das ist laut Zielinski bisher „einmalig“. Es dreht sich um die Überlegung, was wäre, wenn ein Schulfach „Glück“ eingeführt würde. Der Hintergedanke: Wer jenseits von Wissensinhalten sogenannte Soft Skills wie Lebenskompetenz oder Persönlichkeitsentwicklung vermitteln will, der muss sich auch selbst hinterfragen, Vorbild – und im weitesten Sinne glücklich – sei. Ein interaktives Stück plus Workshop gehören zum Angebot. Außerdem kooperiert die „Junge Wildnis“ mit dem Leipziger Verein „Zukunftswerkstatt“ und bietet ein Theater-Projekt („Nimmerland“) für Schulabbrecher an.

„Nebenher machen wir auch normales Theater“, scherzt Zielinski. Am Samstag findet mit „Norway.Today“ die erste Premiere statt. In der Inszenierung ist auch gleich das neue Ensemblemitglied Emilie Haus zu sehen, die in Paris und zuletzt in Linz Schauspiel studierte.

Am 30. September folgt „Peter Pan“. Die erste Puppenspiel-Premiere findet am 7. Oktober statt: Eine Uraufführung und Neubetrachtung Grimmscher Märchen nach dem Bilderbuch von Karla Schneider „Wenn ich das 7. Geißlein wär“ – zufällig die 7. Regie-Arbeit von Christian Fuchs am TdJW.

Verkündet wurden die Neuigkeiten passenderweise auch an einem neuen Ort, der ehemaligen Probenbühne des Lofft. Das freie Theater hat das Theaterhaus verlassen und produziert als Gast derzeit auf verschiedenen Bühnen der Stadt, ehe im kommenden Jahr das Domizil auf dem Spinnereigelände bezogen werden soll. „Keine feindliche Übernahme“, betont Zielinski, verbirgt aber auch nicht die Erleichterung über den Raumgewinn im Haus. Durch den neuen Saal, etwas größer als die bisherige Zweitbühne, müsse man nicht mehr so viel spielen, um auf die gleiche Zuschauerzahl zu kommen, erklärt Verwaltungsdirektorin Lydia Schubert.

Von Dimo Rieß

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