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13:02 31.10.2018
Cäcilia Holtgreve und Benno Sattler als Designerduo treten unter dem Namen Kumi Mood auf. Quelle: Kempner
Leipzig

Der grüne Vogel heißt Heinz. Er denkt, er sei ein Flamingo, aber eigentlich ist er ein Tukan. Am liebsten sitzt er auf dem Rücken seiner Freundin Dolores, einem Elefanten. Die beiden Holztiere leuchten in satten Farben am Stand des Leipziger Designer-Duos Kumi Mood. Heinz und Dolores wurden im Erzgebirge angefertigt. Wenn man sie zusammensteckt, können sie gemeinsam über den Fußboden rollen.

„Sie sind aber vielmehr als ein Spielzeug“, betont ihre Erschafferin Cäcilia Holtgreve. „Wir legen sie so an, dass sie Kindern und Erwachsenen gleichermaßen Freude bereiten“, fügt Partner Benno Sattler hinzu. „Man kann mit ihnen spielen, aber sie sehen auch im Regal gut aus.“ Zu den Holztieren gibt es jeweils Kurzgeschichten, die von den Charakteren erzählen. Eineinhalb Jahre haben die beiden an der Idee gefeilt, zuhause in Plagwitz an Prototypen gebaut und schließlich im Erzgebirge nach Handwerksbetrieben für die Ausführung gesucht.

Spielzeug aus dem Erzgebirge

„Das Erzgebirge hat ja eine lange Tradition für Holzspielzeug“, erklärt Benno Sattler, trotzdem war es nicht ganz einfach, Betriebe zu finden, die sich auf neue Ideen einlassen. Schließlich aber ist das gelungen – Heinz, Dolores und ihre Kumpels stehen nun entspannt an dem farbenfrohen Stand von Kumi Mood und genießen die Aufmerksamkeit, die ihnen reichlich zuteil wird.

Die Vasen, die gegenüber von Heinz und Dolores in dezenten Pastelltönen auf einer weißen Theke stehen, machen da einen bescheideneren Eindruck. Nicht alle von ihnen haben die Reise gut überstanden: „Als ich ankam, gab es erst einmal eine böse Überraschung“, erzählt die Keramikkünstlerin Wonjae Jo aus Südkorea, ein Teil ihres Werkes war zerbrochen. „Und ich wusste auch noch, ich bin selber schuld, ich hatte sie nicht richtig verpackt“, sagt sie und lächelt.

Wonjae Jo und Gippeum Roh sind zwei Keramik-Künstlerinnen aus Seoul. Quelle: Kempner

Die Grassimesse kannte Wonjae von Instagram

Die heilgebliebenen Exemplare aber stehen nun edel aufgereiht auf dem Tresen und kommen bei den Besuchern gut an. Wonjae Jo kommt aus Seoul, die Grassimesse kennt sie über Instagram schon lange. „Als ich erfahren habe, dass Korea dieses Jahr Gastland ist, war das meine Chance.“ Sie bewarb sich und erhielt die Einladung. „Und Wonjae ist sehr erfolgreich“, betont ihre Freundin Gippeum Roh vom Stand gegenüber lachend. Auch die 27-jährige Südkoreanerin ist Keramikerin, ihre Objekte aber sind abstrakter. Neben Vasen präsentiert sie Skulpturen und Malerei.

Die Beiträge des Gastlandes Korea sind so vielfältig, wie das Konzept der Messe es erlaubt. Plastische Kunst wie die von Gippeum Roh ist ebenso zu sehen wie Handtücher und Poster aus kommerziell anmutenden Pop-Up-Stores. „Die Grassimesse reflektiert die Ideenwelt und Vielfalt sowohl zeitgenössischer angewandter Kunst als auch Design und befördert künstlerische Entwicklungen und schärft das Bewusstsein für gestalterische Qualität.“ So lautet das Selbstverständnis der Veranstalter. Irgendwo zwischen Kunst und Design – da liegt der fruchtbare Boden der Grassimesse und verleiht ihr einen lebendigen und bunten Charakter. Im Grassi Museum für Angewandte Kunst wurde am Wochenende bewundert, angefasst und ausprobiert.

Qualität und Ästhetik

Preisträgerin Angela Schönewald legt bei ihren Gartengeräten viel Wert auf Funktionalität. Quelle: Kempner

Dass auch Angela Schönefeld hier richtig sein könnte, daran hat sie erst gezweifelt: „Ich bin überrascht, dass ich mit meinem simplen Werkzeug überhaupt zugelassen wurde.“ Nun ist Angela Schönefeld Preisträgerin. Für ihre handgeschmiedeten Gartenwerkzeuge wurde ihr der Apolline-Preis verliehen. „Die Hinweise verdichteten sich, dass ich gemeint sein könnte“, erzählt sie von dem Abend der Preisverleihung, „und ich konnte es gar nicht glauben“. Schöneberg ist Bauingenieurin und gärtnert gern. Ihr Anliegen war es, funktional hochwertiges Gartengerät herzustellen. Der Jury haben diese „Gartenwerkzeuge für anspruchsvolle Gärtner/-innen von Hand“ gefallen, vielleicht gerade wegen ihrer konsequenten Funktionalität. „Qualität bringt immer auch einen Aspekt der Ästhetik hervor“, sagt Angela Schöneberg nun nachdenklich. Und Ästhetik auch Qualität, würden da vielleicht Heinz und Dolores sagen.

Von Anna Flora Schade

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