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10:42 03.12.2018
Die Blumen sind freundlich in der neuen „Schneekönigin“-Fassung des Theatriums. Aber werden es auch die Entscheider des Leipziger Jugendamts bleiben? Quelle: Constanze Burger
Leipzig

Das Theatrium hat am Sonntag eine neue „Schneekönigin“ auf die Bühne gebracht und zeigt dieses Weihnachts- beziehungsweise Wintermärchen für Menschen ab vier Jahren bis 20. Dezember fast täglich. Vier Leute geben ein gutes Dutzend und erzeugen mit wenigen Requisiten viele Illusionen: Wald, Fluss, Wiese, Omas Haus und den Palast der Schneekönigin.

Die zahlreichen Kinder im Premierenpublikum halten ihre Eltern an den Händen, denn es wird auch gruslig. Die Königin (Almut Haunstein) ist keine Gute, und der plötzlich in einen lieblosen Jungen verwandelte Kay (Paul Becker) macht seiner Freundin Gerda (Lisa Oltzsch) das Herz so schwer.

Das Märchenmädchen aber schnappt nicht ein oder resigniert, es begibt sich auf die Suche nach dem verschwundenen Freund und kommt dem Ort, an dem er festgehalten wird, immer näher. Aus den verschiedenen Begegnungen auf dem Weg dahin filtert es Hinweise und Hilfestellungen heraus, zusammengefasst gewinnt Gerda an Lebenserfahrung.

Zum Glück sind unter Kathrin Großmanns Regie die Blumen lustig, die Oma (Katja Fischer) gemütlich, die Räuber amüsant, der Prinz und die Prinzessin hilfreich und der Rabe sowie die weise Lappin zielführend. Hans Christian Andersens literarische Vorlage kann nämlich ganz schön düster sein.

Das Orakel der ewig klammen Lipsia

Doch die Sache geht gut aus. Je nach Interpretation bringt Gerdas Freundschaft oder schon Liebe das Eis zum Tauen, sie besiegt das Böse. Die Schneekönigin allerdings leidet bei Kays Befreiung so, dass ihr Verzweiflungsschrei im Saal ansteckend wirkt. Es wird geweint. Nun ist die kalte Herrscherin (wieder) einsam. Sie hatte den Jungen mit einem Kuss geholt, Gerda erlöst ihn ebenfalls mit einem solchen. Am Ende sitzen die befreundeten Kinder genau wie zu Beginn bei Oma in der guten Stube.

Sparsame Requisiten, vier statt ursprünglich fünf Akteure, düstere Szenen – sind das Vorahnungen gewesen? Die Mannschaft des Grünauer Kinder- und Jugendtheaters erfuhr vom allwissenden Raben oder vom Orakel der ewig klammen Lipsia, dass stetiger Zuzug, der Rückgang der Arbeitslosigkeit und sprudelnde Kassen als Garant für ein auskömmliches Dasein nicht taugen. Weniger märchenhaft ausgedrückt befürchtet sie drastische Mittelkürzungen für ihr Haus.

Das Leipziger Jugendamt habe die Prioritäten neu sortiert, wobei die Jugendkulturarbeit nach hinten gerutscht sei. Wenn alles schlecht kommt, geht dem Theatrium fast die Hälfte seines Budgets verloren. Das hätte Konsequenzen bis hin zu Insolvenz und Abwicklung des hinter dem langjährig aktiven Projekt stehenden Vereins Großstadtkinder.

Präsenz bei der nächsten Stadtratssitzung

Entschieden wird zwar voraussichtlich erst Ende Januar darüber, wer aber einmal mit Verwaltungen zu tun hatte, weiß, nach einer Entscheidung ist es zu spät. Dann beruft sich die Verwaltung auf diese Entscheidung und hebt die Hände.

Deshalb macht das Theatrium vorher mobil, will bei der Stadtratssitzung am 12. Dezember Präsenz zeigen und informiert die Entscheidungsträger über die möglichen Konsequenzen ihres Tuns.

Neun Leute teilen sich im Grünauer Kinder- und Jugendtheater sechs Stellen und betreuen 115 Kinder und Jugendliche direkt, das Publikum nicht mitgezählt. Aller zwei Jahre müssen sie beantragen, erklären, zittern und wie im Märchen alle Hoffnungen in das Gute setzen – oder eben wie Gerda losgehen in die Höhle des Löwen, den Palast der Schneekönigin, das Neue Rathaus.

„Die Schneekönigin“, bis 20. Dezember jeweils dienstags bis donnerstags, 10 Uhr, sowie samstags und sonntags, 16 Uhr, Theatrium, Alte Salzstraße 59, ab vier Jahre, Karten für 6/4,50 Euro: 0341 9413640 oder theatrium@gmx.de; www.theatrium-leipzig.de

Von Bert Hähne

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