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Kultur Regional HGB-Absolventen organisieren Kunstprojekte für Kinder in Grünau
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07:02 23.05.2018
Diskussionen, Video, Bühnenbild: Die Kunstprojekte von „greaterform“ sind vielfältig – und werden von den Kindern in Grünau begeistert aufgenommen, wie hier im Sommer 2016. Quelle: Lina Ruske
Leipzig

Drogenhandel, sexuelle Selbstbestimmung, häusliche Gewalt, Herkunft – sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen ist nicht leicht. Vor allem nicht für Kinder und Jugendliche, vor allem nicht für die, die weitestgehend auf sich selbst gestellt sind.Die Initiatoren von „greaterform“ wissen das.

Durch Kunstprojekte wollen sie Kindern in Leipzig-Grünau helfen, Probleme zu bewältigen. „Hier leben die meisten arbeitslosen Familien, Migrant*innen, Senior*innen und Schulabbrecher*innen Leipzigs“, heißt es der Website von „greaterform“. „Mit künstlerischen Projekten hat man die Möglichkeit, sich über einen Umweg mit Themen auseinanderzusetzen, die auch mal heftig sind“, sagt Philipp Rödel.

Gemeinsam mit Lina Ruske hat er „greaterform“ gegründet, die beiden kennen sich aus Studienzeiten an der HGB. 2015 starteten sie Projekte in Grünau, sie entschieden sich bewusst für diesen Stadtteil, den Rödel als „spannend“ bezeichnet. Er sagt weiter: „Wenn es irgendwo Probleme gibt, leiden immer zuerst die Kids. Es gibt dort einen Riesenbedarf.“ Fünf Projekte hat das Team, zu dem neben Rödel und Ruske noch Kulturwissenschaftler Mirko Gust gehört, bisher realisiert. Genutzt wurden dabei immer Räume in Jugendzentren wie der Völkerfreundschaft in Grünau.

Geplant sind Stipendien, Themengruppen, Kurse

Jetzt soll es einen Schritt weiter gehen: „greaterform“ wünscht sich einen eigenen Raum, um kontinuierlich arbeiten zu können. Ein Angebot gibt es schon. Doch das ist trotz günstiger Konditionen unerschwinglich für „greaterform“. 10.000 Euro kostet der Raum pro Jahr. Deswegen hofft das Team auf Crowdfunding und wirbt auf der Plattform visionbakery.com um Spenden. „Die Kinder und Jugendlichen sollen zu dauerhaften Produzentinnen und Produzenten werden können“, sagt Rödel.

Ihnen gehe es um kulturelle Teilhabe, darum, den Kindern Selbstbewusstsein zu geben und die Möglichkeit, sich nicht nur projektbezogen, sondern langfristig einbringen und entwickeln zu können. „Was passiert, wenn wir dauerhaft vor Ort sind? Das ist die spannende Frage“, meint Rödel. Pläne und Ideen hat das Team viele: Themengruppen zu bestimmten Fragestellungen könne es ebenso geben wie bedarfsorientierte Kurse. Auch Praktika oder Stipendien sollen angeboten werden.

Genau hinhören, was die Kinder gerade eigentlich beschäftigt

Momentan wirbt „greaterform“ für seine Projekte externe Fördermittel ein. Das sei auch weiterhin nötig, sagt Rödel. Zudem ist das Team gerade auf der Suche nach einer Stiftung, die die Entwicklungsphase finanziert. Leben können die Gründer nicht von ihrem Engagement – Zeit für etwas anderes bleibt aber auch nicht wirklich.

Die Projekte liegen Rödel am Herzen, das wird im Gespräch deutlich: „Es braucht einen Ort, an dem es explizit um die Kids geht, wo ihr eigenes Tempo eine Rolle spielt, wo sie nicht beurteilt werden, wo sie frei sein können. Das bieten wir.“ Dabei ist es „greaterform“ wichtig, auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen, „sie auch mal ein bisschen zu kitzeln“, wie es Rödel ausdrückt, genau hinzuhören, was sie gerade beschäftigt.

Beim letzten Projekt, „The Kids Are Alright“, das von November 2017 bis Mai 2018 lief, ging es um Sex, Drogen und Gewalt. Als ein Mädchen bei einem Gruppeninterview gefragt wurde, ob sie eine Schlampe sei, antwortete sie ganz selbstverständlich: „Ja“.

Sofort entspann sich eine Diskussion: Was ist eigentlich eine Schlampe? Wieso hält sie sich für eine? Können Jungs auch Schlampen sein? „Da war offensichtlich ein riesiger Redebedarf“, erinnert sich Rödel. Aus der Diskussion schrieb das Team einen verdichteten Dialog mit verschiedenen Positionen, den sie die Kinder mit verteilten Rollen vorlesen ließen. Am Ende entstand ein Video.

Die Teilnehmenden sichtbar machen

„Der Verlauf der Projekte ist nicht planbar. Wir versuchen immer, die Ideen der Kids aufzugreifen“, sagt Rödel. Die Teilnehmer sind meist zwischen zehn und 15 Jahren alt. Am Herzen liegt Rödel vor allem noch eines: „Durch die Ausstellungen, Fotos, Texte und Videos, die bei den Projekten entstehen, werden die Kinder sichtbar. Das ist wichtig, denn diese Sichtbarkeit ist sonst nicht gegeben.“ Dass die Kinder auf ihre Arbeit sehr stolz sind, zeigt sich auch an Kleinigkeiten: Die Fotos der letzten gemeinsamen Ausstellung haben sie alle mit nach Hause genommen.

Die Crowdfunding-Aktion läuft noch bis zum 6. Juni. Mehr Informationen unter: www.visionbakery.com/teilhabe

Von Sophie Aschenbrenner

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