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Kultur Regional HMT Leipzig: Leidenschaftliche Debatte um Machtmissbrauch und sexuelle Diskriminierung
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00:21 25.06.2018
Podiumsdiskussion in der HMT: (v.l.) Moritz Eggert, Wallis Giunta, Nhi Le, sookee, Oliver Grimm. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Machtmissbrauch und sexuelle Diskriminierung in der Musik und der Musikausbildung – dass dieses Thema viele Menschen in Leipzig bewegt, wurde gestern an der Hochschule für Musik und Theater (HMT) in Leipzig mehr als deutlich. Der Studierendenrat und das mentoringArts-Programm der HMT hatten zur Diskussion geladen, der Orchesterprobensaal in der Grassistraße war übervoll. Neue Stühle wurden hereingetragen, viele mussten stehen. Es kamen nicht nur Studierende, sondern auch andere Interessierte.

Auf dem Podium saßen prominente Gäste: Die Berliner Rapperin sookee engagiert sich schon seit Jahren leidenschaftlich gegen Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie. Sie studierte Linguistik und Gender Studies und bezeichnet sich selbst als queer. Ihr Motto: „Lieber unbequem als oberflächlich.“ Mezzosopranistin Wallis Giunta, derzeit Solistin an der Oper Leipzig, berichtete unter anderem von ihren eigenen Erfahrungen mit sexueller Belästigung und Machtmissbrauch im Opernbetrieb.

Wallis Giunta ist „richtig wütend“

Oliver Grimm, Kanzler der HMT, bereicherte die Diskussion mit seinen juristischen Kenntnissen. Er setzt sich für die Verbesserung des Schutzes vor Machtmissbrauch an der HMT ein. Dass ihn das Thema berührt, wurde deutlich. Extra von der Hochschule für Musik und Theater in München war der Komponist Moritz Eggert angereist. Er fordert neue Umgangsformen in der Klassik-Szene. Die HMT in München stand in letzter Zeit immer wieder in den Schlagzeilen, weil zwei Professoren sexuelle Belästigung vorgeworfen wird. Moderiert wurde die Diskussion von Nhi Le, Speakerin und Slam Poetin

„Ich habe genug erlebt, um richtig wütend zu sein“, sagte Opernsängerin Giunta. Sie schilderte, wie sie als junge Sängerin unter anderem damit zu kämpfen hatte, dass sich ein Kollege während verschiedener Liebesszenen auf der Bühne deutlich mehr herausnahm, als vom Regisseur gefordert wurde. „Ich habe nichts dagegen getan“, erinnert sie sich. Heute wäre das anders. „Ich bin wütend auf die Täter, aber auch auf mich selbst, weil ich mich nicht gewehrt habe“, sagte die 32-Jährige. Opfer sprächen oft nicht, weil sie Angst hätten, nicht beschützt und nicht ernst genommen zu werden.

Lob für das Engagement der HMT

Hier, forderte Giunta, müssten die Hochschulen ansetzen und klar kommunizieren: Machtmissbrauch und sexuelle Diskriminierung aller Art wird bei uns nicht geduldet und hat Konsequenzen. „Wir müssen die Studierenden fördern und unterstützen statt sie auszubeuten und zu benutzen“, sagte auch Eggert. Wer nicht mit Macht umgehen könne, solle keine bekommen.

Wichtig sei es auch, Frauenstimmen zu stärken, sagte eine Besucherin. Zwar sind laut HMT-Rektor Martin Kürschner mittlerweile die Hälfte der Kompositions-Studierenden Frauen. Doch Rapperin sookee hakte ein: „Und was kommt danach? Wer kriegt die Förderung, wer die Intendanzen? Hier muss man weiter denken.“ Lauter Applaus. Die Debatte war leidenschaftlich und deckte viele Bereiche ab. Als Giunta von ihren eigenen Erfahrungen berichtete, als Eggert über das sprach, was ihm von Münchner Studierenden zugetragen wurde, war es totenstill im Raum.

Dass die HMT die Auseinandersetzung sucht, das lobten alle Anwesenden. In ihren Studienjahren hätte sie sich diese Offenheit gewünscht, sagte Giunta. „Die Welt verändert sich. Wir müssen aufpassen, dass es in die richtige Richtung geht – in eine Welt, in der sexuelle Diskriminierung nicht akzeptiert wird.“ Dass jetzt gehandelt werden muss, betonte auch Komponist Eggert: „All dies kann und muss sich ändern. Und der Moment ist jetzt.“

Von Sophie Aschenbrenner

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