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Kultur Regional Händels Wiedergeburtshelferin und Stammmutter einer Musiker-Dynastie
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14:33 31.01.2019
Kammersängerin Philine Fischer-Sannemüller im Jahr 1994. Foto: Quelle: Armin Kühne
Leipizg

Dass die Opern Georg Friedrich Händels wieder fest im Repertoire verankert sind, ist auch ihr zu verdanken. Denn ohne die glutvollen, stilsicheren, betörend schönen Verkörperungen der großen Partien von Alcina bis Antigone, von Berenice bis Deidamia durch Philine Fischer wäre die Händel-Renaissance seit den 50ern gewiss weniger nachhaltig verlaufen. Die Sängerin, die am 1. Februar 1919 als Philine Franke in Leipzig geboren wurde, war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort: 1952 wechselte sie von der Oper Leipzig ans Landestheater Halle, wo man sich gerade bei den jährlichen Georg-Friedrich-Händel-Festspielen mit dem Dirigenten Horst-Tanu Markgraf und dem Regisseur Heinz Rückert daran machte, die vergessenen Schätze des größten Komponisten der Saale-Stadt zu heben.

Ihr eigenes Händel-Erweckungserlebnis lag zu diesem Zeitpunkt schon einige Jahre zurück: 1945 hatte sie unter der Leitung des Noch-Gewandhauskapellmeister von Hermann Abendroth in der Thomaskirche im ersten Nachkriegs-Konzert des Gewandhausorchesters die Sopranpartie im „Messias“ gesungen. Ein Triumph, der ihren Durchbruch als Sängerin markierte – und zwar keineswegs nur regional: Ihr Operndebüt führte die zwischen 1936 und 1941 am Leipziger Konservatorium ausgebildete Sängerin bereits 1944 als Micaëla in Bizets „Carmen“ ans Landestheater Oldenburg. Und auch nach der Trennung Deutschlands blieb die Karriere der Leipzigerin gesamtdeutsch bis international. Obwohl sie dem Landestheater in Halle bis 1980 im Ensemble die Treue hielt und nach dem Abschied von der Bühne dessen Ehrenmitglied wurde, ernannte die Hamburgische Staatsoper Philine Fischer zur Kammersängerin.

Gut 100 Opernpartien verkörperte die Sopranistin zwischen ihrem Oldenburger Micaëla-Debüt und dem Abschied als Herodias in Strauss’ „Salome“, darunter in ihrer Leipziger Zeit im Interim im Haus Dreilinden die Euridyke in Glucks „Orpheus“ in der Inszenierung Mary Wigmans oder die Tochter in Hindemiths „Cardillac“; sie war eine großartige Marschallin im „Rosenkavalier“, erschütterte als Jenufa die Zuschauer und Zuhörer bis ins Mark und wurde für ihr künstlerisches Wirken vielfach ausgezeichnet.

Nicht nur als Sängerin hinterließ Philine Fischer tiefe Spuren, als sie am 22. Januar 2001 kurz vor ihrem 82. Geburtstag verstarb, sondern auch familiär: Ihre Kinder und Kindeskinder prägen das Musikleben Leipzigs bis heute: Aus ihrer Ehe mit dem Kantor Ulrich Fischer ging die Tochter Cornelia Krumbiegel hervor, die als Sängerin und Musikwissenschaftlerin auf sich aufmerksam machte und von 1988 bis 2002 Leiterin des Leipziger Bachmuseums war. Ihr 1963 geborener Sohn Martin ist als Dirigent und Tenor tätig und lehrt als Professor für Musikgeschichte an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater, der 1966 geborene Sohn Sebastian wurde als „Prinz“ berühmt, Tochter Susanne ebenfalls als Sängerin. Mit ihrem zweiten Ehemann, dem Gewandhaus-Konzertmeister Horst Sannemüller, hatte Philine Fischer den Sohn Matthias Sannemüller, seit 1977 Solobratscher beim Leipziger Rundfunkorchester, dem späteren MDR-Sinfonieorchesters.

Von Peter Korfmacher

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