Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Kultur Regional Halali unter Isolator: Formation 7 eröffnet neue Reihe im Bildermuseum
Nachrichten Kultur Kultur Regional Halali unter Isolator: Formation 7 eröffnet neue Reihe im Bildermuseum
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 13.12.2017
Ausgangspunkt für künstlerische Auseinandersetzungen: das Gemälde „Bärenhetze“ von C. B. A. Ruthart (l.) mit Arbeiten von Susanne Wurlitzer und Marie Carolin Knoth.  Quelle: André Kempner
Anzeige
Leipzig

 „Wildschwein tötet Jäger“ stand einen Tag vor der Vernissage von „1. Akt Hatz“ in allen Zeitungen. Es würde gut passen, wäre die Meldung oder gar das Ereignis von Formation 7 absichtlich lanciert worden. Doch dafür gibt es noch keine Beweise.

Um Hackordnungen geht es aber auf jeden Fall. Aufhänger ist für die gerade erst von sechs jungen Leipziger Künstlerinnen und einem kooptierten Mann gegründete Gruppe ein Gemälde aus dem Bestand des Museums. Der Holländer Carl Borromäus Andreas Ruthart hat im 17. Jahrhundert eine Bärenjagd gemalt, die es schon damals so nicht geben konnte, unabhängig davon, dass man „Problembären“ heute gleich abknallt. Die innereinander verkeilten Tiere bilden ein brutal wirkendes, aber wohlkomponiertes Knäuel. Zwei Bären scheinen trotz der Übermacht von mindestens acht Hunden – so genau lassen sich die Körperteile gar nicht sortieren – im Vorteil zu sein.

Was man schon im Barock als Allegorie jenseits einer dekorativen Jagdszene lesen konnte, ist es heute zwei Jahrhunderte nach der Deklaration der Menschenrechte und fast drei Jahrzehnte nach dem angeblichen Ende der Geschichte immer noch. Das Fressen und gefressen werden ist Thema dieser ersten Schau junger Künstlerinnen und Künstler, die in schnellem Wechsel den bisher nur als Rumpelkammer genutzten Raum mit jener Zündkerze (sic!) der volkseigenen Marke Isolator autonom bespielen werden, wie es Alfred Weidinger bei seiner Vorstellungsrede als neuer Direktor angekündigt hat.

Hunde durch Männer ersetzt

Am dichtesten an Rutharts Vorlage ist Marie Carolin Knoth. Sie hat eine Replik gemalt, dabei die Hunde durch Männer ersetzt. Einer davon hat sich mit einem Fell als Hund getarnt. Es hilft nicht. Die Natur scheint stärker zu sein. Wirklich? Durch die hohe Glastür des Raumes sieht man die Reklame eines Einkaufszentrums, an der gegenüberliegenden Wand aber flackert ein Kamin, umgeben von unzähligen Blumengebinden. Darüber hängt eine Haut als Trophäe, sie hat menschliche und männliche Umrisse. Gerüchten zufolge soll ein gewisser Edgar L. dafür seinen Hintern hergehalten haben, natürlich nur zur Formabnahme. Dicht neben dem Kamin stehen Bilder, die Bären im naiven Stil als erfolgreiche Jäger darstellen. Einer sitzt triumphierend auf einem hingestreckten Menschen. Nicht überall geht es so brachialromantisch zu wie in dieser Installation von Oskar Rink (so nennt sich die Tochter von Arno Rink) und Benjamin Kindervatter.

Schau! - das Leipziger Museumsportal

Aktuelle Nachrichten und Ausstellungen der Leipziger Museen!

Die Objekte von Anja Heymann mit Tierhaaren könnten fast beschaulich wirken, würden denn die Ventilatoren in den Vitrinen arbeiten. Unbeweglich hingegen ist ihr großes Bärenfell aus Draht. Mandy Kunze, bisher für erzählerische Malerei bekannt, hat 18 Leinwände zu einer großen Welle vereint. Irgendwo meint man die Hand William Turners aus dem großen, wilden Blau herausragen zu sehen. Susanne Wurlitzers zwei technoid wirkende Malereien sind am schwersten mit dem Thema in Zusammenhang zu bringen, außer dass da ein hundeartiges Tier in einer Falle auf einem Supermarkt-Parkplatz feststeckt.

Hoher Maßstab gesetzt

Am Boden liegt ein Bildschirm. Idylle pur, Vögel zwitschern in einem Waldstück, das man so gern als unberührt bezeichnet. Doch dann sind Geräusche von Hubschraubern oder großen Fahrzeugen nicht zu überhören. Die Hatz muss nicht unbedingt mit Gewehren ablaufen, die Waffen sind heute häufig anderer Art. Petra Polli hat das Video gemacht, ebenso den benachbarten graffitiartigen, aber in Beton gegossene Schiftzug „loslassen“. Bezieht man die Hatz nicht nur auf die Vorgänge im Forst, ist das ein guter Ratschlag.

Der Auftakt dieser neuen Ausstellungsreihe im MdbK setzt gleich einen hohen Maßstab. Qualität ja, Gefälligkeit nein. Ob es die Formation 7 weiterhin geben wird, oder ob sie ein Zweckbündnis war, ist unwichtig. Auf die Fortsetzung der Reihe aber darf man gespannt sein.

Formation 7: 1. Akt Hatz; Museum der bildenden Künste Leipzig, Katharinenstr. 10; bis 1. Januar 2018, Di und Do-So 10-18 Uhr, Mi 12-20 Uhr

Von Jens Kassner

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Über 600 Lieder hat Frank Schöbel während seiner Karriere gesungen. Nicht alle davon mag er noch. Am Montag feiert der Schlagerstar seinen 75. Geburtstag.

11.12.2017

Von einer Zukunft hielten sie in den 80er Jahren nicht viel. Jetzt ist sie aber Gegenwart. Zum Abschluss der Nato-Reihe „Warschauer Punk Pakt“ haben am Wochenende Protagonisten der Punk-Szene der Ostblock-Staaten über die damalige Bewegung gesprochen.

10.12.2017

Sie waren Welt- und Europameister – im Breakdance. Nun ist die Magdeburger Breakdance-Crew Da Rookies aber klassisch unterwegs. Am Wochenende hat sie im Westbad erstmals in Leipzig ihre Version von Tschaikowskys „Nussknacker“ vorgeführt.

10.12.2017
Anzeige