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Kultur Regional Halsbrecherischer Nussknacker: Da Rookies für Breakdance-Version des Klassikers gefeiert
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18:31 10.12.2017
Klassik trifft Breakdance: Ballerina Anastasiya Yakymenko und die Magdeburger Breakdance-Crew Da Rookies haben erstmals in Leipzig Tschaikowskys „Nussknacker“ aufgeführt. Quelle: André Kempner
Leipzig

Ein Professor der Technischen Universität Bergakademie Freiberg will den perfekten Nussknacker, der nur die Schale zerstört, aber die Nuss intakt lässt. Nach diesem wird er wohl noch eine Weile suchen. Für die Bühne zumindest scheint ein guter Nussknacker aber gefunden: Am Freitag feierte „Der Nussknacker – Klassik trifft auf Breakdance“ von und mit der wettkampferprobten Magdeburger Breakdance-Crew Da Rookies im Westbad Leipzig-Premiere.

Die beliebte Geschichte mit der Musik von Tschaikowsky wird von den Breakdancern in Weltklasse neu inszeniert. Die bekannten Klänge bleiben erhalten, die Bewegungen dazu sind aber neu. Die klassische Ballerina Anastasiya Yakymenko schwebt als Clara im weißen Kleid über die Bühne. Während sie die Figuren der Spielzeug-Armee antanzt und zum Leben erweckt, antworten diese marionettenhaft mit Bewegungen aus dem Breakdance. In der Rolle des Prinzen ist Noran Kaufmann zu sehen, der wie auch Da Rookies 2013 an der TV-Show „Got to Dance“ teilnahm. Als der Mäusekönig sie entführen lässt, schwebt sie in großer Gefahr, und ihr Prinz muss sie retten.

Am Wochenende hat die Magdeburger Breakdance-Crew Da Rookies im Westbad erstmals in Leipzig ihre Version von Tschaikowskys „Nussknacker“ vorgeführt.

Da Rookies leisten einen feinen, aber mitreißend verpackten Balanceakt. Nicht nur rein physisch bei den Headspins und Freezes, sondern sie liefern eine gelungene Balance zwischen alt und neu, Breakdance und Klassik. Moderne Elemente sind die Leinwand, die mal eine verschneite Aussicht aus dem Fenster, mal Schneeflocken und mal düstere Landschaften wie aus Mordor zeigt sowie die bunte Beleuchtung. Der Kontrast zwischen den sehr kontrolliert aussehenden Bewegungen der Ballerina und den fließenden Moves der Breakdancer ist spannend anzusehen, trotzdem irgendwie harmonisch und macht einfach Spaß.

Klatschen ist als Motivation für die Tänzer auch während der Szenen erwünscht, und das Publikum zeigt sich von Anfang an begeistert. Die Menschen klatschen besonders für die Breakdancer, aber das schmälert in keinster Weise die Leistung Yakymenkos, die durch verspielte Anmut glänzt. Hier handelt es sich eher um einen Kulturunterschied zwischen der Breakdance-Szene und der Welt des Balletts.

Können die Tänzer überhaupt etwas sehen?

Generell ist die Stimmung locker und dynamisch. Es fällt den bunt gemischten Zuschauern leicht, sich für das erstaunliche Können der Breakdancer zu begeistern, aber auch hier wird die Balance gehalten, denn die Akrobatik inklusive fliegender Körper geht nie auf Kosten der Geschichte. Auch die Mimik der Solisten passt, und als Kaufmann verträumt-verliebt dreinschaut, geht ein Lachen durch die vorderen Reihen.

Vor allem arbeitet die Truppe unheimlich gut mit der Musik. Jede Bewegung harmoniert mit dem, was aus den Lautsprechern ertönt. Schön gemacht sind übrigens auch die Kostüme der Mäuse, deren Augen im Dunkeln unheimlich rot leuchten, auch wenn man sich fragt, ob die Tänzer noch etwas sehen mit den roten Lämpchen in Augennähe.

Da Rookies haben eben im Gegensatz zu ihrem Namen nichts mit Anfängern zu tun und zeigen am Ende noch einmal einzeln, unter dem Jubel des tobenden Publikums, was sie so drauf haben. Sie spielen ihren Nussknacker bereits seit 2013, gastieren aber erstmals damit in Leipzig. Das euphorische Publikum im Westbad und insgesamt vier ausverkaufte Vorstellungen sind ein Indikator dafür, dass sie das durchaus wiederholen können.

Restkarten für die Vorstellung am 10. Dezember, 15 Uhr, im Westbad (Odermannstraße 15) an der Abendkasse.

Von Miriam Heinbuch

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