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Kultur Regional Hans Zimmer: Perfekte Show der großen Gefühle
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00:35 07.05.2018
Blaue Lichteffekte, ein starkes Orchester, ein bisschen Selbstlob: „The World of Hans Zimmer“ begeisterte das Leipziger Publikum. Quelle: André Kempner
Leipzig

„The World of Hans Zimmer – A Symphonic Celebration“ – das ist der Titel der Show, mit der der deutsche Filmkomponist Hans Zimmer derzeit durch die Bundesrepublik tourt und die am Donnerstag in der Arena Leipzig gastierte. Das Konzept: Livemusik von Chor und Orchester, herausragende Solisten, eine Lichtshow und eine Auswahl passender Filmszenen.

Ein Fest der Filmmusik also – doch auch der Schöpfer dieser Kompositionen will sich ausreichend feiern lassen. Zwar ist er selbst nicht anwesend, doch er führt sein Publikum in vorproduzierten Einspielern aus seinem Studio in Santa Monica durch den Abend. Manchmal alleine, manchmal in wahnsinnig aufgesetzt wirkenden, aber betont ungezwungenen Gesprächen mit Regisseuren. Von Nancy Meyer („Liebe braucht keine Ferien“) oder Ron Howard („The da Vinci Code“) lässt sich Zimmer ein bisschen loben und erzählt in Anekdoten, wie die Musik zu den Filmen entstand.

Die Inszenierung ist stets fehlerlos

Die Show ist perfekt, die Besetzung hochkarätig, die Emotionen sind groß. Zimmer, 1957 in Frankfurt geboren, gilt als einer der bekanntesten und einflussreichsten zeitgenössischen Filmkomponisten. Lang ist die Liste der Blockbuster, die er vertonte. Zu den bekanntesten zählen „Fluch der Karibik“, „König der Löwen“, „Pearl Harbour“ und „The da Vinci Code“. Musik zu diesen Filmen war bei der Show auch zu hören – und Show ist in diesem Fall tatsächlich das Wort, das besser passt als Konzert.

Mal hinterlegt von lodernden Flammen, mal in kühles blaues Licht getaucht, aber immer fehlerlos inszeniert interpretieren das Symphonieorchester des Bolschoi-Staatstheaters und der Chor unter der Leitung von Dirigent Gavin Greenaway die Stücke. Zu den großen Momenten zählen die Auftritte des Flötisten Pedro Eustache, unter anderem bei „Fluch der Karibik“.

Der Holzbläsersolist Pedro Eustache Quelle: André Kempner

Auf der Tour präsentieren erstmals Chor und Orchester Zimmers Kompositionen, er hat die Stücke extra umgeschrieben. Häufig werden die Solisten auf die großen Leinwände hinter dem Orchester projiziert, um besser sichtbar zu sein, der Chor steht auf drei Etagen hinter den Leinwänden. Anders als bei seiner Live-Tour könne er mit Orchester auch romantische Stücke spielen, sagt Zimmer in einem Einspieler.

Eines davon ist die Musik zu „Pearl Harbour“, einem Film über Freundschaft, Krieg und die Liebe zwischen dem Piloten Danny und der Militärkrankenschwester Evelyn. Auf der Leinwand sind die leichten, ersten verliebten Momente der beiden zu sehen, während die Solistinnen Eliane Correa (Keyboard) und Marie Spaemann (Cello) so perfekt mit dem Orchester harmonieren, dass die gesamte Arena ins Schwelgen gerät.

„König der Löwen“ ist ein Requiem für Zimmers Vater

Fast 150 Filmen hat Hans Zimmer bisher seine Musik geschenkt, zuletzt dem historischen Kriegsfilm „Dunkirk“, wofür er bereits zum elften Mal für den Oscar nominiert war. Gewonnen hat er die höchste Auszeichnung der Filmbranche ein Mal, im Jahr 1995, für seine Musik zu „König der Löwen“. Er sei selbst noch „ein ganz großes Kind“ und liebe es, mit der Musik zu spielen, erzählt Zimmer.

Deswegen komponiere er so gerne zu Animationsfilmen wie „Spirit“ oder „Kung Fu Panda“. „König der Löwen“ sei für ihn aber ein besonderer Film, die Musik ein „Requiem“ für seinen früh verstorbenen Vater. Das Orchester setzt das bekannte Stück fantastisch um.

Minutenlange Standing Ovations

Fast schon ein Finale – wäre da nicht Sängerin und Komponistin Lisa Gerrard, die schon lange mit Zimmer zusammenarbeitet und für die Tour engagiert werden konnte. Berühmt wurde sie im Jahr 2000 mit der Hymne „Now We Are Free“ für „Gladiator“. Fast zehn Jahre später erntet sie dafür in Leipzig pure Begeisterung aus dem Publikum, mehrere Smartphonekameras zoomen ganz nah an den Star auf der Bühne heran. Sie verteilt lässige Luftküsse.

Nach „Inception“, für das sich Zimmer persönlich über Video eingespielt ans Piano setzt, kommt als Zugabe noch der vielleicht bekannteste Score Zimmers: „Fluch der Karibik“. Die Show endet mit Captain Jack Sparrows Gesicht in Nahaufnahme, das einem glühenden Feuerball weicht. Die Besucher belohnen die Inszenierung mit minutenlangen Standing Ovations. Das Show-Konzept geht auf. Hans Zimmer wird gefeiert.

Von Sophie Aschenbrenner

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