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Havanna ist weit: Das Ballet Revolución wird in der Oper Leipzig gefeiert

Tanzshow aus Kuba Havanna ist weit: Das Ballet Revolución wird in der Oper Leipzig gefeiert

Die Tänzer strahlen Kraft und Eleganz, Esprit und Leidenschaft aus: Noch bis Sonntag gastiert das Ballet Revolución in der Leipziger Oper. Die Premiere am Dienstagabend wurde bejubelt.

Ballett trifft Streetdance trifft kubanisches Körper- und Lebensgefühl: Das Ballet Revolución wurde am Dienstagabend in der Oper Leipzig gefeiert .

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Sie kommen aus Kuba, sie tragen die Geschichte ihres Landes im Namen: Ballet Revolución heißt die Show, die bis Sonntag in der Oper für viel Bewegung sorgt. Gleich im ersten Song geht es nach „Havana“ – so heißt der Titel der kubanisch-amerikanischen Sängerin Camila Cabello – und in die internationalen Pop-Charts. Vor allem hier, in der Musik des einstigen Klassenfeinds, ankert eine wilde Revue, in der sich Streetdance und Ballett, Breakdance und Mambo mischen. „Half of my heart is in Havana“, heißt es im Opener, den die erstklassige Liveband soulig-melancholisch in den Saal träumt. Und wo ist die andere Hälfte? Im Jetzt und Hier am Dienstag in der Leipziger Oper, im verrückten Mix der Stile, in den Pirouetten, den akrobatischen Elementen, im Schwung der Hüften und Gefühle.

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Ballett trifft Streetdance trifft kubanisches Körper- und Lebensgefühl: Das Ballet Revolución wurde am Dienstagabend in der Oper Leipzig gefeiert. Bis Sonntag ist die Show zu erleben.

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Mit fantastischen Hebefiguren, Tänzern, die sich wie kippende Dominosteine gegenseitig in Bewegung versetzen, sich zu Gruppenbildern fügen und diese sogleich wieder auflösen, geht es weiter. Alles fließt, das Auge kommt kaum hinterher. Hat man sich mal für zwei Sekunden auf der einen Bühnenseite festgesehen, vielleicht ein elegant-erotisch flirtendes Paar verfolgt, so saugt schon der nächste Reiz die Aufmerksamkeit ab.

Beim altersmäßig bunt gemischten Publikum kommen diese mitunter etwas hektischen Wimmelbilder hervorragend an, immer wieder gibt es Szenenapplaus und Jubel. Auch wenn Luis Palacios Galvez die Congas bearbeitet. Zärtlich und warm beginnt er sein Solo, wird immer schneller, bis es nicht mehr schneller geht und dann doch noch schneller wird. Das ist gerade deswegen großartig, weil das Akrobatische hier nie die Leichtigkeit überspielt.

Der folgende Pas de deux zu Adeles „Hello“ ist ein früher Höhepunkt. Ein Paar auf einer Bank, umeinander schleichend, sich verlierend und wieder findend, stolz und zärtlich, nicht mit- und nicht ohne einander könnend. So ist das manchmal mit der Liebe.

Wer braucht eine Kleiderordnung?

Weiter geht es in Scharlachrot zum hier eher klassisch behauchten Police-Klassiker „Roxanne“. Überhaupt, die Kostüme, designt von Ex-„Topmodel“-Coach Jorge González – sie werden hier offenbar schneller gewechselt als die Reifen in der Formel 1. Die Damen tauschen etwa bunte Pumphose mit kleinem Schwarzen, die Herren wechseln von Sakko zu oben ohne. Und oft wirbelt alles durcheinander – Kleiderordnung, wer braucht das? Denn urplötzlich werden die einzelnen, eben noch frei herumspringenden Atome synchronisiert – etwa zum Coldplay-Song „Viva la Vida“ oder einem Medley mit George-Michael-Titeln, bei denen das Geschehen auf der Bühne zuweilen an Szenen aus dem Highschool-Musical erinnert. Havanna ist weit.

Es geht hier elementar um die beiden Pole, zwischen denen sich heute alle Gesellschaften und ihre Individuen immer wieder neu aushandeln müssen: Freiheit und Struktur. Die 19 Tänzer des Ballet Revolución nehmen sich vor allem erstere. Und zeigen, dass es dafür letztere braucht. Fast alle von ihnen wurden an einer der beiden international renommierten Tanzschulen des Landes ausgebildet – und das sieht man. In den Choreographien des Kubaners Roclan Gonzales Chavez und des Australiers Aaron Cash werden sie losgelassen – weil sie es können.

Kraft und Eleganz, Esprit und Leidenschaft strahlen diese großartigen Tänzer aus – besonders bei einem weiteren, diesmal doppelten Pas de deux. Zwei Paare mit jeweils einem Stuhl, selig umschlungen, in abenteuerlichen Verrenkungen, während der Lichtkegel von einem zum anderen geht. Ein ästhetischer Kraftakt im zweiten Teil eines Abends, der gegen Ende vielleicht etwas zu eilig durch die Popgeschichte kurvt, sich aber bei einem akrobatisch-sinnlichen Solo zu „Purple Rain“ wieder fängt – und im Finale gefeiert wird. Minutenlang, jubelnd, stehend.

Bis Sonntag in der Oper Leipzig, Restkarten insbesondere für Donnerstag und Sonntag (14 und 19 Uhr) gibt es u.a. noch in der Ticketgalerie Leipzig (LVZ Foyer, Peterssteinweg 19 und Barthels Hof, Hainstr. 1) sowie in der Oper Leipzig

Von Jürgen Kleindienst

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