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Kultur Regional Hier bin ich Mann, hier darf ich’s sein: Iced Earth im Haus Auensee
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00:19 17.01.2018
Kräftig, laut, bierselig: Die Band Iced Earth Samstagnacht im Haus Auensee. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Nur zarten Nachtfrost beschert bisher der milde Leipziger Winter, umso frostiger jedoch ist der erste Eindruck Samstagabend am und im Haus Auensee: reichlich Platz auf dem Parkplatz, geschlossene Imbissstände, verwaiste Bars, und auch der Saal ist höchstens halb voll. Fast kalauernd passend also behält man zunächst noch kalte Füße vor dem Konzert der US-amerikanischen Power-Metal-Legende Iced Earth.

30 Jahre unter diesem Namen feiert in diesem Jahr die Band um Leadgitarrist und Mastermind Jon Schaffer, die neben ihrem markanten Mix aus Power-, Thrash- und Progressive-Metal vor allem durch ihr legendäres Besetzungskarussell bekannt ist. Ein mittleres Orchester könnten die ehemaligen Mitglieder mittlerweile füllen, freilich nur aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang.

Das Dienstalter der Band sieht man auch dem Publikum an: In die Jahre gekommen und in die Breite gegangen, mehr Jeans als Leder auf dem Rumpf und mehr lichtes graues als lang gekämmtes Haar auf dem Kopf, aber ungebrochen gut gelaunt und stilecht bierselig.

Die Organisation des Abends ist straff: Wer erst zur angegebenen Startzeit kurz vor acht den Saal betritt, bekommt vom ersten Support Metaprism, einer jungen britischen Melodic Metal Band mit Nightwish- und Evanesence-Einschlag, nur noch die Schlussnummer mit.

Krieger-Pose und zur Schau gestellte Männlichkeit

Anschließend strapazieren die Nürnberger Lehrbuch-Power-Metaller von Freedom Call die hymnische Dur-Melodik ihrer Songs derart, dass sie lediglich ihr schnell hämmerndes Schlagzeug und die verzerrten Gitarren von einem bunt glitzernden Musical akustisch unterscheidet. Darüber kann auch die von Manowar entlehnte Krieger-Pose nicht hinwegtäuschen, zumal man nur die Hälfte des Brustumfanges der Vorbilder vorweisen kann. Immerhin sind sie, wie fast alle an diesem Abend, eher friedliche Bierkrieger, die in ihrer Szene eine welteinende Kraft sehen, getreu dem Motto: Metal is for everyone.

Zusammenhalt wird hernach auch von Iced Earth betont, nicht nur in ihrem Song „Battles and Brotherhood“. Hier bin ich Mann, hier darf ich’s sein, könnte das Motto des Abends lauten: Krieger-Pose und zur Schau gestellte Männlichkeit könnten nirgendwo entspannter, unschuldiger und harmloser daher kommen als im Kreise dieser angegrauten Metalfans, deren Musik längst nicht mehr provoziert oder gar schockiert, sondern seinen Weg in die Arte-Mediatheken gefunden hat.

Aber mit Iced Earth hält endlich auch mehr Wärme und Ausgelassenheit Einzug ins Parkett des Haus Auensee, welches in den folgenden zwei Stunden mit Bier getränkt und Krach poliert wird. In einem Mix aus alten Songs, als die Alben noch konzeptuellen Geschichten folgten, hin zu neuen, welche laut eigener Aussage „näher am echten Leben“ sind, setzt der Sound vor allem auf Kraft und Lautstärke, aber auch Melodien kommen bei den mitunter minutenlang ausufernden Stücken nicht zu kurz.

Glückseligkeit im Gesicht

Der Hauptfokus liegt klar auf den Riffs von Mastermind Schaffer, der sich sonst eher im Hintergrund hält. Denn auch alle anderen Bandmitglieder wissen zu überzeugen, allen voran der seit 2011 amtierende Sänger Stu Block, der beeindruckend leicht zwischen Melodiegesang, Kopfstimme und Scream-Parts hin und her springt. Dazu bemüht er sich tapfer um Publikumsanimation, spricht jedoch oft zu schnell, um seine englischen Pointen im Publikum wirklich zünden zu können.

Der Jubel aber ist ihm und seinen Mannen gewiss, man singt und bangt, selbst ein kleiner Moshpit entlädt sich zur Zugabe. Und zum Schluss entfaltet sich auch ein weiterer Vorteil des Altherren-Metals, als viele mit Glückseligkeit im Gesicht in die Nacht treten: Man hat eine Band erlebt, die viele schon ein halbes bis ganzes (Metal-)Leben begleitet und die zumindest von der Bühne aus noch lange nicht ausgepowert hat.

Von Karsten Kriesel

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