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Kultur Regional „Hilfe, die Piraten kommen“ zur Dinnershow ins größte Spiegelzelt der Welt
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15:12 16.11.2018
„Hilfe, die Piraten kommen“: Armin Zarbock, Elena Maria Pia Lorenzon , Falko Köpp und Matthias Stein (v. l.). Quelle: André Kempner
Leipzig

Wenn dem einbeinigen Hein sein Bein auf der Bühne umherliegt, allenthalben wer die Brassen schlonzt, überdies der eineiige Peter sein Unwesen treibt und Tomatenkaviar der Rogen der männlichen Eiertomate ist, dann ist klar, dass Volker Insel wieder ein Jahr lang alle Kalauer eingesammelt hat, die nicht bei drei auf den Bäumen waren. Liebevoll hat er sie umhegt und gepflegt, hat eine Art Geschichte um sie herum erfunden, damit die ganz andere Gans, die Mutter also aller Dinnershows in Leipzig, auch in der 17. Ausgabe wieder eine Art Handlungsfaden hat. Am Donnerstag war Premiere im größten Spiegelzelt der Welt auf dem Leuschner-Platz, der größten City-Brache Leipzigs. Und die Reaktionen des Publikums im ausverkauften doppelstöckigen Rund lassen wenig Zweifel daran, dass auch diese Gans wieder als Erfolg in die Annalen des ausrichtenden Krystallpalast-Varietés eingeht. Und das liegt auch – wenn nicht vor allem – am Insel-Rahmen.

Erstklassige Akrobatik, schräger Witz und gutes Essen: Bilder von der 17. Ausgabe von „Gans ganz anders“

Bis Silvester schickt der die bestens bekannte Personnage um Herbert von Cremefeld (Armin Zarbock) und seine Angetraute Anna Karenina (Simone Cohn-Vossen) als Commander Jack Daniels und Captain Bloody Mary durch die Karibik, auf dass sie dort mit ihrem Anhang (Elena Maria Pia Lorenzon, Matthias Stein, Raschid D. Sidgi und Falko Köpp) einen Schatz suchen. Dabei wird viel und zum Teil exzellent (Lorenzon, Köpp) gesungen, getanzt (die sehr ansehnlichen Fock-Klüver-Gaffer-Girls um Choreographin Claudia Scharf), grimassiert (alle) und virtuos synchron gesprochen. Weil Cremefelds sich wieder nicht einigen können, wer das Sagen hat, sagen beide grundsätzlich alles parallel.

Rückhaltlos albern

Das Ergebnis ist an Dürftigkeit im Grunde schwer zu floppen, macht aber in seiner rückhaltlosen Albernheit, seinem anarchischen Witz, den naheliegenden Anspielungen und abseitigen Reimen, den hinreißenden Fluch-der-Karibik-Parodien und -Kostümen (Norbert Ballhaus) vom ersten Moment an mit viel Tempo mächtig Spaß. Vor allem den Protagonisten, die bei aller Professionalität in jedem Augenblick den Eindruck vermitteln, sie amüsierten sich auf dem eigenen Kindergeburtstag. Und so verfehlt an der Pointen-Front kein Schuss sein Ziel – ganz gleich, wie tief er ansetzt.

Dramaturgisch mehr (selten) oder weniger (meist) geschickt eingebettet in diesen unterhaltsamen Unfug, der nur selten sich Mühe gibt, ein höherer zu sein, spendiert das Krystallpalast-Varieté vier internationale Akrobatik-Nummern, die das Glucksen und Kichern auf den rund 600 Plätzen mit Staunen brechen. Da windet sich Katherine Would aus England höchst elegant, bemerkenswert gelenkig und ziemlich erotisch am und um den Luftanker hoch über den Köpfen des Publikums. Da kantet sich Aurélia Brua aus Frankreich höchst kraftvoll, bemerkenswert fintenreich und ziemlich spektakulär zwischen ihre beiden Schiffsmasten. Da katapultieren sich die beiden Iren vom Duo Up and Down höchst virtuos, bemerkenswert gut gelaunt und ziemlich waghalsig mit dem Schleuderbrett in die Luft, um unterm Sternenhimmel Saltos und Pirouetten zu drehen. Da sind schließlich die vier Ukrainer von „Atlantis“, die höchst gekonnt, bemerkenswert geschmeidig und in ziemlich grauenvollen Kostümen aufeinanderstehen.

Fabelhafter Service

Gemeinsam mit der durchgeknallten Schauspieltruppe und der fabelhaften Bottle-of-Rum-Ba-Band (Michael Hinze, Sascha Mock, Hendrik Bertram, Hubertus Böhm und Michael Arnold) sorgen diese Artisten dafür, dass die Zeit nicht lang wird zwischen den Gängen. Zumal es sich lohnt, auf die zu warten. Aufs exzellente pochierte Landei mit Maracuja-Lachs, gebackenem Bacon, Blattsalat mit Roter Bete und Kürbis, Senf-Brunnenkresse und Buchweißen-Blini samt Tomatenkaviar, auf die herrliche Kreolische Süßkartoffel-Kokos-Suppe, die solide lackierte Gänsekeule und das sensationelle Apfel-Basilikum-Parfait mit Johannisbeere-Calvados-Kuchen, Rumkugel, geflammter Ananas und gesalzener Wassermelone. Alles auf den Punkt aufgetragen vom fabelhaft freundlichen und souveränen Service.

Nach rund dreieinhalb Stunden versammeln sich alle Beteiligten zum letzten Applaus, und die ganz andere Piraten-Gans ist Geschichte. Es fühlt sich nach deutlich weniger an.

„Gans ganz anders“: Dinnershow im Spiegelzelt auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz (bis 31. Dezember); Karten (79–135 Euro einschließlich Viergang-Menü) u.a. in der Ticketgalerie im LVZ Foyer, Peterssteinweg 19, im Barthels Hof, Hainstr. 1 oder in den Geschäftsstellen dieser Zeitung. Außerdem unter der gebührenfreien Ticket Hotline 0800 2181050 und auf www.ticketgalerie.de, unter Tel. 0341 140660 oder über www.krystallpalastvariete.de.

Von Peter Korfmacher

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