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Kultur Regional Hilmar Klutes Parodie der Kritik
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17:00 05.12.2018
Wie schon im Juni 2017 ist der Schauspieler Ulrich Matthes (l.) am Freitag zu Gast in der ZDF-Sendung „Das Literarische Quartett“ mit Christine Westermann, Volker Weidermann und Thea Dorn (v.l.). Quelle: Svea Pietschmann/ZDF
Leipzig

„Auch in der Weihnachts-Ausgabe wird über herausragende Bücher diskutiert“, kündigt das ZDF das „Literarische Quartett“ für den 7. Dezember an. Warum auch nicht? Zu Gast ist erneut der Schauspieler Ulrich Matthes, der im Sommer 2017 schon mal da war.

Vielleicht kommt er wieder, weil er die Kritiker-Runde damals enorm bereichert hat. Vielleicht aber auch, weil die Sendung am 16. Juni erst nach Mitternacht ausgestrahlt wurde, was an Helmut-Kohl-Nachrufen lag.

Vorgezogene Nachrufe auf das Buch und mehr noch auf die Buchleser gibt es fast täglich. Formate wie diese könnten einer Wiederbelebung dienen, würden sie nicht erst ab 23 Uhr gesendet.

Diesmal sprechen Thea Dorn, Christine Westermann und Volker Weidermann mit ihrem Gast über neue Romane der finnischen Bloggerin Minna Rytisalo („Lempi, das heißt Liebe“), der russischen Lyrikerin, Essayistin und Journalistin Maria Stepanova („Nach dem Gedächtnis“), des irischen Dramatikers Sebastian Barry („Tage ohne Ende“) und von Hilmar Klute („Was dann nachher so schön fliegt“).

Zur Komik komprimiert

Hilmar Klute, 1967 in Bochum geboren, ist Redakteur und „Streiflicht“-Autor der „Süddeutschen Zeitung“, er hat unter anderem die Erzählung „Der Kater Kasimir und andere Tiere meines Lebens“ veröffentlicht, den Essay „Wir Ausgebrannten: Vom neuen Trend, erschöpft zu sein“ und die Ringelnatz-Biografie „War einmal ein Bumerang“.

Als Journalist schreibt er über Kabarett oder überhaupt das Humorwesen oder – noch weiter gefasst – Zeitgeist, wozu das Erbe des Nationalsozialismus ebenso gehört wie der „Wallungswert unserer Gesellschaft“. Das zu erwähnen ist deshalb wichtig, weil es sich in seinem Roman wiederfindet – als Thema wie als Form und auf eine Weise komprimiert, dass Komik entsteht.

Hilmar Klute: Was dann nachher so schön fliegt. Roman; Galiani Berlin; 368 Seiten, 22 Euro Quelle: Galiani Verlag

Dem „Literarischen Quartett“ dürfte besonders jene Szene Freude bereiten, in der sich der jugendliche Held Volker Winterberg dem Urteil einer Literaturbetroffenenrunde stellt. Eigentlich gehört er ja unter Gesinnte wie die Gruppe 47, da wir uns aber in den 80ern befinden, ist es dann doch nur ein Treffen für Nachwuchsschriftsteller in Westberlin.

Und es ist ja auch nur Volker Winterberg, Zivildienstleistender aus dem Ruhrgebiet und Neigungslyriker. In seinen Träumen aber raucht er mit Peter Rühmkorf eine Zigarette und wird von Walter Jens nicht gemocht. In der Realität trägt Volker sein Pariser Café-Gedicht „Langstieliges Nachtleben“ vor und wird dafür kritisiert, dass es „eine rein männliche Sicht auf die Welt“ transportiere.

Müller und Fried

Klute surrt um Sprache, um die Möglichkeiten, ein Gedicht zu schreiben, also das, was „dann nachher so schön fliegt“, vor allem aber um Kultur, Kulturbetrieb und Kulturkritik. Da raucht Heiner Müller eine Heiner-Müller-Zigarre und macht Heiner-Müller-Sprechpausen, und der „Literatur-Industrielle“ Erich Fried kommt gar nicht gut weg.

Zwischendurch hilft Volker Winterberg als Zivi den Alten zwischen Erinnern und Vergessen durch den Tag. Die Erkenntnis reift: Was vom Füller tropft, muss noch lange kein Gedicht sein. So führt dieser Roman am Ende auch in einen Befreiungsfrieden.

Hilmar Klute: Was dann nachher so schön fliegt. Roman; Galiani Berlin; 368 Seiten, 22 Euro

Literarisches Quartett: 7. Dezember, 23 Uhr, ZDF

Von Janina Fleischer

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